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Bestätigt! Center Parcs will große Ferienanlage in Franken bauen

Das Vorhaben sorgt für zahlreiche Diskussionen in der Region - 14.08.2020 12:19 Uhr

Eine „innovativ-ökologische Muster-Ferienanlage“ will Center Parcs auf das Muna-Gelände in Langlau bauen. Mehr Details soll es bereits im September geben. Der Ferienpark in Leutkirch im Allgäu, der 2018 eröffnet wurde, gibt eine grobe Vorstellung, was man sich für Langlau erwarten darf.

© Foto: Ton Hurks/Center Parcs


Der holländische Konzern hat ein Kaufangebot für das Gelände im Besitz des Bundes abgegeben und ist nach Informationen unserer Zeitung der Meistbietende. Die Detailverhandlungen über den Kauf zwischen Bund und Unternehmen laufen. Bereits im September will Center Parcs die Planungen den politischen Gremien vor Ort sowie Medienvertretern vorstellen.

Center Parcs sei es "extrem wichtig, die Interessen der Region in die Projektentwicklung miteinzubeziehen und alle Fragen der Öffentlichkeit und der relevanten politischen Gremien frühzeitig zu beantworten", wird das Unternehmen in einer Pressemitteilung des Landratsamts zitiert. Die bisherige Zurückhaltung begründete man mit dem frühen Stand der Verkaufsverhandlungen mit dem Bund.

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Nun ist es offiziell: Center Parcs plant eine Feriensiedlung mit mindestens 800 Häusern am Brombachsee. Die Rede ist von einer "innovativ-ökologischen Muster-Ferienanlage". Während Landrat Manuel Westphal sich für das Projekt ausspricht, formiert sich das Lager der Gegner bereits. Ein Überblick in Bildern.


Recherchen unserer Zeitung hatten das Hunderte Millionen Euro schwere Projekt Ende Juli an die Öffentlichkeit gebracht. Eine interne Präsentation des französischen Mutterunternehmens hatte die Eröffnung eines Parks mit 800 Ferienwohnungen auf dem Muna-Areal angekündigt. Plus Restaurants, Freizeit- und Sporteinrichtungen sowie Spaßbad. Freitagmorgen (14. August) bestätigte Center Parks dann die konkreten Planungen.

Der 2018 von Center Parcs eröffnete Park in Leutkirch im Allgäu hatte rund 350 Millionen Euro gekostet. In einer ähnlichen Liga dürfte die geplante Anlage in Langlau spielen. Damit würde es sich um eines der größten privaten Tourismusprojekte Süddeutschlands handeln. Landrat Manuel Westphal (CSU) sprach sich gegenüber unserer Zeitung klar für das Projekt aus: "Ich halte die Ansiedlung von Center Parcs für eine sehr große Chance für die ganze Region."

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Die Ganzjährigkeit

Man habe von Anfang an gesagt, dass man im Seenland die Ganzjährigekeit in der Tourismussaison brauche, diesbezüglich könnte man mit einer solchen Einrichtung einen großen Schritt weiterkommen. Mit ihrem Angebot an wetterunabhängigen Freizeitaktivitäten gelingt es den Center Parcs, auch im Herbst und Winter Gäste in ihre Anlagen zu locken. Eine Zeit, in der rund um die Brombachseen kaum ein gastronomischer Betrieb offen hat, weil fast keine Gäste da sind.

"Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das weitere Investitionen nach sich zieht", stellte Westphal fest. Die Betreiber von Ferienwohnungen oder Gastronomen in der Region würden sich leichter tun, Geld in die Hand zu nehmen, wenn es eine deutlich höhere Grundlast gebe. Die ganze Urlaubsregion werde zudem an Bekanntheit gewinnen. "Ich vergleiche das gerne mit einem Unternehmen, da muss man auch regelmäßig investieren, um an der Spitze zu bleiben", sagte Westphal mit Blick auf das Fränkische Seenland.

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Wie erheblich die Dimensionen einer solchen Anlage wären, zeigt ein Vergleich: Das gesamte Fränkische Seenland hat derzeit von Roth über Gunzenhausen und Pleinfeld bis zum Hahnenkammsee gut eine Million Übernachtungen pro Jahr. Der Center Parc im Allgäu – mit allerdings 1000 Ferienhäusern – kommt alleine auf rund eine Million Übernachtungen.

Das Projekt zwischen Kleinem und Großen Brombachsee hat schnell auch Kritiker auf dem Plan gerufen. Um den See formiert sich ein Bürgerbündnis, der Bund Naturschutz in Bayern hat in einer eigenen Stellungnahme das Projekt abgelehnt und der Kreisverband der ÖDP hat den Antrag gestellt, die Kaufverhandlungen einzustellen.

Manuel Westphal betont, dass es ihm nun darum gehe, einen transparenten Prozess einzuleiten, in dem auch die Kritiker zu Wort kommen. "Ohne die Beteiligung der Bürger geht es bei einem solchen Projekt heute nicht. Das ist mir wichtig und das sieht auch Center Parcs so", stellte der Landrat klar. Bisher habe er sich zurückhalten müssen, weil er in offenen Kaufverhandlungen eines privaten, börsennotierten Unternehmens nicht eingreifen könne.

Ergebnisoffener Prozess

Nun, da das Projekt einen Schritt weiter sei, starte ein öffentlicher Prozess der Diskussion. Bereits im nächsten Monat werden Center-Parks-Verantwortliche Politik und Medien vor Ort die Planungen für das Muna-Areal vorstellen.


Center Parcs im Fränkischen Seenland: Region reagiert gespalten


Der Landrat betonte, dass man am Anfang eines "ergebnisoffenen Prozesses" stehe. Zunächst müsste Center Parcs Pläne und Untersuchungen zu Themen wie Besucherleitung oder Verkehrserschließung erarbeiten, um damit ein Raumordnungsverfahren bei der Regierung von Mittelfranken zu beantragen. Dazu bräuchte es eine Änderung des Flächennutzungsplans, die der Zweckverband Brombachsee beschließen müsste. Auch der Bebauungsplan müsste geändert werden, was Aufgabe der Gemeinde Pfofeld wäre, und am Ende hätte das Landratsamt über den Bauantrag zu entscheiden. In Leutkirch dauerte es vom Beginn der Planungsschritte bis zur Eröffnung des Parks etwa neun Jahre. Davon entfielen nur gut zwei Jahre auf die Bauzeit.

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Westphal stellte klar, dass es keinen Privat-Strand für die Ferienanlage geben werde. Das war mitunter von einzelnen Kritikern befürchtet worden. "Es gibt für mich klare No-Gos, und das weiß Center Parcs auch", so der Landrat. Die öffentliche Zugänglichkeit der Ufer sei nicht verhandelbar. Center Parcs wolle zudem versuchen, Aufträge auch lokal zu vergeben und die Anlage auch für Einheimische zugänglich zu machen.


Kommentar: Center Parcs kann helfen, Probleme in der Region zu lösen


Er äußerte sich auch zu den Einwürfen, der Landkreis selbst hätte das Areal kaufen sollen. "Da muss ich klar sagen: Das wäre niemals gegangen." Nur das Mindestgebot für das 150 Hektar große Grundstück lag bei rund zwölf Millionen Euro. Dazu komme die Räumung der Altlasten auf der ehemaligen Munitionsanstalt, die nach seiner Schätzung mehrere Millionen Euro kosten werde. "Dann ist man so ganz grob gerechnet bei 20 Millionen Euro und dann fängt man das Investieren erst an. Das ist keine Größenordnung für uns und es ist auch nicht unsere Aufgabe, touristische Projekte in dieser Größenordnung zu stemmen."

Jan Stephan

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