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Bienenpakt für Altmühlfranken beschlossen

Politik, Landwirte und Imker packen gemeinsam an - 17.08.2018 05:50 Uhr

Landrat Gerhard Wägemann unterzeichnete als Erster den Bienenpakt. Nach ihm folgten die restlichen Mitglieder der neuen Gruppe – hier zu sehen sind der Stimmkreisabgeordnete Manuel Westphal und Kreisobmann Fritz Rottenberger. © Leah Mühlöder


Zur Unterzeichnung des Bienenpakts traf man sich in symbolträchtiger Kulisse: in der Thalmannsfelder Natur, umgeben von insektenfreundlicher Blühfläche. Anwesend waren fast alle betroffenen Gruppen mit ihren Vertretern: der Kreisverband der Imker im Landesverband Bayerischer Imker (LVBI), Landwirte, der Landkreis, Gemeinden, der Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege . . .

Das Zusammentreffen hatte eine große Symbolkraft, mit der man in Zukunft viel schaffen könnte. Die bisher formulierten Maßnahmen bieten aber wenig konkrete Anhaltspunkte, wie es zu einer Verbesserung der Lage führen soll. Gute Kommunikation steht erst mal im Mittelpunkt, danach sollen Taten folgen.

Der Bienenpakt soll Bienen, andere Insekten schützen und ihren Lebensraum erhalten. Denn das Problem ist brisant: Deutschlandweit war innerhalb der letzten 65 Jahre ein Rückgang der Bienenvölker von 63 Prozent zu verzeichnen. Das betrifft nicht nur Imker und Bienen, sondern das gesamte Ökosystem, das in wechselseitiger Abhängigkeit steht: Bienen und Pflanzen sind aufeinander angewiesen. „Ohne Bestäubung kein Pflanzenwachstum, ohne Pflanzen keine Nahrung für Bienen und viele andere Insekten“ – so ist das Kernproblem in der schriftlichen Version des Bienenpakts formuliert. Das gilt es nun anzupacken. Der Weg dorthin kann aber nur ein gemeinsamer sein.

Die Imker stellen dafür ihr Fachwissen und ihr Netzwerk zur Verfügung. Mehr Austausch, mehr Mitei­nander mit Landwirten und Kommunen ist angesagt. Beispielsweise könnten Flugzeiten der Bienen mit den Spritzzeiten der Bauern abgestimmt werden. Zunächst geht es darum, eine funktionierende und harmonische Kommunikationsbasis zwischen Imkern und Landwirten zu schaffen – ein Netzwerk, das die Organisation einfacher gestaltet. Die Imker zeigten sich verständnisvoll gegenüber den anderen Mitspielern: „Uns Imkern ist klar, dass die Landwirte nur begrenzt Rücksicht nehmen können“, daher fordern sie einen „gesunden Mittelweg“, so Stefan Spiegl, Vorsitzender des LVBI.

Bunte Buchstabensuppe: Nicht nur der Name des neuen Projekts erstrahlt in vielen Farben, auch die Unterzeichner sind eine bunt gemischte Gruppe. Imker, Landwirt, Bürgermeister – alle haben beschlossen, sich gemeinsam um den Lebensraum der Bienen zu kümmern. Weitere konkretere Maßnahmen sind in Planung. © Leah Mühlöder


Auch Landwirte sind im Zugzwang

Bei dem Bienenpakt geht es nicht nur um die Sicherstellung der Ver­sorgung von Insekten. „Mehr Futterpflanzen sind das eine, Brutplätze sind das andere, was Insekten brauchen“, erinnerte Ernst Hilmer vom Amt
für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Stängel, Hölzer, Gewässerrandstreifen, Feldrandstreifen oder Schnitte, bei denen ein paar Meter Streifen stehen gelassen werden – „den Bauern bringt das wenig Verlust, aber für die Bienen viel Gewinn“, so Hilmer. Alles Maßnahmen, die problemlos ergriffen werden können. Die Landwirte sind sich ihrer Schlüsselrolle bewusst. „Kein anderer hat so mit den Konsequenzen zu leben wie wir“, betont Fritz Rottenberger, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands. „Wir machen Ackerstreifen, Randstreifen und Blühstreifen, aber trotzdem wird gemeckert, da muss man aufpassen, dass man willige Landwirte nicht vergrault“, mahnt Rottenberger.

Auch der Landkreis und die Gemeinden haben bereits erste Maßnahmen ergriffen, um die Lebensraum­erhaltung der Bienen auf den eigenen Flächen zu verbessern. Mit dem bereits gestarteten Programm „Viel­falt.Erleben.Altmühlfranken – Bio­diversität auf öffentlichen Flächen“ soll das Flächenpotenzial im Landkreis ermittelt werden. Ziel ist die Vernetzung von verschiedenen Lebensraumtypen. Mit den kommunalen Bauhöfen geht es dann um die Pflegekonzepte für Grünflächen. Hier besteht aber noch Klärungsbedarf, denn die bisherige Erfahrung zeigte, dass man vor Ort oft auf Unverständnis stößt.

Der Bürgermeister der Gemeinde Muhr am See, Dieter Rampe, berichtete von Bauhöfen, deren Reaktion ziemlich ablehnend war: „So ein Scheiß mach mer ned“– sei ihm dort entgegnet worden. Nach erklärenden Gesprächen würde die Akzeptanz aber  steigen, so Rampe. Auch das Verständnis in der Bevölkerung sei noch ausbaufähig, waren sich die Gemeinden einig. Denn wenn Gemeinden einen Beitrag zum Wohl der Insekten leisten, sieht es so aus, dass in den Orten Grünflächen seltener gemäht werden. Das Ergebnis: wilde Wiesen, die einen ungepflegten Eindruck machen. Hier müsse die Kommunikation noch klarer werden .

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Auch andere Insekten sind wichtig

Gerhard Durst vom Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege erinnerte auch daran, dass nicht nur Bienen gefährdet seien, auch Wespen und Hummeln müssten miteinbezogen werden, „die sind genauso bedeutend, wenn es um Vielfalt geht“. Einen Beitrag dazu kann jeder leis­ten: Artenreiche Gärten sind ebenfalls wichtige Lebensräume für Insekten. 

Leah Mühlöder

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