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Samstag, 28.11.2020

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Corona im Landkreis: Das sagt der Gesundheitsamtsleiter

Dr. Johannes Rank bewertet das Infektionsgeschehen in Weißenburg-Gunzenhausen - 21.11.2020 06:00 Uhr

Die Entwicklung im Blick: Gesundheitsamtsleiter Dr. Johannes Rank sieht die Infektionszahlen auf einem hohen Niveau, ein exponenzielles Wachstum ist aber gebremst.

20.11.2020 © Foto: Jan Stephan


Jeden Tag melden das Robert-Koch-Institut und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit den aktuellen Inzidenzwert der Corona-Neuinfektionen. In Weißenburg-Gunzenhausen etwa lag er gestern bei 112,95, gerechnet auf 100 000 Einwohner. Eine Fokussierung auf diese täglichen "Wasserstandsmeldungen" hält Dr. Johannes Rank, Leiter des Gesundheitsamtes, jedoch für problematisch. "Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen."


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So gebe es Schwankungen zwischen den Wochentagen, weil etwa am Wochenende gar keine bis wenig neue Fälle gemeldet werden. Auch könne es aufgrund technischer Probleme, aber auch menschlicher Fehler bei der Übermittlung der Daten zu falschen Zahlen kommen. "Das wird zwar dann am nächsten Tag nachgereicht, vermittelt jedoch ein falsches Bild."

Es geht nicht mehr durch die Decke

Rank hat vielmehr den Trend im Auge, die Entwicklung von Woche zu Woche. Und für Altmühlfranken seien die Zahlen längerfristig betrachtet zwar "leicht gesunken, aber sie verharren doch auf einem hohen Niveau." Von einem exponenziellen Wachstum habe man zu Beginn der zweiten Welle "mit Sicherheit" noch sprechen können. Inzwischen kommen zwar fast täglich Meldungen, aber "es geht nicht mehr durch die Decke", berichtet Rank.


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Das ist vor allem für die Nachvollziehbarkeit der Infektionsketten von Bedeutung. Man bemühe sich im Gesundheitsamt nach wie vor, alle Kontaktpersonen zu ermitteln und zu verständigen. Das ist mal leichter, zum Beispiel im Familienbund, und mal schwerer. Einige andere Gesundheitsämter hingegen haben das inzwischen aufgegeben, Nürnberg und Fürth etwa. "Wir möchten diese Taktik aber so lange wie möglich aufrechterhalten", betont Rank. "Wir können noch aktiv handeln, anstatt nur zu reagieren."

Vier Schulen und ein Kindergarten

Immer wieder kommt es vor, dass Schulklassen und Kindergartengruppen in Quarantäne müssen. Im Kindergarten Raitenbuch befinden sich 20 Kinder sowie drei Erzieherinnen in Quarantäne. Auch an vier Schulen im Landkreis müssen Klassen zuhause bleiben, weil ein Schüler oder eine Schülerin eine sogenannte Indexperson – also nachweislich mit dem Virus infiziert – ist. Betroffen sind die Mittelschule und das Werner-von-Siemens-Gymnasium in Weißenburg, die Senefelder-Realschule in Treuchtlingen, und ein Teil der Q 12 des Simon-Marius-Gymnasiums Gunzenhausen.

Familie und Arbeitsplatz als Hotspots

Ein Vorgehen, das der Gesundheitsamtsleiter nicht optimal findet. "Ich persönlich würde gerne flexibler handeln, insbesondere dann, wenn Masken getragen wurden", sagt Rank. Allerdings lässt die Staatsregierung bei der Klassenquarantäne keinen Spielraum, obwohl sich zumindest in Altmühlfranken noch keine Schule zu einem Hotspot entwickelt hat. Man nehme den Gesundheitsämtern die Chance, die Kontaktpersonen zu ermitteln und gezielte Quarantäne anzuordnen. "Ich bin nicht glücklich über die Situation", fasst Rank zusammen. Die meisten Ansteckungen im Landkreis finden nach seiner Einschätzung im privaten Bereich statt, gefolgt vom Arbeitsplatz. "Ich vermute, dass die Menschen da einfach noch unvorsichtiger sind."


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miz

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