Donnerstag, 03.12.2020

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Corona sorgt für turbulentes Tourismusjahr in Altmühlfranken

Ein starker Sommer und viele schwache Monate im Fränkischen Seenland und im Naturpark Altmühltal - 13.11.2020 16:51 Uhr

Leben, wo andere Urlaub machen: Das Fränkische Seenland und der Naturpark Altmühltal haben sich als beliebte Urlaubsziele in Deutschland gut etabliert und konnten fast immer von steigenden Buchungszahlen berichten. Doch in diesem Jahr hat die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen die Bilanzen verhagelt. Da half auch der schönste Sonnenuntergang nichts.

12.11.2020 © Foto: Miriam Zöllich


Ende September stand das Seenland bei einem Minus von rund 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was die Übernachtungszahlen angeht (berücksichtigt sind in der Statistik nur die Betriebe mit mehr als neun Betten). Nach einem guten Start ins Jahr lief März, April und Mai so gut wie gar nichts. Juni, Juli, August, September ging es dann steil bergauf. Doch das war es dann auch wieder.


Tourismus im Seenland: "Es ist dramatisch"


Die für November erhofften 40 000 Übernachtungen fallen nun auch komplett aus der Statistik raus. Den Naturpark hat es gleich noch schlimmer erwischt. Das Minus bis September liegt bei gut 30 Prozent. Doch es geht auch noch schlimmer: Nürnberg hat einen Rückgang von mehr als 50 Prozent zu verkraften.

Auffällig ist aus Sicht Niederprüms der neuerliche Rückgang des Bettenangebots. Obwohl in Roth das neue Dormero-Hotel eröffnet hat, ist die Zahl der verfügbaren Betten im Seenland erneut um 150 zurückgegangen. Auf den Umstand, dass die Übernachtungsmöglichkeiten in der Region seit Jahren immer weniger werden, hatte Niederprüm auch im Zusammenhang mit der Center-
Parcs-Diskussion im Sommer schon hingewiesen.
Auch Würflein berichtete davon, dass die Zahl der Betten immer kleiner wird. "Das hat sich durch Corona noch beschleunigt."

Das Reiseziel wird im Netz gefunden

Gut angenommen wird der Internetauftritt des Fränkischen Seenlandes, der in diesem Jahr schon mehr als 1,5 Millionen Zugriffe verzeichnete (im Vorjahr waren es gut 1,2 Millionen). Die Beobachtung, dass die Zugriffe auf die Seite nach oben gingen, als die Corona-Auflagen gelockert wurden, machte man auch beim Naturpark Altmühltal. Im Juni gab es einen Tag, an dem sich über 15 000 Nutzer auf der Homepage über die Möglichkeiten der Ferienregion informierten.

Immer beliebter wird auch der Online-Buchungs-Service (OBS), den das Seenland aufgebaut hat. 40 000 Zimmerbuchungen gab es in diesem Jahr bislang, nach 30 000 im gesamten zurückliegenden Jahr. Generell will der Tourismusverband Fränkisches Seenland die Digitalisierung vorantreiben und verstärkt auch Multimaps oder Chatbots einsetzen. Das Erstere sind 360-Grad-Panorama-Aufnahmen und virtuelle Angebote, das andere automatisierte Systeme, die auf häufig gestellte Fragen reagieren können. Um diese anzulernen, ist erst einmal ein Mehraufwand erforderlich, doch dann können sie die Mitarbeiter von Standardaufgaben entlasten.

"Nur positive Nachrichten"

Auch mit der Social-Media-Präsenz der Urlaubsregion ist Geschäftsführer Niederprüm zufrieden. In vier Wochen werden etwa 33 000 Menschen erreicht. "Da gibt es ausschließlich positive Nachrichten", erzählte Niederprüm im Ausschuss und nannte beispielhaft das Abfragen fränkischer Begriffe und ihrer Bedeutung. Das wirke zwar zufällig, sei aber ganz gezielt gesetzt. "Da ist nichts dem Zufall überlassen." Auch der Naturpark Altmühltal bespielt diese Wiese. Würflein: "Da kann man viel bewegen."

Ein bisschen bitter für die Statistik im Fränkischen Seenland ist die hohe Zahl an Tagesausflüglern. Man schätzt sie auf etwa 5,6 Millionen im Jahr. Damit würden sie etwa 75 Prozent der Gäste insgesamt ausmachen. Doch weil jeder von ihnen im Schnitt nur knapp 20 Euro hierlässt, tragen sie nur zu 43 Prozent zum Gesamtumsatz von 255 Millionen Euro bei. Allerdings räumte Niederprüm auch ein, dass die Zahlen nur geschätzt sind und keiner wirklich weiß, wie viele Tagesausflügler kommen.

Dass es im Sommer sehr viele waren, zeigten die übervollen Parkplätze. Dennoch will Niederprüm nicht von "Overtourism" sprechen. "Es gab Spitzentage, das ist nicht von der Hand zu weisen. Doch insgesamt ist noch Luft nach oben." Würflein pflichtete ihm bei. Aus seiner Sicht gibt es eine "punktuelle Überlastung". Im Naturpark sei das im Sommer das Bootswandern gewesen.

Wandern allein reicht nicht

Wandern und Radwandern sind im Naturpark seit jeher die beliebtesten Beschäftigungen, stellte Würflein fest. Mit dem Altmühltal-Panoramaweg oder auch dem Altmühltal-Radweg habe man hier echte Highlights. Aber: Auch viele andere Urlaubsregionen in Deutschland wollen mit Wandern und Radwandern punkten.


Naturpark Altmühltal setzt auf Inlandstouristen


Deshalb setzt der Naturpark gezielt auf Profilierungsthemen. Der Geotourismus mit dem Archäopteryx sei ein solches Beispiel, der Limes ein anderes. Die Gäste kommen dabei nicht ausschließlich wegen dieses Angebots, aber es kann eben ausschlaggebend sein, wenn der Sohn ein Faible für die Römer hat, nannte der Geschäftsführer beispielhaft.

Auffällig sei die sehr unterschiedliche Verteilung bei den Übernachtungen im Naturpark. Zwischen Gunzenhausen und Eichstätt beispielsweise gebe es wenig Angebote und entlang der A 9 litten die Tagungshotels in diesem Jahr ganz besonders unter den Corona-Folgen.

Da nach den Kommunalwahlen im Frühjahr etliche neue Gesichter im Kreistag und damit auch im Ausschuss für Regionalentwicklung, Tourismus, Sport und Kultur sind, fiel die Tourismusbilanz diesmal etwas ausführlicher aus. Sowohl Hans-Dieter Niederprüm als auch Christoph Würflein erläuterten zunächst die Ausdehnung der jeweiligen Urlaubsgebiete und ihre Schwerpunkte.

 

ROBERT MAURER

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