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Der Einfluss des Wetters auf die Strompreise in Weißenburg

Wegen verschiedener Parameter steigen die Preise für Strom und Gas - 25.11.2018 15:02 Uhr

Auf erneuerbare Energien setzen: Zwei Windkraft- und 15 Fotovoltaikanlagen, wie diese an der Bahnlinie nach Treuchtlingen unmittelbar im Anschluss an das Gewerbegebiet Süd II, betreiben die Stadtwerke Weißenburg. © www.limes-luftbild.de


Beim Strom bleibt der Grundpreis gleich. Auch die Konzessionsabgabe in Höhe von 1,32 Cent pro Kilowattstun­de (netto) und die Stromsteuer von 2,05 Cent pro Kilowattstunde (netto) werden  nicht verändert, aber die Verbrauchspreise steigen um gut zehn Prozent. Dies liegt zum einem daran, dass der eigentliche Energiepreis gestiegen ist, und zwar netto um 1,167 Cent pro Kilowattstunde. Doch der Energiepreis macht mittlerweile nur noch einen geringen Teil des gesamten Strompreises aus, erläutert Lang.

Zum anderen gibt es „Preisbestandteile, die weitgehend aufgrund staatlicher Reglementierung festgesetzt werden“ und von den Energieversorgern nicht beeinflusst werden können, heißt es in einem Brief der Stadtwerke, der momentan an alle Kunden rausgeht.
So erhöhen sich die Netznutzungsentgelte netto von 5,97 auf 6,21 Cent pro Kilowattstunde (= 0,24 Cent/kWh). Sie müssen an die Stromnetzbetreiber für den Stromtransport und die Stromverteilung bezahlt werden. Eine Ursache für die Teuerung ist der Ausbau der erneuerbaren Energien, weil dafür die Verteilnetze umgebaut und verstärkt werden müssen. Außerdem ist durch das dezentrale Energieerzeugen der Anschluss von immer mehr Anlagen nötig.

Steigen wird auch die gesetzliche Offshore-Netzumlage. Statt bisher 0,037 sind 0,416 Cent pro Kilowattstunde zu entrichten. Gesunken sind hingegen die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz, der Aufschlag gemäß dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz sowie die Umlagen gemäß § 19 der Strom-Netzentgeltverordnung und für abschaltbare Lasten.
Alle Preisbestandteile sind umsatzsteuerpflichtig (19 Prozent), sodass sich für den Endverbraucher letztlich ein Erhöhung um 1,5 Cent pro Kilowattstunde ergibt. Bei einer vierköpfigen Familie mit einem Durchschnittsverbrauch von 4 000 Kilowattstunden ergeben sich Mehrkosten von etwa 60 Euro pro Jahr.

Aber auch beim Gas wurde an der Preisschraube gedreht – auch ohne Zutun der Stadtwerke. Der reine Energiepreis erhöht sich ab 1. Januar um 0,33 Cent pro Kilowattstunde und die Bilanzierungsumlage trägt ein Plus von 0,12 Cent pro Kilowattstunde bei. Unverändert bleiben hier der Grundpreis, die Netznutzungsentgelte, die Konzessionsabgabe sowie die Erdgassteuer.

Der durchschnittliche Gasverbrauch pro Haushalt liegt in Deutschland bei 16 Kubikmetern pro Jahr, was 160 Kilowattstunden gleichzusetzen ist. Bei 54 Cent pro Kilowattstunden (inklusive Umsatzsteuer) sind in diesem Fall gut 86 Euro mehr pro Jahr zu berappen.

Kooperation mit anderen Städten

Eingekauft wird das Gas über die Kooperationsgesellschaft für Gasversorgungsunternehmen (KfG), an der die Weißenburger Stadtwerke 10,4 Prozent halten und deren Geschäftsführer ebenfalls Peter Lang ist. Die KfG beschafft das Gas für die Stadtwerke Bad Windsheim, Dinkelsbühl, Eichstätt, Feucht, Feuchtwangen, Gunzenhausen, Neuendettelsau, Neumarkt, Roth, Treuchtlingen und Weißenburg. Durch die Kooperation werden größere Gasmengen gekauft und bessere Preise erzielt.

Doch: „Den Strompreis oder den Gaspreis an sich gibt es gar nicht,“
erklärt Lang – zumindest seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 und des Gasmarktes 2004. Auf Langs Computerbildschirm ist ein große Tabelle mit roten und schwarzen Zahlenreihen zu sehen. Für den Laien ist die Sache nicht zu durchschauen. Und die Erläuterungen des Geschäftsführers lassen erahnen, wie kompliziert das Gas- und Stromgeschäft mittlerweile ist.

Die Versorger kaufen auf dem sogenannten Terminmarkt eine gewisse für sie prognostizierte Gasmenge pro Tag vorab ein. Nun kommt das Wetter ins Spiel, denn je nach Witterung wird an diesem Tag mehr oder weniger Gas als prognostiziert verbraucht. Die Differenz wird auf dem sogenannten Spotmarkt dann täglich zu- oder verkauft, wobei nicht vorauszusagen ist, wie sich der Preis entwickelt. 

Es kann also passieren, dass man die Restmenge zu einem deutlich schlechteren Preis verkauft, als man sie eingekauft hat. Oder es kann sein, dass ein Versorger zu einem deutlich höheren Preis nachkaufen muss.

Kräftig investiert

Die Sache ist für Laien ähnlich undurchsichtig wie die Gestaltung der sich mehrmals täglich ändernden Tankstellenpreise. Beim Strom verhält es sich ähnlich, sagt Lang. Nur dort ist die Sache noch komplizierter, lediglich nicht so sehr vom Wetter abhängig. Kein Wunder, dass der Weißenburger Stadtwerke-Geschäftsführer auch von „Spielbankmentalität“ spricht.
Sein Unternehmen engagiert sich selbst immer mehr auch in der Strom­erzeugung aus erneuerbaren Energien. Die erste von derzeit 15 Fotovoltaikanlagen entstand 1993. Seither haben die Stadtwerke in Solarstrom- und Windkraftanlagen 11,8 Millionen Euro investiert. 2,3 Millionen kosteten die Fotovoltaikanlagen, 9,5 Millionen Euro die beiden Windräder auf dem Höhenberg bei Oberhochstatt.

Alle zusammen erzeugen nach Angaben Langs pro Jahr zwölf Millionen Kilowattstunden Strom, was für die Versorgung von rund 4 000 Haus­halten ausreicht. 9,5 Millionen Kilowattstunden entfallen auf die beiden Windräder.

Wer wegen der Preiserhöhungen der Stadtwerke darüber nachdenken sollte, den Anbieter zu wechseln, dem gibt Lang zweierlei zu bedenken. Zum einen müssen alle Versorger aufgrund der staatlichen Regulierung ihre Preise erhöhen. Und zum anderen machen die Stadtwerke mehr als nur die Strom-, Gas- und Wasserversorgung für Weißenburg. Sie betreiben das Limesbad, die Mogetissa-Therme sowie die Stadtbusse und tragen die daraus entstehenden Defizite. Außerdem führen sie jährlich an den Haushalt der Stadt Weißenburg eine Ausschüttung ab. 

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