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Der Kümmerer vom Weißenburger Lebkuchenmann

Simon Sulk ist beim Weißenburger Kulturamt für das ehrgeizige Theaterprojekt zuständig - 28.06.2019 12:50 Uhr

Archäologe, Hobby-Security und Lebkuchenmann-Kümmerer: Simon Sulk ist bei der Stadt der Verantwortliche für die Umsetzung des Theaterprojekts.

© Foto: Jan Stephan


Simon Sulk steht ein wenig zwischen Lagern. Hier der genau geregelte Apparat der Stadt, der solide läuft, aber einen gewissen Hang zur Unflexibilität hat. Dort das künstlerische Lager des Lebkuchenmanns, wo weggearbeitet wird, was anfällt, egal ob Feiertag oder Wochenende, wo man aber nicht immer nur an die Einhaltung des Haushalts-Budgets denkt.

"Ich bin manchmal Schmiermittel und manchmal Bremse", erklärt Sulk seinen Job. "Da sind auch unterschiedlichen Logiken am Werk, die man manchmal erst vermitteln muss." So arbeitet der städtische Bauhof am Freitagnachmittag eben nicht, wenn man ihn nicht lange vorher bestellt hat. Auch dann nicht, wenn es da für ihn ordentlich Arbeit bei der Organisation einer öffentlichen Lesung für den Lebkuchenmann zu erledigen gäbe.

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Das Team hinter dem Lebkuchenmann

Der Lebkuchenmann feiert am 12. Juli Premiere und wird dann weitere neunmal im Juli im Weißenburger Bergwaldtheater aufgeführt. Bis zu 100 Schauspieler werden auf der Bühne stehen und ein Stück aufführen, das der österreichische Schriftsteller Franzobel eigens für Weißenburg und das Bergwaldtheater geschrieben hat.


Seit Oktober 2018 ist Sulk im Lebkuchenmann-Boot. Sein befristeter Vertrag als Mitarbeiter am Weißenburger Römermuseum lief damals aus und die Stadt fand in der Lebkuchenmann-Position eine passende Weiterverwendung für den studierten Archäologen, der aus Hessen stammt und seit 20 Jahren in seiner Freizeit als Security-Mitarbeiter beim berühmten Wacken Open Air in Schleswig-Holstein arbeitet.

"Der Job passt eigentlich ganz gut", findet Sulk selbst. "Ich hatte im Museum ja auch schon damit zu tun, Menschen in eine kulturelle Einrichtung zu bekommen. Das ist Kulturmarketing und die Erfahrung mit Veranstaltungen ist da auch kein Schaden." Das Abenteuer ist für ihn eher, die Theaterwelt zu verstehen, mit der er bislang wenig Kontakte hatte. Aber sein Job ist so vielseitig, dass man sich ohnehin kaum in allen Gewerken perfekt auskennen kann.

Eine Menge Papierkram

Sulk suchte gemeinsam mit Regisseur Georg Schmiedleitner und Antje Wagner, der künstlerischen Produktionsleitung, die Schauspieler und verhandelte mit ihnen die Gagen. Er kümmerte sich ums Marketing, von Zeitungsanzeigen über Plakate und Banner bis hin zu Presseeinladungen und Fernsehbeiträgen. Er musste feststellen, dass es für Kinder, die bei dem Theaterstück mitmachen wollten, eine Menge Papierkram zu erledigen galt, weil die Schauspielerei in diesem Fall als eine Art Kinderarbeit verstanden wird.

Er suchte Sponsoren und Anzeigengeber für das Programmheft und akquirierte in Zusammenarbeit mit der Kämmerei Gelder vom Kulturfonds des Bayerischen Freistaats. Er besorgte den Schauspielern Wohnungen und Zimmer. Er kümmerte sich mit der Ellinger Brauerei um eine hochwertige Gastronomie zum Fest.

Aktuell ist er auf der Suche nach Containern, die als zusätzliche Umkleiden im Bergwaldtheater genutzt werden können, weil die 100 Mitwirkenden nicht in die vorhandenen Garderoben passen. Und ganz nebenbei trägt er fast täglich die Amazon-Bestellungen der Kostümleitung ins Progymnasium, die dort den Lebkuchenmann-Fundus verwaltet.

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Ein wilder Markgraf, eine gesangsfreudige Elfe und hunderte Kohlköpfe: So lief die Generalprobe des "Lebkuchenmanns" im Weißenburger Bergwaldtheater.


"Es kostet wahnsinnig viel Zeit und für die Familie ist es nicht immer einfach", erzählt Sulk. Den Lebkuchenmann nehme er nämlich oft auch mit nach Hause. Sulk: "Ich höre auf, daran zu arbeiten, aber nicht drüber nachzudenken. Ich träume sogar fast jede Nacht vom Lebkuchenmann." Und nicht immer sind es ausschließlich gute Träume. Längst ist man in der heißen Phase des Projekts angekommen und jetzt zählen nur noch die wirklich wichtigen Dinge. Gerade hat man noch eine Inspizienz an Bord geholt. Jemand, der sich bei den Auftritten darum kümmert, dass alle Schauspieler und Requisiten zur richtigen Zeit auch da sind, wo sie sein müssen.

Wacken statt Bergwald

Simon Sulk ist sicher, dass die Aufführung gut wird. "Sowas hat es in Weißenburg noch nie gegeben und wird es vielleicht auch nie mehr geben." Er hofft, dass die Vorstellungen die Besucherzahlen bekommen, die sie verdienen und die das Stück zu einem Erfolg machen. Wie es dann weitergeht, da zuckt Sulk die Schultern. "Ich weiß es nicht", sagt er. Seine Stelle läuft Ende September aus. Was er direkt nach dem Lebkuchenmann macht, das immerhin kann er sagen. Drei Tage nach der letzten Lebkuchenmann-Vorstellung im Bergwaldtheater startet Wacken. "Da werde ich dann als Sicherheitsteamleiter im Einsatz sein. Das ist dann mein 20. Mal." Der Mann mag offensichtlich die Kontraste.

JAN STEPHAN

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