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"Der Lebkuchenmann" als Jubiläumsgeschenk fürs Bergwaldtheater

Stadtschreiber Franzobel hat sein Weißenburg-Stück übergeben - 10.03.2018 07:00 Uhr

„Der Lebkuchenmann – Ein Märchenspiel“ heißt das Stück, das Franzobel (2. von rechts) für das Bergwaldtheater geschrieben und jetzt an OB Jürgen Schröppel übergeben hat. Mit im Bild sind Roland Baumgärtl von der Hirschmann Stiftung und Kulturamtsleiterin Andrea Persch. © Robert Renner


Das Bergwaldtheater wird im kommenden Jahr 90 Jahre alt. Diese besondere Saison soll mit einem vielfältigen Programm gefeiert werden, das von der Weißenburger Bühne mit dem Brandner Kaspar eröffnet wird. Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird „Der Lebkuchenmann“ sein, der in mehreren Vorstellungen gezeigt werden soll.

Die Initiatoren wollen die Produktion in der heimischen Bevölkerung verwurzeln, weshalb die hiesigen Theatermacher von der Luna Bühne, der Weißenburger Bühne und den Pfofelder Vorhangreißern eingebunden sind. Aber auch jeder interessierte Bürger kann mitwirken.

„Es wird eine Reihe von kleinen, aber auch größere Rollen geben“, berichtete Stefan Griebl alias Franzobel, der zur Präsentation eigens aus Wien angereist war. Aber auch einheimische Musikgruppen, Chöre und historische Vereine sind gefragt, genauso wie Handwerker für das Bühnenbild.

Die Macher setzen außerdem auf die Unterstützung der Bevölkerung bei der Ausstattung mit Requisiten, beispielsweise betagten Autos oder anderen Dingen, erläuterte Theaterwissenschaftlerin Antje Wagner, die als ört­liche Koordinatorin ins Boot geholt wurde. „Ein Theaterstück von den Bürgern für die Bürger. Die Potenziale der Region sollen genutzt werden.“ Für all die Beteiligungsmöglichkeiten wird es noch einen Aufruf geben.

Die tragenden zwei´oder drei Rollen sollen mit professionellen Schauspielern besetzt werden, „guten, aber noch nicht so sehr bekannten Leuten“, schilderte Franzobel. Und um eine Zugnummer zu haben, sind die Macher, zu denen auch die Ideengeber Dr. Karl-Friedrich Ossberger, Mathias Meyer und Jan Stephan gehören, aktuell auf der Suche nach einem „Fernsehgesicht“ (Franzobel).

Kontakte gibt es bereits auch schon zu einem Regisseur. Georg Schmiedleitner ist derzeit in Nürnberg und am Gärtnerplatztheater in München engagiert. Der namhafte Theatermacher führte aber auch schon in Hamburg, Hannover und am Wiener Burgtheater Regie. Und er hat schon beim von ihm mitgegründeten Theater Hausruck in Oberösterreich mit Franzobel zusammengearbeitet.

„Hunt oder Der totale Februar“, war dort 2005 die erste Produktion, die zweimal mit dem Nestroy-Theaterpreis (Spezialpreis für die „Beste Initiative“ und „Bestes Stück – Autorenpreis“), mit dem Bühnenkunstpreis des Landes Oberösterreich sowie 2006 mit dem Vöckla Kultur Award ausgezeichnet wurde. Franzobel gerät geradezu ins Schwärmen. Das Stück habe „wahnsinnig viel bewegt“. Besucher seien aus ganz Österreich und Süddeutschland gekommen. Er habe es fast als „Ideal dessen, was Theater erreichen kann“, erlebt.

Nicht nur weil Franzobel und Schmiedleitner offenbar gut zusammenarbeiten können, sondern vor allem auch weil der Regisseur durch das Theater Hausruck Freilichtbühnenerfahrung hat, wäre er die erste Wahl, um das Stück ins Bergwaldtheater zu bringen, sagte Kulturamtsleiterin Andrea Persch. Schmiedleitner war auch schon vor Ort auf der Na­turbühne. Oberbürgermeister Jürgen Schröppel. „Mit ihm hätten wir einen Hochkaräter an Bord.“

Zum Stück selbst wollten weder der OB noch Franzobel noch Wagner noch Persch viel sagen, denn so manches kann sich noch ändern, wenn es vom Regisseur für die Inszenierung überarbeitet wurde. Es ist aber auf jeden Fall „politischer Stoff“, stellte Franzobel fest. Er habe lange gesucht, aber keine einzelne Geschichte gefunden, die ins Bergwaldtheater passt oder einen ganzen Theaterabend trägt, weil die große Weltgeschichte doch immer a bisserl an Weißenburg vo­rübergegangen ist“. Das Stück greife daher „viele Punkte der Weißenburger Geschichte “ auf.

Antje Wagner drückte es so aus: „Das Stück macht ein geschichtliches Spektrum auf“ und erstrecke sich vom Mittelalter bis in die Gegenwart. „Auch die beiden Weltkriege kommen vor. Es wird ein Bogen gespannt über das, was Weißenburg erlebt hat“, umriss die Theaterwissenschaftlerin.

Breiten Raum bekomme der Stadtwald, ergänzte Franzobel, der eingestand: „Mit dem Fränkischen umzu­gehen, war anfangs nicht ganz so einfach.“ Mittlerweile fühle er sich in  Weißenburg aber „schon heimisch“. Während seines mehrmonatigen Aufenthalts im vergangenen Sommer in Weißenburg, während dem auch sein neues Buch „Das Floß der Medusa“ große Erfolge feierte, habe er sich nicht nur einiges angeschaut und den Kontakt zu Menschen gesucht, sondern auch viel über die Stadtgeschichte gelesen, beispielsweise „die komplette Riedersche Chronik“, aber auch viele Weißenburger Blätter, mit denen ihn Stadtarchivar Reiner Kammerl versorgt hatte.

Wie der Titel schon verrate, werde das Stück „märchenhaft, aber auch nicht zu idyllisch“ und auch „nicht zu moralisierend“. „Der Lebkuchenmann“ werde „eine Herausforderung, auch fürs Publikum“, zeigte sich Franzobel überzeugt und schob nach: „Mehr derf I net sagn“.

OB Schröppel ist derweilen davon überzeugt, dass „Der Lebkuchenmann“ zu „kontroversen Diskussionen“ führen wird. Das sei aber bei Kunst normal. „Wenn es keine gäbe, wäre es langweilig.“ Schröppel ist es – ebenso wie Kulturamtsleiterin Persch – wichtig, „jene an Bord zu holen, die seit Jahren aktiv sind und auch schon länger das Bergwaldtheater bespielen“. Sowohl Thomas Hausner von der Luna Bühne als auch Anja Michel von der Weißenburger Bühne machten aber auch schon deutlich, dass sie „voll und ganz hinter dem Projekt stehen“.

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Schröppel dankte ausdrücklich Roland Baumgärtl, Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Treuchtlinger Hirschmann Stiftung, die das Stadtschreiberprojekt schon unterstützt und auch weitere Förderung zugesagt habe. Der OB: „ Jetzt hoffe ich, dass wir einen Knüller landen, von dem nicht nur Bayern, sondern ganz Deutschland spricht.“ Franzobel setzte augenzwinkernd hinzu: „Und ganz Österreich.“ 

Robert Renner

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