Donnerstag, 01.10.2020

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Deutschlands berühmtester Kletterer besuchte Weißenburg

Alexander Megos zeigte, wie er bisweilen kopfüber am Felsen hängt - 13.03.2020 16:40 Uhr

Weil Gelb Alex Megos Lieblingsfarbe ist, spendierte DAV-Vorsitzender Dieter Wirth statt Blumen einen Strauß gesunder gelber Rüben.

© Foto: Peter Schafhauser


Er ist einer, dem eine Wand mit Schwierigkeitsgrad 9 gelang – ohne sich vorher über die Strecke kundig gemacht zu haben. Ein Draufgänger? Ein Hasardeur? Im fast ausverkauften Wildbadsaal präsentierte der Deutsche Alpenverein (DAV) den Erlanger Ausnahmekletterer. Ein schlaksiger junger Mann, der schnell die Sympathie des Publikums eroberte.

Die ungewöhnliche Karriere begann in Spanien. Mit einem Zufall und einer kleinen Sensation. Eigentlich wollte Megos "La Rambla" in Katalonien bezwingen. Doch während er noch auf kundige Kollegen wartete, probierte er eine andere Wand. Eine der extremen Kategorie 9. Ganz unbekümmert und ohne Kenntnis der Route. Die Fachwelt nennt das "Onsight klettern", die Königsdisziplin der Sportkletterei.

Nur mal, um sich das in etwa vorzustellen: Der Junge klettert eine halbe Stunde lang in einer roten, überhängenden, nur von kleinsten Löchern durchsetztem Felswand. Nicht wissend, ob und wie es weiter geht. Das hatte an dieser Wand noch keiner geschafft. Erschöpft, aber froh teilt er seinen Kollegen mit: "Ich habe mir nichts dabei gedacht, es ging ja auch alles gut."

In Windeseile wurde er in der Szene bekannt, gab Interviews und fand schon bald Sponsoren. Für Alex Megos wurde klar: "Okay, dann klettere ich eben weiter und lass das mit dem Studieren." So macht er das inzwischen seit acht Jahren und kann als Profi gut von Förderern und Vorträgen leben. Eine Stunde lang plaudert einer der weltbesten Kletterer aus dem Nähkästchen. Wer den lässigen Jungen auf der Bühne erlebt, mag kaum wahrhaben, dass dieser bereits 27 Jahre alt ist. In seiner lausbubenhaften Erscheinung kommentiert er Bilder und Filme vom Klettern und Bouldern (Klettern ohne Seil in Absprunghöhe).

Schade nur, dass sich sein Vortrag ganz auf die USA bezog. Gern hätte man noch Impressionen von seinen Touren in Japan oder Australien gesehen. Doch die wahren Fans sehen es ihm nach. Experten schien es jedenfalls im Saal jede Menge zu geben, die Megos am Ende des Vortrags mit zahlreichen Fachfragen löcherten.

Eigentlich stehen Vortragsreisen momentan eher hintan, denn der Hochleistungssportler bereitet sich intensiv auf Tokio vor, wo die Kletterer zum ersten Mal um olympische Medaillen kämpfen. Sollte alles wie geplant laufen, tritt er dort in drei
Disziplinen an: Im traditionellen
Seilklettern, im Bouldern und dem Speedklettern, also einer Art Kletter-Triathlon.

Mehrmals pro Woche trainiert er dafür intensiv am Bundesstützpunkt Sportklettern in Erlangen-Nürnberg. Insofern war es vor allem dem Geschick des Weißenburger DAV-Chefs Dieter Wirth zu verdanken, dass der begehrte Kletterkünstler noch vor der neuen großen Herausforderung nach Weißenburg kam.

Die Frage nach der Lieblingsdisziplin beantwortet Megos dort mit Achselzucken. Er braucht beides: Das Klettern mit Seilsicherung und das Bouldern.

"Sport muss kalkulierbar sein"

Der sehnige junge Mann, der bei 60 Kilo Körpergewicht 90-Kilo-Hanteln stemmt, ist auch kein Draufgänger. "Ich gehe kein wirkliches Risiko ein, selbst die Speed-Kletterei ist ein Sport und der muss kalkulierbar sein", erklärt der lauf- und yogafreudige Athlet.

Damit meint er auch die schwersten Bigwall-Klettertouren der Welt. Seine Bilder und Filme an diesem Abend sind jedenfalls so spektakulär, dass man sich fragt: Wer ist so verrückt und macht denn so was? Antwort: Immer mehr junge Menschen, wie es beim Deutschen Alpenverein heißt.

Klettern und Bouldern ist ein Trendsport. Alex Megos hat damit im zarten Alter von sechs Jahren begonnen. Seit 2006 nimmt er an Wettkämpfen teil, gewann zwei (Jugend-)
Europameistertitel und war 2011 (Jugend-)Vizeweltmeister. Der Klettermaxe aus Erlangen ist in der Szene auch bekannt für extrem schnelle Wiederholungen schwerer Felskletterrouten. Ob das in Tokio für eine Medaille reicht, wird sich zeigen.

PETER SCHAFHAUSER

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