Erweiterung der Zimmerei ist genehmigt

Die Bieswanger Rosengasse rückt wieder in den Fokus

16.10.2021, 07:11 Uhr
Die Verkehrssituation in der Rosengasse war problematisch. Ein Maßnahmenpaket  der Stadt sorgt nun für mehr Sicherheit, nützt aber auch den Erweiterungsplänen  der dort ansässigen Zimmerei.

Die Verkehrssituation in der Rosengasse war problematisch. Ein Maßnahmenpaket der Stadt sorgt nun für mehr Sicherheit, nützt aber auch den Erweiterungsplänen der dort ansässigen Zimmerei. © Stadt Pappenheim, NN

Ein Rückblick: 2019 formierte sich in Bieswang erheblicher Protest einiger Anwohner gegen die geplante Erweiterung der Zimmerei Gegg. Auf ihrem Betriebsgelände am Ende der Rosengasse will die Zimmerei eine neue Abbundanlage mit Halle errichten. Der Pappenheimer Stadtrat hatte dem Bauvorhaben (mit Gegenstimmen der SPD) das gemeindliche Einvernehmen erteilt, auch deshalb, weil es dem Unternehmen nicht zumutbar gewesen wäre, in das Industriegebiet auszuweichen.

Die Anwohner der Rosengasse jedoch befürchteten, dass die kleine Siedlungsstraße zu einer „Autobahn für Lkws“ würde, was mit verminderter Verkehrssicherheit und höherer Lärmbelastung einhergehen würde. Auch befürchtete man negative Auswirkungen auf ebenfalls dort ansässige Unternehmen, etwa den therapeutischen Reiterhof oder ein Seminarhaus für Fortbildungen.

Im Raum standen durch den Bauantrag künftig bis zu 120 An- und Abfahrten durch die Rosengasse am Tag, davon rund ein Drittel Lkw (wobei die Zimmerei betonte, dass es sich um einen Maximalwert für den Immissionsschutz handelt). Schon der Status quo zeige jedoch Probleme auf, erklärten die Gegner vor zwei Jahren. Die Rosengasse ist nur gut fünf Meter breit und stellenweise ohne Gehweg, auf den Fußgänger ausweichen können. Hinzu kommen die dicht geparkten Autos von Anwohnern und Besuchern.

Landratsamt fürchtete Probleme

Auch das Landratsamt bewertete die geplante Erweiterung in einem Zwischenbericht als problematisch. Es müsste verkehrsrechtliche oder straßenbauliche Veränderungen an der Rosengasse geben, oder aber eine Erschließung mit einer Art Umgehung, deren Kosten jedoch der Zimmereibetrieb zu tragen hätte, erklärte das Landratsamt.

Die Behörde befand sogar, „dass die vorhandene Erschließung nicht angemessen oder ausreichend ist, um den heute bereits stattfindenden Schwerlastverkehr, geschweige denn den beantragten Umfang auf eine allgemeinverträgliche Art und Weise zu stemmen.“ Zusätzlich gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Zwist zwischen der Zimmerei und dem Landratsamt, sogar Baustopps für bisherige Erweiterungen wurden zwischenzeitlich verhängt.

Doch nun erteilte das Landratsamt erteilte im Juli diesen Jahres die Genehmigung für die Betriebserweiterung samt Abbundanlage. Man habe etliche Prüfschritte und Rücksprachen mit der Stadt Pappenheim, der Straßenverkehrsbehörde und dem Bauamt geführt, erklärt das Landratsamt auf Anfrage. Eine alternative Erschließungen des Geländes – also eine Umgehung – habe man dabei „als nicht realisierbar ausgeschlossen“.

Zudem habe die Stadt Pappenheim ein städtisches Verkehrskonzept zur Steigerung der Verkehrssicherheit für den Ortsteil Bieswang vorgelegt. Deshalb habe man die Genehmigung erteilt. „Die verkehrlichen Maßnahmen wären zum Teil auch unabhängig von dem Vorhaben der Zimmerei Gegg von der Stadt Pappenheim umgesetzt worden“, erklärt das Landratsamt ergänzend.

Unabhängige Verkehrsschau

So bestätigt es auch Bürgermeister Florian Gallus im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei der alljährlichen Verkehrsschau der Stadt Pappenheim mit dem Landratsamt und der Polizei im Juli 2020 sei unter anderem die Situation in der Bieswanger Rosengasse besprochen worden. Landratsamt und Polizei bemängelten die beidseitig parkenden Autos in der schmalen Straße und den plötzlich endenden Gehweg und legten dem Bürgermeister nahe, hier Maßnahmen zu ergreifen.

Die Stadt Pappenheim verhängte daraufhin ein einseitig eingeschränktes Halteverbot, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h und ein Halteverbot im Bereich der Einmündung der Schulhausstraße, wo der Schulbus rangieren muss. Und auch der Neubau des Gehwegs in der Rosengasse gehört zu diesem Maßnahmenpaket, um die Sicherheit der Fußgänger zu gewährleisten.

„Ja, diese Maßnahmen haben nun alle der Zimmerei Gegg geholfen“, räumt Florian Gallus ein. Aber weil die Rosengasse auch von Entsorgungsunternehmen oder Winterdienst befahren werde, hätte es auch ohne die Zimmerei einen Handlungsbedarf gegeben, betont der Bürgermeister. Und dies könne er auch objektiv nachprüfbar darlegen. „Ich baue keinen Gehweg nur für die Zimmerei Gegg.“ Er wolle verhindern, aus dem Thema nun ein Politikum zu machen.

Doch zusätzliche politische Brisanz hat das Thema mittlerweile auch deshalb, weil Zimmerei-Inhaber Markus Gegg (CSU) und Astrid Weddige (Die Grünen), die in direkter Nachbarschaft der Zimmerei den Fliederhof betreibt, seit der vergangenen Kommunalwahl im Pappenheimer Stadtrat sitzen. Und in der jüngsten Stadtratssitzung entfachte der Gehwegneubau in der Rosengasse eine kurze, aber unangenehme Diskussion.

Kritik von den Grünen

Auf der Tagesordnung stand die Vergabe für die Bautätigkeiten des Gehwegs in der Rosengasse. Die Telekom und die Stadtwerke planen in dem Bereich ebenfalls Arbeiten durchzuführen, erklärte Bürgermeister Florian Gallus, sodass die Bauarbeiten für den Gehweg parallel stattfinden könnten und man die Synergieeffekte nutzen könnte. Kosten für die Stadt Pappenheim: Rund 20.000 Euro.

„Hier wurde versäumt zu erwähnen, dass es sich bei dem Konzept um etwas handelt, das nur notwendig ist wegen der Zimmerei Gegg“, kritisierte Bettina Balz (Die Grünen). Dem widersprach Bürgermeister Gallus: Die Verkehrsschauen mit dem Landratsamt hätten unabhängig von den Erweiterungsplänen der Zimmerei stattgefunden. „Die Belastung ist nicht nur einseitig auf eine Firma zurückzuführen“, erklärte Gallus.

Balz hakte weiter nach und fragte, ob es denn im Stadtrat eine Grundsatzentscheidung zum Bau des Gehwegs gegeben habe, bevor man zur Auftragsvergabe schreite. Gallus entgegnete, man sei hier in einem Bereich, in dem man mit Angebotseinholung arbeiten könne. „Wir haben schon wegen geringeren Summen einen Grundsatzbeschluss gefasst“, erwiderte Balz und fragte erneut: „Wo ist der Grundsatzbeschluss für diesen Gehweg?“ Die Grünen beantragten, die Entscheidung zu vertagen.

Neuer Protest?

„Die Situation ist nicht nur der Firma Gegg geschuldet“, schob Roland Kiermeyer (Bürgerliste) der Diskussion noch hinterher. Gerade der Reiterhof sei an Wochenende „das größere Übel“, da sei „alles zugeparkt“. Zimmereiinhaber Markus Gegg selbst war in der Sitzung nicht anwesend. Erledigt dürfte für ihn das Thema jedoch noch nicht sein: Einige Anwohner haben bereits angekündigt, gegen die Erweiterung der Zimmerei zu klagen.

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