Deutsche Klimaziele

Die Photovoltaikflächen in Altmühlfranken werden mehr

Robert Maurer
Robert Maurer

Weißenburg

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19.11.2021, 12:53 Uhr
reiflächenphotovoltaikanlagen (wie hier an der Bahntrasse bei Ellingen) werden in Weißenburg-Gunzenhausen zunehmen. Sie sind erforderlich, um die Klimaziele der Bundesregierung erreichen zu können.

reiflächenphotovoltaikanlagen (wie hier an der Bahntrasse bei Ellingen) werden in Weißenburg-Gunzenhausen zunehmen. Sie sind erforderlich, um die Klimaziele der Bundesregierung erreichen zu können. © Jan Stephan, NN

Das könnte in kürzester Zeit ein Akzeptanzproblem verursachen. Ähnlich wie es vor zwei Jahrzehnten bei den Windrädern der Fall war. Und der Protest wird sicher nicht leise werden. „Es findet sich immer einer, der eine Bürgerinitiative startet“, stellte Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel fest. Da können die Ziele noch so ambitioniert und sinnvoll sein.

Doch der OB machte auch deutlich, dass die Alternative zum Ausbau der erneuerbaren Energien wohl in der Atomkraft liegen würde. Das zeige das Beispiel Frankreich. Christian Vogler von der N-Ergie pflichtete ihm bei einer Sitzung des Gemeindetags im Kreisverband Weißenburg-Gunzenhausen bei: „Das wird zumindest in manchen Kreisen wieder diskutiert.“

Alles mit Strom

Die Bundesregierung hat nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes im April ihre Klimaschutzziele verschärft. Das Mittel der Wahl, um schnelle Erfolge zu erzielen, ist der Strom. Grüner Strom, um genauer zu sein. Er soll die Mobilitätswende bringen, das Heizen umweltfreundlicher machen und man braucht ihn, um Wasserstoff herzustellen, mit dem sich Energie speichern lässt.

„Wir werden um einen viel stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien nicht umhinkommen“, machte Vogler deshalb im Gasthaus Oster in Wachstein klar. In Sachen Windkraft gibt es allerdings nicht mehr viele Möglichkeiten. Zum einen, weil in Bayern die 10H-Regelung den Ausbau verhindert. Zum anderen, weil es ohnehin nicht so viele Stellen gibt, wo der Wind stark genug bläst. Das ist eher die Sache der Küstenregionen.

„Dafür haben wir in Süddeutschland mehr Sonnenstunden“, erklärte der bei der N-Ergie für die kommunalen Kunden zuständige Experte. Die beiden Technologien ergänzen sich gut, schließlich liefere die eine im Sommer mehr Energie und die andere im Winter. Gleichwohl braucht es zwingend Speichertechnologien, betonte Vogler.

60.000 PV-Anlagen gibt es jetzt schon im Zuständigkeitsbereich der N-Ergie. Vogler erwartet eine Verdopplung bis 2030. Viele davon werden in Weißenburg-Gunzenhausen stehen, denn natürlich brauchen die Anlagen Platz, und den gibt es eben nicht im Ballungsraum, sondern in den ländlichen Bereichen drumherum. Natürlich werden auch auf Dächern von Fabrikhallen oder Supermärkten PVAs installiert, aber das wird nicht genügen, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Also müssen die Anlagen auf den Boden gestellt werden. Und die Modulparks werden auch größer werden als bisher. Vogler geht von bis zu 25 Megawattstunden aus.

Die Kommunen haben Einflussmöglichkeiten

Aus den Reihen der Bürgermeister kam sofort der Hinweis auf die Tourismusregion und dass man sich die schöne Landschaft nicht durch PVA-Flächen verschandeln lassen dürfe. OB Schröppel erinnerte seine Kollegen daran, dass sie keineswegs gezwungen seien für einen Investor einen Bebauungsplan aufzustellen. Insofern habe die Kommune klare Einflussmöglichkeiten.

Aus Schröppels Sicht dürfe auch die Landwirtschaft nicht vergessen werden. Denn die Stromproduzenten können deutlich mehr für die Flächen zahlen als die Bauern, die dort Lebensmittel produzieren. Das kann schnell zum Problem werden.

Mit dem Aufstellen der Solarmodule ist es allerdings nicht getan. Denn der Strom muss ja irgendwie ins Netz. Das geschieht an Umspannwerken wie beispielsweise jenem zwischen Wachenhofen und Gundelsheim. „Da geht aber nichts mehr“, weiß Dittenheims Bürgermeister Günter Ströbel, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetags in Weißenburg-Gunzenhausen. Weitere Anschlüsse sind nicht möglich.

Ohne Netzausbau geht es nicht

Auch im Netz sind die Kapazitäten ausgereizt, berichtete Vogler. Durch ein intelligentes Management konnte man noch et was herauskitzeln, doch die physikalischen Grenzen sind erreicht. Es braucht also auch einen Netzausbau. Vogler spricht von 200 bis 300 Megawatt pro Jahr zusätzlich, die irgendwie in den Leitungen gehalten werden sollen. Das muss erst geplant, dann genehmigt und schließlich auch gebaut werden.

Ein positiver Aspekt bei der Entwicklung sei, dass man Wertschöpfung im Landkreis halten könne, hieß es in der Bürgermeisterrunde. Treuchtlingens Rathauschefin Dr. Dr. Kristina Becker plädierte für eine Autarkie Weißenburg-Gunzenhausens. Sprich: Zunächst sollte die erzeugte Energie hier verbraucht werden, nur was übrig bleibt, könnte dann in Richtung Ballungszentrum fließen.

Auf die Gewerbesteuer bräuchten die Bürgermeister indes nicht zu hoffen, gab Ströbel zu bedenken. Die Finanzierung sei heute in der Regel auf 23 Jahre ausgelegt, die Einspeisevergütung nur auf 20, und mit Wartungs- und Dienstleistungsverträgen ließen sich Gewinne kleinrechnen.

Karl-Heinz Fitz, der Bürgermeister von Gunzenhausen, sprach sich für eine gemeinsame Planung aus, damit nicht ein wilder Flickenteppich entsteht. „Wir sollten das auf bestimmte Bereiche konzentrieren und nicht einfach so laufen lassen.“ Für Gunzenhausen liefen entsprechende Planungen schon. Auch in Ellingen hat man sich hierzu schon Gedanken gemacht. Die Idee nahm Ströbel auf und will sie auf Kreisebene weiter verfolgen.