Die Raiffeisenbank in Altmühlfranken dünnt ihr Netz aus

10.6.2021, 06:29 Uhr
Die Raiffeisenbank will zum Jahresende unter anderem die Filiale in Stopfenheim schließen. Das veränderte Kundenverhalten und die anhaltende Niedrigzinsphase ließen keine andere Wahl, betonen die Verantwortlichen der Bank.

Die Raiffeisenbank will zum Jahresende unter anderem die Filiale in Stopfenheim schließen. Das veränderte Kundenverhalten und die anhaltende Niedrigzinsphase ließen keine andere Wahl, betonen die Verantwortlichen der Bank. © Foto: Rainer Heubeck

In einer Pressemitteilung betont die Raiffeisenbank, dass den Verantwortlichen dieser Schritt nicht leichtgefallen sei. Doch den beiden Vorständen Wilfried Wiedemann und Gerhard Meyer sowie dem Aufsichtsrat sei eben auch klar, dass sich die Landkreisbank den Veränderungen in der Branche nicht verschließen könne. Die Kundenbedürfnisse hätten sich als Folge der Digitalisierung verändert und auch die anhaltende Niedrigzinsphase stellt alle Banken vor große Herausforderungen.

Andere Aufgaben für das Personal

"Als regional verwurzelte Landkreisbank legen wir weiterhin großen Wert auf die Pflege unserer langjährigen Kundenbeziehungen", betont Vorstandsvorsitzender Wilfried Wiedemann. "Ich bin überzeugt, dass wir auch in 20 Jahren noch Servicepersonal in unseren Filialen brauchen", stellte Wiedemann vor wenigen Wochen beim Bilanzpressegespräch der Raiffeisenbank fest. "Wenn auch vielleicht in anderer Menge und Stückzahl als das heute der Fall ist." Da geht es dann um Themen wie Altersvorsorge, Hausfinanzierung oder Vermögensverwaltung und nicht um die einfache Überweisung.

Die Geschäftsstelle Langenaltheim wird in das neue Kunden-Beratungs-Center in Pappenheim integriert, das sich derzeit im Bau befindet. Das war ursprünglich nur als Zentrale für Neudorf, Bieswang, Pappenheim und Solnhofen gedacht, aber natürlich ist die Entwicklung, Langenaltheim ebenfalls zu integrieren, naheliegend.

Beratungs- und Servicestelle für die Stopfenheimer Kundinnen und Kunden werden künftig die Filialen in Ellingen und Weißenburg sein, kündigt die Raiba an. Anlaufstelle für die Döckinger Kundschaft wird Polsingen. Absberg betreut ab 2022 auch die Kunden aus Gräfensteinberg mit, und wer bisher zur Filiale in Laubenzedel ging, soll zur neuen Geschäftsstelle in Muhr am See wechseln.

Die freie Wahl

Privatkundenleiter Wolfgang Löhner betont: "Die Filial-Zuordnung nehmen wir, mit Blick auf die geografische Lage und die Verkehrsanbindung, mit bester Absicht vor. Selbstverständlich steht es unseren Kundinnen und Kunden frei, zu wählen, von welcher Geschäftsstelle aus sie künftig betreut werden möchten."

Wer also beispielsweise in Langenaltheim wohnt, aber in Weißenburg arbeitet, kann auch in die Geschäftsstelle in der Luitpoldstraße wechseln. Und ganz generell kann natürlich jeder Kunde der Landkreisbank jede Niederlassung ansteuern, um Geld abzuheben, Kontoauszüge zu drucken oder andere Serviceleistungen in Anspruch zu nehmen.

Weniger Bargeld

Kundinnen und Kunden, deren Mobilität eingeschränkt ist, bietet die Genossenschaftsbank die Betreuung in den eigenen vier Wänden an. So soll auch die Bargeldversorgung dieser Kundengruppe gewährleistet werden, verspricht die Raiba. Wobei die Corona-Pandemie dem bargeldlosen Bezahlen einen gehörigen Schub gegeben hat. Gab es 2019 noch 750.000 Abhebungen an den Raiba-Geldautomaten, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 500.000.

Mit Beginn des nächsten Jahres reduziert sich die Zahl der Geschäftsstellen von aktuell noch 25 auf dann 18. Hinzu kommen zehn SB-Filialen (derzeit acht). Trotz des Ausdünnungsprozesses ist die hiesige Raiffeisenbank dann noch immer eine der Banken mit dem dichtesten Filialnetz in Bayern.


Fusion der Raiffeisenbanken ist geplatzt


Vorstand Gerhard Meyer versichert: "Keine Beraterin und kein Berater muss um den Arbeitsplatz fürchten. Wir müssen unsere Bank für die Zukunft wappnen und die Kosten- und Ertragssituation optimieren. Alle 238 Mitarbeiter im Bankgeschäft sollen auch künftig einen sicheren Arbeitsplatz haben."

Doch um das zu gewährleisten, ist es eben erforderlich, den Wandel mitzumachen. Das hat die Raiffeisenbank schon in den vergangenen Jahren mehrfach schmerzhaft zu spüren bekommen, als sie sich von wenig frequentierten Standorten verabschiedete. Unter anderem in Trommetsheim und Alesheim gab es deutliche Proteste gegen diese Entscheidung.

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, doch die neuerliche Entwicklung kann natürlich auch für neuen Ärger sorgen. Auch die Sparkasse Mittelfranken-Süd hat im vergangenen Jahr einiges aushalten müssen, als sie ihr Filialnetz verschlankt hat.

Eine Branche im Wandel

Aber Fakt ist, dass sich das Bankgeschäft wandelt. Digitale Vertriebswege gewinnen an Bedeutung. Gefragt sind Schnelligkeit, Service und Kompetenz über alle Kanäle hinweg, heißt es in der Pressemitteilung der Raiba. Kunden wollen ihre Bankgeschäfte zu jeder Zeit und von jedem Ort aus bequem und unkompliziert erledigen.

2019 lag der Anteil der Konten bei der Raiffeisenbank, die fürs Internetbanking freigeschaltet waren, bei 60,6 Prozent. Im Jahr darauf waren es 62,4 Prozent und im April dieses Jahres sind es schon 63,9 Prozent. Tendenz weiter steigend. Die Aufgabe besteht also darin, einfache Bankgeschäfte möglichst komfortabel online abwickeln zu lassen, um Zeit für Beratung bei komplexeren Aufgabenstellungen zu haben. Hierfür will die Raiba Expertenteams bilden, um Fachkompetenz zu bündeln.

Telefonische Beratung

Darüber hinaus baut die Genossenschaftsbank das Kunden-Service-Center für die telefonische Betreuung weiter aus. Regionale Filialbank und moderne Direktbank – beide Säulen sollen durch das duale Konzept schlüssig miteinander verzahnt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Das haben die Verantwortlichen der Bank auch vor einem Monat in einem Pressegespräch ausgeführt.

"Neben der Digitalisierung, die sicher ein maßgeblicher Entscheidungsfaktor war, spielt auch die anhaltende Niedrigzinsphase eine wichtige Rolle. Durch sie steigt der Aufwand für uns als Bank, während gleichzeitig die Erträge sinken", erklärt Wilfried Wiedemann, Vorstandsvorsitzender der Landkreisbank.

Keine Kommentare