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Dienstag, 23.07.2019

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Die Schmarotzer-Pflanze erobert Altmühlfranken

Die Mistel macht sich auf immer mehr Streuobstwiesen in der Region breit - 30.04.2019 15:46 Uhr

Immer häufiger bei Obstbäumen zu sehen: Die Mistel ist einer der Gewinner der Klimawandels und könnte mittelfristig ganze Streuobstwiesen gefährden. © Jan Stephan


Das würde der Obstkundler so natürlich nie sagen, der Mann ist Naturfreund. Im Fall der Mistel sieht er aber ein Problem auf die Region zukommen. "Durch die steigenden Temperaturen mit dem Klimawandel fühlt sich die Mistel immer wohler und breitet sich aus", stellt er im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Tatsächlich hatte es früher den Status einer Besonderheit, wenn man beim Spaziergang eine Mistel in einer Baumkrone entdeckte. Das hat sich geändert, wie man etwa feststellt, wenn man in Markt Berolzheim durch die ausgedehnten Streuobstwiesen entlang der Buchleite läuft. An immer mehr Apfel- und Birnbäumen sieht man Mistelballen in den Bäumen hängen.

"Das ist ein Problem, weil die Misteln sich schnell ausbreiten", erklärt Subal. Sobald es mal ein paar pro Baum sind, seien die oft nicht mehr zu retten und in ein paar Jahren abgestorben, so der Pomologe. Die Mistel schlägt ihre Wurzeln in das Holz des Wirtsbaumes und lebt aus ihm heraus. Das kann mit einer Mistel noch gut gehen, zapfen mehrere Schmarotzer Saft ab, wird es eng für den Baum.

Das Problem sei, dass viele Streuobstwiesen heute nicht mehr regelmäßig gepflegt würden, so Subal. "Früher hat man die Misteln sofort rausgeschnitten, weil man ein wirtschaftliches Interesse daran hatte, dass es dem Baum gut geht. Heute ist das anders." Angewiesen ist niemand mehr auf das Obst vor der Haustür, und dementsprechend schlecht steht es um die Pflege der Bäume.

Subal rät dazu, die Misteln zu entfernen, sobald man sie sieht. Dabei muss an der nächsten Gabelung der Ast des Baumes abgesägt werden, auf dem die Mistel sitzt. Allein die Parasitenpflanze selbst zu entfernen, reicht nicht, da sich ihre Wurzeln über den Ast bereits tiefer in den Baum gegraben haben könnten. Wartet man zu lange mit dem Entfernen, kann der Baum nicht mehr zu retten sein. Das ist dann der Fall, wenn die Mistel nicht mehr lediglich in der Krone des Baumes sitzt, sondern sich bereits zu dessen Leittrieben vorgearbeitet hat. Dann sollte man den Baum fällen, um zu verhindern, dass sich die Mistel von dem befallenen Baum aus weiter verbreitet.

Dies geschieht ansonsten über die Luft. Vögel fressen die Beeren der Mistel und transportieren so die klebrigen Samen von Baum zu Baum. Binnen einiger Jahre kann so eine ganze Streuobstwiese von Misteln übernommen werden und in ihrem Bestand gefährdet sein.

Die Mistel ist deutschlandweit auf dem Vormarsch, wie auch der Naturschutzbund (Nabu) feststellt. Besonders Mittel- und Süddeutschland seien betroffen, in Franken halte man eine Gefährdung der Streuobstbestände für möglich, so der Umweltschutzverband. Auch er rät dazu, Misteln schnell zu entfernen. 

JAN STEPHAN

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