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Dienstag, 15.10.2019

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Die SPD in Altmühlfranken hat einen Landratskandidaten

Der 32-jährige Mathias Hertlein aus Markt Berolzheim soll im nächsten März antreten - 19.09.2019 05:25 Uhr

Die SPD will mit Mathias Hertlein (3. v. li.) ins Rennen um den Landratsposten gehen. Nach der Entscheidung des Kreisvorstands gratulierten ihm Doris Schicker, Jürgen Schröppel, Anette Lederhos-Fay, Harald Dösel, Uwe Sinn und Joachim Federschmidt (v. li.). © Foto: SPD


Wie berichtet, wird für die CSU wohl Landtagsabgeordneter Manuel Westphal ins Rennen gehen. Er soll heute Abend in Gnotzheim nominiert werden. Im Juli hatte Landrat Gerhard Wägemann (CSU) angekündigt, den Posten vorzeitig zu räumen. Er wäre noch bis 2023 gewählt, wollte aber, dass die Kommunal- und die Landratswahlen wieder an einem gemeinsamen Termin stattfinden.

Das war zwar irgendwie absehbar, dennoch wirkten alle Parteien im Kreistag – mit Ausnahme von Wägemanns CSU – ziemlich überrascht und unvorbereitet. Die SPD ist nun die zweite Partei, die einen Kandidaten öffentlich macht.

Am Dienstagabend sprach sich der SPD-Kreisvorstand einstimmig für die Landratskandidatur von Mathias Hertlein aus. Der 32-Jährige kommt aus Markt Berolzheim und betreibt dort ein kleines Softwareentwicklungsunternehmen. "Ein junges, aber in der Region keineswegs unbekanntes Gesicht", wirbt die SPD in einer Pressemitteilung. Hertlein soll sich als "Kandidat des Fortschritts" präsentieren. Als sein wichtigstes Ziel gibt er an, den Landkreis zu einem Vorbild in Sachen Klimaschutz und Digitalisierung machen zu wollen.

"Wir müssen uns nicht nur inhaltlich erneuern. Wenn wir es ernst meinen, müssen wir auch junge Menschen in verantwortliche Positionen bringen! Deshalb ist es an der Zeit, dass wir auch in der Kreispolitik junge Menschen mit frischen Ideen in die erste Reihe lassen", hieß es in seiner Vorstellungsrede.

Politische Erfahrung hat Mathias Hertlein als Kreisvorsitzender der Jusos gesammelt und als solcher mehrere Wahlkämpfe begleitet, politische Kundgebungen organisiert, sich beim Landkreisbündnis gegen Rechts eingebracht, die Seebrücke Weißenburg unterstützt und die Dialogforen des SPD-Kreisverbandes mitorganisiert. Unter anderem war er einer der Hauptorganisatoren der Demo gegen die EU-Urheberrechtsreform auf dem Weißenburger Marktplatz im Frühjahr. Er engagiert sich aber auch im SPD-Unterbezirk. Demos wie diese sind es auch, die den 32-Jährigen zuversichtlich stimmen, was seine Chancen bei der Wahl angeht. Er wertet solche Kundgebungen als Zeichen einer Aufbruchstimmung, die sich auch im sonst eher konservativen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bemerkbar macht. Diese glaubt er bündeln zu können.

Als Softwareentwickler ist er natürlich ganz nah an der Digitalisierung dran und sieht im Landkreis einen ordentlichen Nachholbedarf. Die Abfall-App findet er persönlich "wirklich gut", fragt sich aber, warum der Landkreis nicht noch auf anderen Feldern entsprechende Angebote macht. "Ich habe bis vor drei Jahren in Berlin gelebt, da gab es für alles eine App", sagt der gebürtige Berolzheimer, der gerade mit seiner Frau ein Haus baut und dann die weitere Familienplanung angehen will.

Aus Sicht Hertleins hat man in Weißenburg-Gunzenhausen Chancen wie Pilotprojekte für autonomes Fahren oder eine Smart City nicht genutzt. Die laufende Initiative für das Online-Kaufhaus des örtlichen Einzelhandels findet er ebenfalls gut, doch kommt sie aus seiner Sicht doch reichlich spät. "Amazon hat vor 20 Jahren sein erstes Buch in Deutschland verkauft."

Neben dieser Online-Affinität gibt es aber auch noch einen anderen wichtigen Aspekt im Leben von Mathias Hertlein. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Reservisten in seinem Wohnort. Auch sonst ist er in diversen Vereinen unterwegs.

"Trotz seines jungen Alters verfügt Mathias Hertlein bereits über reichhaltige berufliche Erfahrungen", stellte Joachim Federschmidt, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, fest. "Es ist gut, dass er in den vergangenen Jahren weit über die Region hinaus tätig war und dabei wichtige persönliche und berufliche Erfahrungen sammeln konnte." Hertlein hat einige Jahre in Bamberg, Erlangen und Berlin gelebt und gearbeitet und möchte jetzt dazu beitragen, dass das Potenzial der Region genutzt wird und so auch andere junge Menschen gerne hierher zurückkommen. "Nur dann haben wir eine Zukunft und die Menschen fühlen sich im ländlichen Raum gegenüber den Ballungszentren nicht benachteiligt."

Für Kreisvorsitzenden Harald Dösel hat die SPD-Führung mit dem Berolzheimer Juso-Kreisvorsitzendern eine gute Wahl getroffen: "Mathias ist in einer innovativen Branche tätig, die mit vielen politischen Handlungsfeldern in der Kommunalpolitik gut zu verknüpfen ist und sehr wichtige, zentrale Aspekte der Zukunftsfähigkeit berührt." Er verweist auf die Digitalisierung in den Landkreisschulen und in der Verwaltung. Dösel: "Durch sein breit gefächertes Engagement ist er auch mit anderen Akteuren im politischen Raum gut vernetzt und hat bewiesen, dass er auch jenseits der Parteipolitik arbeiten kann und will. Genau das brauchen wir!"

ROBERT MAURER

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