Donnerstag, 04.03.2021

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Die tote Souffleuse

Weißenburger Bühne bot gelungenen Start in den Krimimonat - 07.03.2011 09:41 Uhr

Viel Schein: Die Theaterleute machen sich mehr Gedanken um ihre eigenen Spinnereien als um die tote Souffleuse. Für den Zuschauer bedeutet das einen unterhaltsamen Abend, da die Rollen allesamt bestens besetzt sind.

07.03.2011 © Jan Stephan


Dass die Weißenburger Bühne nichts bietet für ihr Geld, kann man ihr wirklich nicht vorwerfen. Der „Hamlet“ samt toter Soufleuse entpuppte sich als abendfüllende Veranstaltung. Rund zweieinhalb Stunden suchte
der Kommissar nach dem Möder. Am Ende stellt er fest, dass der Tod
schuld am Ableben der Souffleuse ist. Was für eine Erkenntnis.

Aber hier soll ja nun auch nicht zu viel verraten werden. Ohne Probleme lässt sich immerhin sagen, dass der Auftakt zum diesjährigen Krimi-Monat in der Luna-Bühne einige recht unterhaltsame Stunden bot. Unbestreitbar gab es gewisse Längen im Stück, die sich angesichts einer sehr gelungenen Besetzung aber verschmerzen ließen.
In den Vordergrund spielte sich da­bei Michael Decker, der als Walter Müller-Nebenburg den Intendanten des Theaters mimen durfte. Eine Rolle, die ihm auf den fülligen Leib geschrieben ist. Stets bereit zu einem grundsätzlichen Dialog über Wesen und Funktion des Theaters, kippte er eimerweise Pathos über der Bühne aus. Dass sich hinter der hehren Fassade ein eitler Mann verbirgt, der Süßigkeiten klaut, seine Frau betrügt und den die tote Souffleuse nur als Störung des Probenbetriebs interessiert, bleibt dem Publikum nicht verborgen. Müller-Nebenburgs Reaktion auf das Ableben seiner Souffleuse: „Erst diese Heinis vom Kulturausschuss und jetzt auch noch Hildegard.“ 

Jeder hat eine andere Macke

Im Ensemble selbst darf jeder spinnen, wie es ihm gefällt. Der Star des Theaters Egbert Boerne (Martin Globosch) säuft, Joachim Palthofen (Martin Bruhn) fühlt sich als verkanntes Genie, Georg Benzel (Harry Engelhard) ist ungeheuer sensibel, Martina Goller (Cornelia Röhl) welkt vor sich hin, aber träumt noch immer von Goethes Gretchenrolle, und Laura-Maria Bergner (Franka Fischer) führt ständig Yoga-Verrenkungen auf der Bühne auf, um sich in ihre Rolle hineinfühlen zu können.
Insgesamt ein ziemlich eigenwilliger Haufen, der es dem Kommissar nicht leicht macht. Zumal der als großer Theaterfan ohnehin et­was gehemmt wirkt. Erst im Lauf des Stücks stellt sich heraus, dass der nette Herr Kommissar mit der Vorliebe für Kinderstücke auch über ei­nen sehr scharfen kriminalistischen Verstand verfügt. Zur Seite steht ihm dabei Sofia Terneck (Maria-Lisa Schiavone), die als Requisiteurin die Macken der Schauspieler nur zu gut kennt.

Insgesamt gelungene Unterhaltung mit einigen sehr, sehr komischen Höhepunkten. Zum Beispiel einen gebrüllten Monolog im Schafskostüm von Martin Bruhn. Sehr sehenswert! Gleiches gilt für die „flammende“ Woyzeck-Interpretation eines Martin Globisch: Keiner bescheinigt einer Frau so gelangweilt „heißen Huren­atem“.    

Die Weißenburger Bühne zeigt das Stück noch zwei weitere Male: am Freitag, 18., und Samstag, 19. März, jeweils um 20.00 Uhr in der Luna-Bühne.

Jan Stephan

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