Donnerstag, 21.11.2019

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Die Weißenburger Bereitschaftspraxis läuft gut

Angebot wird vor allem am Wochenende genutzt - 25.01.2019 06:00 Uhr

Unübersehbar: Die KVB-Bereitschaftspraxis findet sich im ersten Obergeschoss des Fachärztezentrums am Weißenburger Klinikum. Anfangs wies nur ein kleines Schild darauf hin, inzwischen wirbt ein auffälliges Roll-up. © Robert Maurer


Wer außerhalb der üblichen Sprechzeiten medizinische Hilfe braucht, kann sich seit März vergangenen Jahres an die Bereitschaftspraxis in Weißenburg direkt neben dem Krankenhaus wenden. Dabei geht es ausdrück­lich nicht um Notfälle. Diese werden weiterhin von Notarzt, Rettungsdienst und Notfallambulanz des Krankenhauses behandelt. Vielmehr geht es um jene Patienten, die mit ihrem Leiden eigentlich ihren Hausarzt aufsuchen würden, der aber abends sowie an den Wochenenden und Feiertagen nicht erreichbar ist.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern hat in den vergangenen Monaten ein Netz solcher Bereitschaftspraxen im Freistaat aufgebaut und will damit auch die Notfallambulanzen der Krankenhäuser entlasten. Denn die litten zuletzt unter einem starken Andrang, was zu langen Wartezeiten führte – und zu Kosten, auf denen die Krankenhäuser zumindest zum Teil sitzen blieben.

Das hat funktioniert, bestätigt das Krankenhaus – wenn auch mit einer Einschränkung. In Weißenburg selbst sind es während der Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis gut 18 Prozent weniger Fälle, die in der Ambulanz auflaufen (an Wochenenden und Feiertagen sogar 21 Prozent). In Gunzenhausen schlägt sich der Effekt immerhin noch mit drei Prozent in der Statistik nieder. Trotz dieser Ent­lastung sind die Zahlen in der Notfallambulanz des Klinikums Altmühlfranken im vergangenen Jahr aber weiter gestiegen, berichtete Stefan Leubert, der kaufmännische Direktor in Weißenburg. Außerhalb der Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis kamen noch mehr Menschen als im Vorjahr.

Die Praxis ist im Fachärztezentrum direkt neben dem Krankenhaus untergebracht und nutzt die Räume des Medizinischen Versorgungszentrums im ersten Obergeschoss mit. Mit der Resonanz in Weißenburg ist man bei der KVB zufrieden. „Die Praxis ist sehr schnell gut angenommen worden“, befand Hünner. Mit den Patientenzahlen sei sie gut mit anderen Bereitschaftspraxen vergleichbar. Will heißen: Das sind die Zahlen, mit denen die KVB gerechnet hat.

Das bedeutet aber auch: Es ist noch ein wenig Luft nach oben. „Wir haben noch Kapazitäten“, bestätigte Hünner. Für die Patienten ist das aktuell eine komfortable Situation. Die Wartezeiten sind in der Regel recht kurz. Die meisten Patienten kommen am Samstag- und am Sonntagvormittag. Da kann es auch mal ein bisschen dauern, bis man an der Reihe ist.

Woher die Patienten kommen, erfasst die KVB nicht. Eine feste Gebietsverteilung gibt es ohnehin nicht. Der Raitenbucher kann ebenso gut nach Eichstätt fahren, der Gunzenhausener nach Ansbach. Eine eigene Bereitschaftspraxis wird Gunzenhausen übrigens auf Sicht sicher nicht bekommen, machte Hünner im Gespräch mit dem Weißenburger Tagblatt klar. „Eine halbe Stunde Fahrzeit ist zumutbar.“

Denn es ist auch klar: Je mehr Bereitschaftspraxen es gibt, desto mehr Ärzte braucht es, um die Dienste abzudecken. Dabei sollte die Neuordnung des Bereitschaftsdienstes mit den festen Praxen gerade auch dazu führen, die Mediziner zu entlasten. Deshalb wurden die Gebiete auch vergrößert.

Nach Einschätzung Hünners funktioniert das System recht gut. So ist inzwischen ein Wunschdienstplan online, in dem sich die Ärzte eintragen können, um selbst festzulegen, wann sie ihre Stunden ableisten. Außerdem gibt es sogenannte Poolärzte, an die man Dienste übertragen kann. Das sind Mediziner, die – aus den unterschiedlichsten Gründen – gerne Bereitschaftsdienst machen. Es gibt Ärzte, die davon leben, und in mehreren Orten im Einsatz sind, aber auch Krankenhausärzte, die sich was dazu verdienen oder die Arbeit einfach spannend finden. In Weißenburg erledigen etwa zwei Drittel der niedergelassenen Ärzte ihren Dienst selbst, ein Drittel tritt ihn ab.

Übrigens: Wer nicht selbst in die Praxis kommen kann, wird wie früher auch vom Bereitschaftsarzt zuhause besucht. Das kann allerdings einige Zeit dauern. Speziell nachts. Denn dann wird Weißenburg-Gunzenhausen mit Roth-Schwabach zusammengelegt. Das kann unter Umständen eine längere Anfahrt mit sich bringen. Gut für die Ärzte: Es gibt einen eigenen Fahrdienst, den das BRK Südfranken organisiert. So können die Mediziner während der Fahrt mit den Patienten telefonieren und ihre Fahrtroute nach Dringlichkeit planen oder vielleicht auch Fragen klären, die dann den Hausbesuch überflüssig machen.

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Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist kostenlos und ohne Vorwahl unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 116117 erreichbar. In lebensbedrohlichen Situationen gilt natürlich weiterhin die 112 als Notrufnummer. Die Bereitschaftspraxis in Weißenburg hat Montag, Dienstag und Donnerstag jeweils von 18 bis 21 Uhr geöffnet. Mittwochs und freitags von 17 bis 21 Uhr. Samstag, Sonntag und an Feiertagen ist die Praxis jeweils von 9 bis 21 Uhr besetzt. Eine Voranmeldung ist prinzipiell nicht erforderlich, aber durchaus sinnvoll, um gegebenenfalls Wartezeiten zu reduzieren. In den Nachtstunden übernimmt wie früher das Klinikum die ambulante Versorgung von Patienten.

Robert Maurer

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