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Die Zukunft der Metzger in Altmühlfranken

Sollen die Azubis, die es aktuell gar nicht gibt, Weißenburg verlassen oder hier bleiben? - 19.06.2020 06:34 Uhr

Metzgermeister Max Gruber (hier mit zwei Azubis) möchte unbedingt den Schulstandort Weißenburg für die Metzger-Azubis erhalten.

© Foto: sp


Landrat Manuel Westphal änderte angesichts der kontroversen Diskussion den Beschlussvorschlag. Der hatte vorgesehen, erst mal alles zu belassen und die weitere Entwicklung abzuwarten. Nun soll die Verwaltung eine Kostenschätzung einholen, was der Umbau der Berufsschule Gunzenhausen kostet, wenn dort beide Berufsgruppen unterrichtet werden, und alternativ, wie viel sich sparen ließe, wenn die Metzger in Weißenburg blieben. Immerhin zeichnete sich ab, dass niemand die Metzger komplett ziehen lassen will.

Die Basis für die Diskussion ist allerdings merkwürdig. Denn aktuell gibt es gar keine Metzgerklasse in Weißenburg. Vor 15 Jahren hatte man Bäcker- und Metzgersprengel in Weißenburg zusammengefasst (die Metzger waren vorher in Roth). Doch die Zahl der Azubis bei Bäckern und Metzgern ging immer weiter zurück.

Bei den Bäckern zieht sich die Berufsschule in Ansbach zurück und man einigte sich deshalb auf die Konzentration in Gunzenhausen, sodass dort fürs Erste die Zukunft gesichert ist. Bei den Metzgern sind die Klassen 11 und 12 bereits von Weißenburg nach Fürth verlagert. Und in diesem Schuljahr reichte es auch erstmals nicht mehr für eine 10. Klasse.

In ganz Mittelfranken gibt es für die Metzger drei staatliche Schulen in Rothenburg, Fürth und eben in Weißenburg. Die Schule in Nürnberg hat einen Sonderstatus, weil sie die Stadt betreibt. Nimmt man nun aus diesem staatlichen Trio einen Standort weg, bedeutet das für die Schüler enorm weite Wege, gab im Schulausschuss Metzger Max Gruber aus Großweingarten zu bedenken.

Es sei für die angehenden Azubis und deren Eltern eine nicht zu unterschätzende Frage, wie weit es zur Schule ist, ist Gruber überzeugt. Und aus eigener Erfahrung als Ausbilder weiß er, dass der Blockschulunterricht in Fürth für die Betriebe problematischer ist als ein Unterrichtstag in der Woche in Weißenburg.

Für den Umbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung an der Berufsschule in Gunzenhausen, um dort Platz für die Bäcker zu schaffen, sind 600.000 Euro im Kreishaushalt vorgesehen. Die Metzger der 10. Klasse bräuchten noch einen Raum mehr, der durch einen Anbau realisiert werden müsste, sagte Schulleiter Thomas Grad im Schulausschuss im Weißenburger Wildbadsaal. Die Verwaltung hat für die 60 Quadratmeter 280.000 Euro angesetzt. Das ist aber keine echte Kostenschätzung, sondern ein einfacher Richtwert.

Synergieeffekte

Grad vertrat die Ansicht, dass es sinnvoll wäre, alle Nahrungsmittelberufe am Standort Gunzenhausen zu vereinen. Das brächte Synergieeffekte. Angefangen bei Lehrern, die Vertretungen übernehmen können, bis hin zu Kühlräumen, die gemeinsam genutzt werden können. Auf der anderen Seite stehen eben Kosten in Höhe von rund 300.000 Euro. Denn neben dem Neubau müsste ja auch noch der Umzug der Maschinen nach Gunzenhausen bezahlt werden. Und die Zukunft wäre dennoch ungewiss.

Denn ob es tatsächlich im Landkreis weiterhin eine Metzger-Berufsschulklasse geben wird, ist sehr fraglich – auch wenn mehrere Mitglieder des Schulausschusses darauf verwiesen, dass Corona die Wertigkeit und das Ansehen der Lebensmittelberufe gesteigert habe. Und wenn man sich die Umzugskosten spart und abwartet, ob in Weißenburg in Zukunft wieder Metzgerklassen zusammenkommen, blockiert man hier fünf Schulräume, die nicht anderweitig genutzt werden können. Denn die Räume sind wegen der Hygienevorgaben in den Nahrungsmittelberufen gefliest und so aufgebaut, dass sie eine Einheit bilden, erklärte Grad. Aktuell findet dort nur einmal die Woche Unterricht für die Bäcker statt.

Während Wolfgang Herrmann (CSU) "große Bauchschmerzen" hätte, 300.000 Euro für eine ungewisse Zukunft auszugeben, plädierte Erika Gruber (CSU) dafür, Gunzenhausen zum Kompetenzzentrum für Ernährungsberufe zu machen. Auch ein Unternehmer müsse erst investieren, um Geschäfte machen zu können. Ein gutes Angebot würde die Nachfrage ankurbeln, glaubt sie.

Auch Fritz Hörner, der Grünen-Bürgermeister von Markt Berolzheim und sonst immer einer der lautesten Mahner, wenn es um Ausgaben für Schulen ging, sprach sich klar für die Verlegung der Metzger nach Gunzenhausen aus. "Da können wir in gewisser Weise ein Sternchen setzen: Uns sind diese Berufe wichtig." Das sei zwar ein Wagnis, aber eines mit "gesamtgesellschaftlichem Wert". SPD-Kreisrat Harald Dösel sprach sich dafür aus, Weißenburg als Reserve vorzuhalten und die Entwicklung abzuwarten.

Gegen die Stimmen von Erika Gruber (CSU), Kerstin Zels (Grüne), Fritz Hörner (Grüne) und Margit Kleemann (ÖDP) folgte der Schulausschuss dem Vorschlag von Landrat Westphal. Somit muss die Verwaltung jetzt erst einmal die Zahlen zusammentragen.

ROBERT MAURER

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