Durch das Treuchtlinger Volkskundemuseum führt jetzt eine App

25.2.2021, 13:19 Uhr
Die neue Museums-App kann künftig ein Ersatz für die klassische Führung sein. Konzipiert wurde sie vor allem für Kinder.

Die neue Museums-App kann künftig ein Ersatz für die klassische Führung sein. Konzipiert wurde sie vor allem für Kinder. © Foto: Lidia Piechulek

Etwa eine Minute, bis die App "Actionbound" auf dem Smartphone installiert ist. Eine weitere, um den QR-Code am Museumseingang einzuscannen und die Namen aller Teilnehmer des Rundgangs ins Handy einzutippen. Dann noch schnell wählen zwischen Römer, Mittelalter und "Wohnen im Jura". Und schon beginnt eine von drei neuen Themen-Rundgängen des Treuchtlinger Volkskundemuseums. Es ist eine Tour, die zu gemeinsamem Raten – und im Stil einer Quizshow zum Punktesammeln einlädt. So wird ein komplexer Bereich der Zeitgeschichte in etwa 30 Minuten spielerisch und kurzweilig vermittelt. Am Ende gibt eine Rangliste darüber Auskunft, wie gut ein Team bei den Quizfragen abgeschnitten hat.

Ein P-Seminar der "Sene"

Entwickelt haben die Smartphone-App insgesamt 11 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums der Senefelder-Gesamtschule im Rahmen eines P-Seminars (Kurzform für "Projekt-Seminar"). Die Idee dazu hatte Simone Hiegle. Die Kunstlehrerin war auf der Suche nach einem anspruchsvollen und gestalterischen Projekt für ihre Schüler. Bis alles umgesetzt wurde, ist etwa ein Schuljahr vergangen, in dem die Jugendlichen fast ausschließlich selbstständig gearbeitet haben. In diesem Zeitraum hatten sie freien Zugang zu den Museumsräumen, um sich ein gutes Konzept überlegen zu können.

Museumsleiterin Marlit Bauch sieht die Kooperation von Schule und Museum als eine klassische Win-win-Situation an. Wie sie bewundernd anmerkt, haben die Jugendlichen ein intuitives Verständnis für die Funktionsweise der App mitgebracht. "Und gerade in Zeiten der Pandemie und des Lockdowns ist es toll, dass wir nun unser Programm zeitgemäßer und attraktiver gestalten können", findet sie.

Titus zeigt seine Welt

Durch jeden Rundgang führt jeweils eine fiktive Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Titus der Römer zeigt beispielsweise seine Welt zu der Zeit um 200 vor Christus und stellt Fragen, die die Geschichte für die Kinder erlebbarer und damit einprägsamer gestalten.

In den meisten Fällen müssen diese eine von drei Antwortmöglichkeiten als die Richtige auswählen. Bei der Frage "Mit welcher Fläche ist die Villa Rustica in der heutigen Zeit vergleichbar?" können sie etwa auswählen, ob diese eher einem Handballfeld, einem Flughafen oder einem Wohnhaus entspricht. In einem Schaukasten voller Nägel, die aus der damaligen Zeit stammen, müssen sie wiederum angeben, welches Werkzeug in dem Schaukasten zwar fehlt, es aber damals eindeutig gegeben haben muss (der Hammer).


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Die App wurde so konzipiert, dass sie künftig auch für die Schulklassen der Senefelder-Schule von Nutzen ist. So stehen etwa bei den Fünftklässler ohnehin alljährlich die Römer und das Mittelalter im Lehrplan, während die Industrialisierung in den 7. und 8. Klassen Thema ist. Durch die relativ kurze Dauer jedes Rundgangs lässt sich dieser gut in den Stundenplan einfügen.

Die App ist gleichermaßen auch für Familien mit Kindern geeignet, die ihren Rundgang ein wenig interaktiver gestalten wollen. Die drei verschiedenen Touren sind jeweils auch miteinander kombinierbar, sodass man insgesamt etwa anderthalb Stunden lang mit einem multimedialen Rundgang durch die Epochen beschäftigt sein kann.

Teil der App ist auch ein interaktiver Part, der die Kinder zum aktiven Handeln aufruft. In der Welt der Römer sollen sie beispielsweise den echten Wohnort vom Römer Titus außerhalb des Museums besuchen. So bekommt die Museumstour zusätzlich den Charakter einer Schnitzeljagd. GPS-Koordinaten in der App und ein Foto des Ortes helfen den Kindern dann, zu den Fundamenten der Villa Rustica auf dem Nagelberg zu gelangen.

Figuren in Lebensgröße

Schülerinnen der Q11 (li.) sowie die Leiterin der Senefelder-Schule, Gabriele Gippner (3. v. re.), und die Lehrerin des P-Seminars, Simone Hiegle (2. v. re.), beendeten bei Krapfen und Tee das erfolgreiche Projekt. Mit dabei: Museumsleiterin Marlit Bauch (re.), FÖJler Johann Becker und Schulsozialarbeiter Martin Bruhn (5. und 4. v. re).

Schülerinnen der Q11 (li.) sowie die Leiterin der Senefelder-Schule, Gabriele Gippner (3. v. re.), und die Lehrerin des P-Seminars, Simone Hiegle (2. v. re.), beendeten bei Krapfen und Tee das erfolgreiche Projekt. Mit dabei: Museumsleiterin Marlit Bauch (re.), FÖJler Johann Becker und Schulsozialarbeiter Martin Bruhn (5. und 4. v. re). © Foto: Lidia Piechulek

In Zusammenarbeit der Schüler und Lehrer mit dem Museum und dem Fotostudio Höttingen sind darüber hinaus eine Reihe von lebensgroßen Figuren entstanden, die einige Charaktere aus der damaligen Zeit in Lebensgröße darstellen.

Darunter sind unter anderem ein römischer Legionär, eine Bäuerin und ein Zugschaffner aus der Zeit der Industrialisierung. Modell gestanden haben dafür einige der an dem Projekt beteiligten Erwachsenen, wie etwa der Jugendsozialpädagoge Martin Bruhn.

Dem schulischen Projekt liegen zahlreiche Stunden Arbeit, Fleiß und Herzblut zugrunde, die die künftigen Abiturienten für eine gute Note ohnehin hätten leisten müssen. Dass nun aber auch für das Volkskundemuseum ein besonderes Highlight herausgesprungen ist, ist für alle Beteiligten eine Freude.

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