"Durch die Krise": So macht Corona Franken-Schotter regionaler

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6.1.2021, 06:01 Uhr
Im Dietfurter Steinbruch wurde und wird während der Pandemie unter Berücksichtigung der Abstandregeln weitergearbeitet.

Im Dietfurter Steinbruch wurde und wird während der Pandemie unter Berücksichtigung der Abstandregeln weitergearbeitet. © Foto: Franken-Schotter

Franken-Schotter: Das klingt nach einem Unternehmen, das mit seiner Heimat verbunden ist. Eines, das aus Franken und für Franken hochwertigen Stein liefert und dessen Produkte sich in den Bauwerken der Region wiederfinden. Das möchte es auch sein, betonen die Geschäftsführer Karl Tratz und Thomas Herrscher. Nur hat es mit der Nachfrage in der Heimat bislang nicht wirklich geklappt. Wohl aufgrund der gehobenen Preisklasse werde der Dietfurter Kalkstein nur geringfügig in die Planung von regionalen Bauobjekten einbezogen, vermutet die Unternehmensführung.

Die Verkleidung des neuen IBB-Hotels in Eichstätt besteht auf 360 Quadratmetern aus Dietfurter Kalkstein. Es ist bisher eines der wenigen Beispiele für Projekte vor Ort.

Die Verkleidung des neuen IBB-Hotels in Eichstätt besteht auf 360 Quadratmetern aus Dietfurter Kalkstein. Es ist bisher eines der wenigen Beispiele für Projekte vor Ort. © Foto: Franken-Schotter

Vor diesem Hintergrund ist es ein besonderes Erfolgserlebnis für Franken-Schotter, dass das neue IBB-Hotel in Eichstätt unter Zuhilfenahme des hiesigen Jurasteins gebaut wurde. Vergangenes Jahr wurde es fertiggestellt, die Fassade besteht auf 360 Quadratmetern aus Dietfurter Kalkstein. Normalerweise gehen fast zwei Drittel der Steine aus dem Treuchtlinger Ortsteil ins Ausland und zieren dort teilweise weltberühmte Bauten: unter anderem den 413 Meter hohen Al-Hamra-Tower in Kuwait, den Super-Wolkenkratzer "35 Hudson Yards" in New York oder den Yachtclub von Monaco. In diesem Jahr hat sich der Markt der Firma allerdings merklich verschoben.

Der deutsche Markt wächst

Beginnend mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Ende 2019 in China stellte das Unternehmen fest, dass der Absatz der eigenen Produkte innerhalb Europas gesicherter ist als in Übersee. Teilweise konnte Franken-Schotter Lieferungen nicht oder nur mit großer Verspätung zustellen – zuletzt etwa nach Kuwait, weil für die Ausfuhr auf dem Seeweg kein Container zu bekommen war.

In den vergangenen Monaten waren insgesamt weniger Schiffe unterwegs, die Ausfuhr der Waren war somit erschwert. Zeitgleich brach die Nachfrage aus China komplett zusammen, ebenso wie der Markt in den USA, die zuvor einer der wichtigsten Abnehmer für den Jura-Kalkstein waren.

Die Nachfrage bei Heimwerkern boomt

Auf dem deutschen Markt verzeichnet das Unternehmen hingegen 20 Prozent mehr Umsatz als vor Corona. Aus Irland, England und Russland gibt es ebenfalls mehr Anfragen. Vor der Pandemie hätten zahlreiche Bauunternehmen auf dem Weltmarkt eingekauft und sich dort für günstigere Gesteinsvarianten aus China oder Italien entschieden, erklärt die Geschäftsführung. Weil es aber durch die Einschränkungen und Lockdowns zu Lieferengpässen kam, seien etliche Abnehmer auf den deutschen Markt umgeschwenkt – und eben auch zu Franken-Schotter.

Dass sie sich aus Gründen der Liefersicherheit für die Dietfurter Firma entschieden, war laut Karl Tratz in einigen Fällen eine Notlösung. "Wir hoffen nun natürlich, dass wir die neu gewonnenen Kunden bei den kommenden Projekten halten können", betont er.


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Im Segment "Garten und Landschaftsbau" hat die Nachfrage ebenfalls merklich angezogen. Heimwerker in Deutschland und Europa scheinen nun häufiger zu Jurastein zu greifen, wenn es um die Gestaltung einer neuen Hausfassade oder eines Bodenbelags im Innenbereich geht. Durch diese Entwicklung habe man Einbußen in anderen Bereichen teilweise abfangen können, wenn auch nicht vollständig, so der Geschäftsführer.

Bislang gibt es keine Kurzarbeit

Von Kurzarbeit war die Firma Franken-Schotter zu keinem Zeitpunkt betroffen, obwohl sich das Auftragsvolumen insgesamt reduziert hat. Eine Vielzahl der Aufträge für Hochbauprojekte stammt noch aus der Zeit vor Corona und wird jetzt erst umgesetzt.


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Die beiden Chefs loben ausdrücklich das Verhalten ihrer rund 550 Mitarbeiter. Es sei "vorbildlich gewesen, wie sie sich an die Regeln gehalten haben", findet Karl Tratz. Als Beispiel führt er an, dass die Mitarbeiter im Steinbruch ihre Mittagspausen nicht mehr gemeinsam in einem Pausenraum, sondern nur noch am eigenen Arbeitsplatz verbringen konnten: Der Zusammenhalt untereinander sei trotz der Distanz spürbar gewesen, findet er.

Aus diesem Grund hat sich Franken-Schotter dazu entschlossen, die Haltung der Mitarbeiter mit einer Bonuszahlung zu honorieren: Jeder hat im Dezember eine Corona-Prämie erhalten. In welcher Höhe sie ausfiel, möchte das Unternehmen nicht angeben.

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