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Duschen auf Campingplatz in Altmühlfranken ist nun erlaubt

Nach wochenlanger Unsicherheit dürfen die Sanitärgebäude nun doch öffnen - 07.06.2020 14:05 Uhr

Machten sich ein Bild von der Lage vor Ort: Seenland-Geschäftsführer Hans-Dieter Niederprüm, Landrat Manuel Westphal und Pleinfelds Bürgermeister Stefan Frühwald beratschlagten sich mit Susanne Ehrnsperger vom Waldcampingplatz Brombachsee. © Foto: Waldcamping Brombachsee


Eine Woche zuvor hatte das Landratsamt in Rücksprache mit der Staatsregierung die Öffnung aus Infektionsschutzgründen kurzfristig untersagt, nun konnte Landrat Manuel Westphal ein Umdenken im zuständigen Wirtschaftsministerium anstoßen.

Die Freude bei den Campingurlaubern und Campingplatzbetreibern war groß, als Markus Söder Anfang Mai verkündete: Am 30. Mai geht‘s wieder los. Doch die genauen Vorgaben, unter welchen Bedingungen die Plätze öffnen dürfen, ließen auf sich warten. "Es werden Dinge beschlossen, aber keine Regeln festgelegt", kritisiert Susanne Ehrnsperger, die Betreiberin des Waldcampingplatzes Brombachsee in Pleinfeld. "Da wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht." Ein Problem, das derzeit häufig auftritt und nicht nur die Touristiker betrifft, was man etwa auch an der Debatte um die Öffnung der Freibäder sieht (wir berichteten).

Ausfechten müssen es nicht selten die Betroffenen selbst und die Landratsämter vor Ort – so auch im Fall der Campingplatzduschen. "Als der 30. Mai näherrückte und noch immer keine Vorgaben kamen, haben wir uns selbst ein Hygienekonzept für die Sanitäranlagen überlegt", berichtet Ehrnsperger. Schließlich könne sie für einen Campingplatz mit über 600 Stellplätzen nicht von heute auf morgen reagieren, da sei eine gewisse Vorarbeit nötig. Das Konzept leitete sie an das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen als zuständige Genehmigungsbehörde weiter.

Doch dort wartete man ebenfalls noch auf Ansagen aus München. Zwar gab es vom 22. Mai ein "Hygienekonzept Beherbergung" der Staatsregierung, das etwa unter Ziffer 2.1 festlegt: "Jede Wohneinheit (. . .) muss über eine eigene Sanitäreinrichtung verfügen." Auch Wohnmobile und Wohnwagen sind hier explizit aufgelistet. In Ziffer 2.2 aber heißt es weiter, dass die Abstandsregeln von 1,5 Metern oberstes Gebot "in allen Gemeinschaftsbereichen einschließlich der sanitären Einrichtungen" haben.

Auf telefonische Nachfrage des Landratsamtes beim zuständigen Wirtschaftsministerium, welche Regelung denn nun tatsächlich bei Gemeinschaftsduschen auf Campingplätzen gelte, kam zunächst keine Information. Dies gab man so an den Waldcampingplatz in Pleinfeld weiter, sagt Landrat Manuel Westphal. Susanne Ehrnsperger will es so verstanden haben, dass das Landratsamt mit dem Hygienekonzept einverstanden ist, und kommunizierte dies auch entsprechend gegenüber den Gästen. "Schriftlich habe ich aber nichts bekommen", räumt Ehrnsperger ein.

Der Zweckverband Brombachsee, der ebenfalls zwei Wohnmobilstellplätze und den Seecamping Langlau betreibt, wies hingegen am Mittwoch, 27. Mai, auf seiner Internetseite darauf hin, dass die gemeinschaftlichen Sanitäreinrichtungen geschlossen bleiben. Und am Freitag, 29. Mai, um 17.30 kam dann tatsächlich der Telefonanruf aus dem Wirtschaftsministerium: Die Duschen bleiben zu.

Grund sei die Gefahr, das Coronavirus über die Aerosole im Wasserdampf zu verbreiten. Die Campingplatzbetreiber im Landkreis wurden umgehend informiert und waren wenig begeistert – vor allem, da in anderen Landkreisen in Bayern die Sanitäreinrichtungen öffnen durften. "Dafür hat der Bürger kein Verständnis", sagt Susanne Ehrnsperger.

Die Chefin des Waldcampingplatzes Brombachsee fackelte nicht lange und schaltete die Öffentlichkeit und den Regionalsender Radio 8 ein, um auf das Problem aufmerksam zu machen. "Ich mache dem Landratsamt keinen Vorwurf", betont sie noch einmal im Gespräch mit unserer Zeitung. "Aber wir mussten Druck machen, sonst hätte sich nichts bewegt." Auch Landrat Manuel Westphal empfand die Vorgaben mehr als strittig, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. "Vor allem auch, da auf den bayerischen Campingplätzen unterschiedlich mit den Vorgaben umgegangen wurde."

Daher habe Westphal "beharrlich" weiter darauf hingearbeitet, konkrete Aussagen zu bekommen. Gemeinsam mit Hans-Dieter Niederprüm, dem Geschäftsleiter des Tourismusverbands Fränkisches Seenland, und Pleinfelds Bürgermeister Stefan Frühwald besuchte er den Waldcampingplatz Brombachsee. Hier und auch auf weiteren Campingplätzen in der Region wollte man sich ein Bild von der Lage vor Ort machen, um die Eindrücke in der darauffolgenden Videokonferenz mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums zu schildern. Am Donnerstagabend dann die freudige Nachricht: Die Duschen dürfen öffnen.

"Ich hab‘ mir ehrlich gesagt keine großen Hoffnungen gemacht, dass es so schnell geht", gesteht Ehrnsperger. "Aber wir haben uns riesig gefreut. Unsere Gäste sind glücklich und wir sind natürlich auch glücklich." Landrat Westphal entschuldigt sich in einer Presseerklärung für die Unannehmlichkeiten der vergangenen Tage: "Ich bin froh, dass wir nun doch innerhalb weniger Tage eine praxisgerechte Lösung gefunden haben. Einem erholsamen Urlaub in Altmühlfranken steht nun nichts mehr entgegen."

MIRIAM ZÖLLICH

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