Entwicklungsprozess Altmühlfranken 2030 

Ein beliebter Landkreis

14.6.2021, 16:40 Uhr
Liebens- und lebenswert - mit diesen zwei Worten lässt sich Weißenburg-Gunzenhausen wohl ganztreffend umschreiben. Gleichwohl gibt es im Landkreis noch Potenzial, das gehoben werden will, wie die Zukunftstalks im Rahmen des Entwicklungsprozesses Altmühlfranken 2030 gezeigt haben.

Liebens- und lebenswert - mit diesen zwei Worten lässt sich Weißenburg-Gunzenhausen wohl ganztreffend umschreiben. Gleichwohl gibt es im Landkreis noch Potenzial, das gehoben werden will, wie die Zukunftstalks im Rahmen des Entwicklungsprozesses Altmühlfranken 2030 gezeigt haben. © Robert Renner

Bei den ersten beiden virtuellen Zukunftstalks im Rahmen von Altmühlfranken 2030 wurden die Themen "Daseinsvorsorge, Nahversorgung und Ortsentwicklung" sowie "Nachhaltigkeit, Klimaschutz und regionale Ressourcen" diskutiert. An beiden Videokonferenzen haben zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Altmühlfranken teilgenommen und brachten ihre Ideen aktiv ein.

An Videokonferenzen hat man sich zwar während der Corona-Pandemie zunehmend gewöhnt, doch war es für alle Beteiligten sehr spannend, die ersten beiden Zukunftstalks in diesem Format abzuhalten. Die Technik spielte mit und so konnten beim ersten Treffen zum Thema "Daseinsvorsorge, Nahversorgung und Ortsentwicklung" über 60 Personen mitdiskutieren.

Das Büro Lilienbecker, das den Regionalentwicklungsprozess begleitet, gab mit Landrat Manuel Westphal einen Einblick in Zukunftstrends und Prognosen. Bei der Diskussion mit den Teilnehmern wurden dann nicht nur Probleme beschrieben, sondern auch erste Ideen und mögliche Lösungen aufgezeigt. "Grundsätzlich zeigte sich, dass der Landkreis beliebt zu sein scheint, denn immer mehr Menschen
möchten nach Altmühlfranken (zurück-)ziehen", schreibt das Landratsamt in einer Pressemitteilung.

Ein Leerstandsmanagement?

Sowohl jüngere als auch ältere Menschen seien auf der Suche nach Wohnraum in Weißenburg-Gunzenhausen. "Um hier dem Bedarf nachzukommen, sollten nicht nur neue Bauplätze entstehen, sondern vor allem auch die Innenentwicklung vorangetrieben werden", heißt es im Pressetext. Die Einflussmöglichkeiten des Landkreises seien in dieser ureigenen Gemeindeaufgabe natürlich begrenzt, doch könne er unterstützend tätig werden, beispielsweise durch ein landkreisweites Leerstandsmanagement oder durch den Einsatz von Innenentwicklungslotsen. Dies waren unter anderem Ideen der Bürger.

Die Nahversorgung sei im Landkreis "aktuell noch recht gut", wurde festgestellt. Altmühlfranken zeichne sich durch "seine Lebensmittelhandwerksvielfalt" aus. Doch der bevorstehende Generationenwechsel und die zunehmende Discounter-Konkurrenz erschwere die Arbeit. Letztlich stellten die Teilnehmer fest, dass die Bevölkerung für den regionalen Einkauf sensibilisiert werden müsse, zum Beispiel über Hofläden und Direktvermarkter in Altmühlfranken.


Online-Shopping aus Altmühlfranken für Altmühlfranken


Als Idee für die Zukunft wurde für diese Gruppe eine stärkere Vernetzung angeregt, was über das bestehende Onlineportal www.in-altmuehlfranken.de möglich sei, das mit der landkreisweiten Lieferung hierzu einen Beitrag leisten könne.

Das regionale Einkaufen und der Konsum von regionalen und saisonalen Lebensmitteln war dann auch Thema beim zweiten Zukunftstalk "Nachhaltigkeit, Klimaschutz und regionale Ressourcen". Auch daran nahmen rund 50 Personen aus dem Landkreis teil.

Zusammenarbeit ist entscheidend

Landrat Westphal stellte zu Beginn das Arbeitsprogramm des Landratsamtes zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit vor, das bereits etliche Ansätze und Initiativen beinhaltet. Im Zukunftsprozess Altmühlfranken 2030 sollen diese Ansätze weiterentwickelt werden.

"Wir können nur dann erfolgreich sein, wenn wir über Grenzen zusammenarbeiten", blickte Westphal voraus und hob hervor, dass Kooperationen für die Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle spielen, beispielsweise zwischen dem Landkreis, den Gemeinden, der Wirtschaft und der Landwirtschaft.

Eine solche Kooperation stellte der Geschäftsführende Direktor der Alfmeier Präzision SE, Andreas Gebhardt, mit UNNA, der Unternehmerinitiative Nachhaltigkeit und CO2-Neutralität für Altmühlfranken, vor. Mehrere Betriebe der Kunststoff- und Automobilzulieferindustrie haben sich im vergangenen Jahr zusammengeschlossen, um unter anderem eine CO2-neutrale Produktion zu erreichen.

Viel grüner Strom

Ferner wurde die Nutzung von erneuerbaren Energien oder erneuerbarer Wärme diskutiert. Bei Ersterer "ist der Landkreis sogar schon sehr gut aufgestellt, da der Anteil von grünem Strom landkreisweit bereits bei über 100 Prozent liegt", heißt es in der Pressemitteilung des Landratsamtes. Die vielen Nahwärmenetze im Landkreis trügen weiter zur Verbesserung der Klimabilanz bei.


Der Umweltminister informiert sich in Weißenburg


Ein Zukunftsziel soll ein klimaneutraler und autarker Landkreis sein. "Da es jedoch schwer einzuschätzen ist, ab wann die Klimaneutralität für die Region tatsächlich erreicht werden kann, muss zuerst eine Klimabilanz als fundierte Basis erstellt und berechnet werden", erklärte der Landrat. Konkrete Maßnahmen seien dafür ebenso erforderlich wie Kooperationen mit den Gemeinden.

Fazit beider Zukunftstalks: "Die Region hat einiges an Potenzial, das gehoben und verbunden werden muss", schreibt das Landratsamt. Einige Initiativen seien bereits ergriffen worden, weitere, die auch im Rahmen von Altmühlfranken 2030 entwickelt würden, gelte es umzusetzen.

Gesundheit und Soziales

Der nächste Zukunftstalk steht am 1. Juli an. Thematisch wird es dabei um "Gesundheit und Soziales" gehen. Außerdem wird Landrat Westphal in jeder Stadt und Gemeinde sowie auch bei Betrieben, Einrichtungen und Netzwerken im Landkreis In den nächsten Wochen zu Gast sein, um Ideen direkt vor Ort mitzunehmen.

Am 1. Oktober sollen "die Diskussionsergebnisse in einer Zukunftskonferenz mit Projektwerkstatt zusammengefasst werden", informiert die Kreisverwaltung. Den Abschluss wird eine Kreistagssitzung im vierten Quartal bilden, in der das Zukunftspapier Altmühlfranken 2030 verabschiedet wird.

Wer sich am Prozess beteiligen möchte, kann Ideen online – über www.altmuehlfranken2030.de – einbringen. Dort kann man sich auch für einen Newsletter anmelden. Außerdem kann man dort auch seine eigenen Zukunftsideen hinterlassen, sich für die Zukunftstalks anmelden und am Jugendwettbewerb teilnehmen. Wer analog seine Ideen einbringen will, kann dies mit einer Postkarte erledigen, die zum Beispiel im Landratsamt abgeholt werden kann.

"Aufgrund der derzeit bestehenden Lockerungen der Corona-Regelungen können die nächsten Zukunftstalks vielleicht auch als Präsenzveranstaltung stattfinden", schreibt das Landratsamt, das darüber entsprechend informieren wird.

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