Donnerstag, 12.12.2019

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Ein Grüner wirbt für das Gelbvieh

Zuchtverband tagte im Weißenburger Land - 02.03.2017 07:57 Uhr

Kommunalpolitiker als Verbandsmitglieder: Während Landratstellvertreter Robert Westphal eher mit Schwermut in die Zukunft des Gelbviehs blickte, sah Markt ­Berolzheims Bürgermeister Fritz Hörner (von rechts) „alle Chancen“ für eine gute Vermarktung, die nur jemand in die Hand nehmen müsse. © Jürgen Leykamm


Bei der Jahresversammlung der Nürnberger Abteilung des Zuchtverbandes für Gelbvieh in Bayern im Gasthaus „Zur Sonne“ in Fiegenstall wurden die Probleme der Züchter angesprochen. Die will eines der prominenten Verbandsmitglieder nicht so einfach hinnehmen: Fritz Hörner, seines Zeichens auch Bürgermeister von Markt Berolzheim. Der grüne Kommunalpolitiker sprach vom Gelbvieh als „Lokalpatrioten“ und der „einzig autochthonen Rinderrasse in Franken“, die mittlerweile zu den bedrohten Nutztierrassen zähle.

Mit dem richtigen Marketing könne aus ihr ein echter Verkaufsschlager werden, als regionale Spezialität tauge das Vieh auch für die Spitzengastronomie, argumentierte Hörner. Er verglich das gelbe Frankenvieh mit dem „Limpurger Rind“, dessen Bestand einst bis auf 40 Kühe zusammengeschrumpft war. Bis es entsprechend vermarktet wurde und der Bestand wieder deutlich anschwoll. Gleiches sollte mit dem Gelbvieh auch gelingen, zumal gewisse Fördertöpfe etwa für regionale Produktion zur Verfügung stünden. Eigentlich hätte es „alle Chancen“, so Hörner. Die Vermarktung müsse eben nur in die Hand genommen werden.

Damit stieß er beim Verbandsvorsitzenden Hans-Jürgen Regus auf offene Ohren. Die Frage, wer dieser Kümmerer denn sein könnte, musste am Abend allerdings erst einmal unbeantwortet bleiben. Einen guten Einstieg in den Findungsprozess könnte ein besonderes Wochenende im Mai werden, das unter dem Motto „Kühe, Käse, Wein“ steht, so die Anregung eines Züchters.

Bundesschau im Mai

Die Rede war vom Samstag, 20. Mai, wenn die Bundesgelbviehschau in Dettelbach ihre Premiere feiern wird. Am Sonntag, 21. Mai, schließt sich die Kreistierschau Kitzingen an. An den selben Tagen lädt man gleicherorts auch zum 13. Nationalen Gelbviehzüchtertreffen ein und auch die Interessensgemeinschaft Gelbvieh hält in jenem Rahmen ihre Mitgliederversammlung ab. Zwei Tage, die also Aufbruchstimmung versprechen.

Eher resigniert klang in Fiegenstall allerdings ein anderes Verbandsmitglied: der stellvertretende Landrat Weißenburg-Gunzenhausens, Robert Westphal. Das Gelbvieh sei zwar ein „schönes Tier“, aber die dazugehörigen Betriebe eben leider besonders vom Strukturwandel betroffen. Er persönlich sehe auch keine Zeichen dafür, dass sich daran was ändern werde. Das Problem nehme zu und die Zahl der Halter ab. Er selbst betrachte die Entwicklung „mit einer gewissen Schwermut, aber die Hoffnung stirbt zuletzt“.

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Auch Regus zeigte sich besorgt. Im letzten Jahr hätten vor allem aufgrund des schlechten Milchpreises drei große Gelbviehbetriebe aufgehört, drei weitere wollen dieses Jahr aussteigen. Öffentliche Meinungsmache wie die Dis­kussion ums Tierwohl erschwere alles nur noch. Auch bei Gelbvieh etwa seien die Milchleistungen gestiegen. „Das wäre nicht möglich, wenn es den Tieren nicht gut gehen würde.“ Deswegen verstehe er es auch nicht, „dass die Politik nicht stärker zur Landwirtschaft hält“. Es berge eine gewisse Ironie in sich, dass derzeit über ein Verbot der „Fußfessel“ für die Kuh dis­kutiert werde, während menschliche Gefährder mit jenem Instrument bedacht werden sollen.

Gute Leistung ohne Gentechnik

Für die mit 7240 Kilogramm größte Herdendurchschnittsleistung im südlichen Verbandsgebiet im Jahr 2016 konnte der Vorsitzende den Landwirt Heinz Kleemann (Dittenheim) ehren. Auf die höchste Lebensleistung kam Kuh „Silvia“ vom Hof Günther Rieger (Absberg): Sie lieferte bisher insgesamt 75949 Kilogramm.

Dass gute Leistungen auch mit gentechnikfreiem Futter erzielt werden können, darauf machte Matthias Peter als Fütterungsberater vom Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern (LKV) aufmerksam. Man könne entweder auf entsprechenden Sojaschrot setzen oder auf ihn komplett verzichten und statt dessen Gras- oder Luzernecobs verwenden. Das sei auch finanziell durchaus reizvoll, je nach Anbaulage verfügten diese auch über bessere Eiweißgehalte.

Kronzeuge für seine Worte war der anwesende Landwirt Werner Wagner vom Kolbenhof, der 2008 auf gentechnikfreie Fütterung umstellte und immer noch Spitzenergebnisse mit seinem Betrieb erzielt. Wolfgang Holzinger vom Fachzentrum Rinderzucht (angesiedelt beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg) erinnerte in seinem Vortrag an den Gesamtzuchtwert des Gelbviehs, der stetig nach oben tendiere: „In euren Kühen und Bullen steckt ein gewaltiges Potenzial!“

Jürgen Leykamm

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