Der Challenge Roth

Ein Highlight für bärenstarke Triathleten aus dem Weißenburger Raum

10.9.2021, 06:19 Uhr
Freuten sich über ihre glänzende Challenge-Premiere (von links): Kevin Berns, Andreas Sichert und Julian Wachter holten als TriTeam Stopfenheim Rang 13 von 138 Männerstaffeln.
 

Freuten sich über ihre glänzende Challenge-Premiere (von links): Kevin Berns, Andreas Sichert und Julian Wachter holten als TriTeam Stopfenheim Rang 13 von 138 Männerstaffeln.   © Privat, NN

Erst einmal zu Philipp Sand: Es ist eine dieser kuriosen Geschichten, die halt einfach der Challenge schreibt. Der Ellinger war am Tag vor dem Rennen auf dem Messegelände des Challenge an einem der Stände, als eine junge Athletin aufgeregt nach einem Staffelschwimmer fragte. Ihre geplante Schwimmerin wurde soeben mit Blinddarmdurchbruch ins Krankenhaus eingeliefert.

Rettete als Schwimmer eine Challenge-Staffel: Philipp Sand aus Ellingen (links, hier mit Kevin Berns) sprang kurzfristig ein.
 

Rettete als Schwimmer eine Challenge-Staffel: Philipp Sand aus Ellingen (links, hier mit Kevin Berns) sprang kurzfristig ein.   © Privat, NN

Kurzentschlossen erklärte sich der sechsmalige Einzelstarter des Rother Challenge bereits, ohne Training am nächsten Morgen um 8.40 Uhr für diese Staffel die 3,8 Kilometer zu schwimmen. Gesagt, getan und nach einer sehr guten Schwimmzeit mit 1:08:44 Stunden kam Philipp Sand wieder aus dem Wasser und schickte seinen Radfahrer auf die Strecke.

Premiere beim Challenge feierte hingegen das TriTeam der DJK Stopfenheim mit Kevin Berns, Julian Wachter und Andreas Sichert. Nach einem spontanen Interview für den BR, das die Athleten nur noch aufgeregter machte, ging es um 8:40 Uhr für den Schwimmer Kevin Berns los.

Es lief besser als erwartet, und so stieg Berns nach 1:14:25 Stunden aus dem Kanal und übergab in der Wechselzone auf Radfahrer Julian Wachter. Auf der 166,3 Kilometer langen Radstrecke haute er alles raus, was er hatte, und kam nach 4:34:45 Stunden (Schnitt 36,3 km/h) auf dem Rad in der Wechselzone an.

Marathon in 2:49 Stunden

Nach diesen beiden Topleistungen vom Schwimmer und Radfahrer war der selbstgemachte Druck für Läufer Andreas Sichert hoch: Auch er wollte besser als erwartet abliefern. Der Druck und der Support der Fans an der Strecke sorgten dafür, dass Sichert eine persönliche Bestleistung auf der Marathonstrecke aufstellte: Er lief die Strecke von 42,195 Kilometern in überragenden 2:49:05 Stunden (4:04 Minuten pro Kilometer).

Durch diese drei Leistungen konnte die Staffel weit unter dem Ziel von neun Stunden bleiben. Nach 8:40:07 Stunden liefen die drei im Triathlonpark in Roth über die Finishline und feierten einen großartigen 13. Platz bei 138 Männerstaffeln.

Schnelle "Altmühltaler"

Das erfolgreiche Team von Altmühltaler Treuchtlingen (von links): Bernd Hüttig, Christoph Feilen und Jörg Foistner.
 

Das erfolgreiche Team von Altmühltaler Treuchtlingen (von links): Bernd Hüttig, Christoph Feilen und Jörg Foistner.   © Privat, NN

Eine lokale Staffel stellte auch die Firma Altmühltaler aus Treuchtlingen, welche mit Christoph Feilen, Jörg Foistner und Bernd Hüttig an den Start ging. Feilen kam nach einer starken Schwimmzeit mit 1:16:06 Stunden aus dem Wasser und schickte Foistner auf die Radstrecke. Dort brannte er ein richtiges Feuerwerk ab und kam nach 4:29:47 Stunden (37,1 km/h) in die Wechselzone, wo sich Läufer Hüttig auf die Marathonstrecke begab.

Bernd Hüttig war erst drei Wochen vorher gefragt worden, ob er einspringen könnte, nachdem der ursprüngliche Marathonläufer verletzungsbedingt ausfiel. Mit diesem Hintergrund von nur drei Wochen Vorbereitungszeit ist die Marathonzeit von 4:19:16 sehr beachtlich. In Summe kam die Altmühltaler-Staffel nach 10:07:21 Stunden auf Rang 61 von 138 Männerstaffeln.

Das Stopfenheimer TriTeam zeigte sich begeistert von der Organisation und brachte dies auch gegenüber Kathrin Walchshöfer (hier mit im Bild) von der Veranstalter-Familie zum Ausdruck.

Das Stopfenheimer TriTeam zeigte sich begeistert von der Organisation und brachte dies auch gegenüber Kathrin Walchshöfer (hier mit im Bild) von der Veranstalter-Familie zum Ausdruck. © Privat, NN

Alle Athleten waren sehr zufrieden mit ihren Leistungen, und die super organisierte Veranstaltung rund um die Familie Walchshöfer sorgte dafür, dass alle Beteiligten voll des Lobes waren. Sie erlebten einen ereignisreichen, sportlich durchaus erfolgreichen Tag in Roth.

Blicke richten sich wieder nach vorne

Die Planungen befassen sich nun schon mit dem Challenge 2022, dann, so hoffen Helfer, Sportler und Organisatoren, wieder am ursprünglichen Termin Anfang Juli. Sicher ist jedenfalls, dass das TriTeam Stopfenheim wieder mit von der Partie sein wird. Das Trio will die Disziplinen komplett durchwechseln und dann im vierten Jahr einzeln starten.

Zuerst geht es jetzt aber am Sonntag, 12. September, zum Saisonabschluss nach Ingolstadt, wo das Stopfenheim TriTeam wieder als Staffel, aber diesmal auf der Halbdistanz, an den Start geht. Dort trifft man dann auch wieder auf Kollege Philipp Sand, der ebenfalls in Ingolstadt startet.

36 Wochen für einen einzigen Tag

Viele Fragezeichen im Hinblick auf den Challenge in Roth hatte es im Vorfeld gegeben. 2020 musste das Rennen abgesagt werden, 2021 folgte die Verschiebung auf September. Für alle Staffel- als auch Einzelteilnehmer war die Zeit bis dahin, aus dem Trainingsaspekt beleuchtet, nicht einfach. Die Langdistanz erfordert in der Regel eine lange Vorbereitungszeit.

Der Holzinger Tim Freitag bereitete sich insgesamt 36 Wochen auf diesen einzigen Tag vor. Dabei waren drei Trainingsblöcke à zwölf Wochen zu absolvieren, die nur auf Roth fokussiert waren.

Trotz ordentlicher Hitze meisterte Tim Freitag den Marathonlauf in 3:33 Stunden.

Trotz ordentlicher Hitze meisterte Tim Freitag den Marathonlauf in 3:33 Stunden. © Privat, NN

„Aber die Freude, dass das Rennen stattfinden kann, überwog natürlich jegliche Hindernisse“, erzählt Freitag. So hieß es nun zum 33. Mal: 3,8 km schwimmen im Main-Donau-Kanal, 170 km auf dem Rad fahren (wegen Baustellen um zehn Kilometer verkürzt) und einen abschließenden Marathon absolvieren.

Um 3.45 Uhr klingelten die Wecker

Tim Freitag, der für das Team Twenty Six Roth am Start war, schildert seinen Tag wie folgt: „Für mich als Einzelstarter ging es früh los, um 3.45 Uhr klingelte der Wecker beziehungsweise die Wecker – verschlafen wäre an so einem Tag äußerst ungünstig. Dann hieß es frühstücken, Espresso trinken und mit samt der benötigten Wechselbeutel auf zum Schwimmstart nach Hilpoltstein.

Trotz der deutlich veränderten Pandemie-Umstände gelang es den Veranstaltern erneut, einen mystischen Morgen zu erschaffen. Der klare Sternenhimmel wich langsam den ersten Sonnenstrahlen, die Nervosität aller Athleten war nahezu spürbar, und die Luftpumpen verrichteten zahlreich ihren Dienst. Mit Startnummer 260 war ich Gruppe drei zugeteilt, der Startschuss ertönte um 7.10 Uhr.

Nach einem kurzen ,Schleudergang‘ (Massenstart) während des Starts machten sich die Athleten direkt hinter den Top-Männern und -Frauen auf die Reise, die 3,8 km schnellstmöglich zu überwinden. Ein Bild mit Gänsehaut-Potenzial, der aufgewühlte Main-Donau-Kanal versunken im Morgennebel. Doch es blieb wenig Zeit, diese Atmosphäre zu genießen.“

Knappe Stunde für 3,8 Kilometer schwimmen

Tim Freitag erreichte nach 59:27 Minuten die erste Wechselzone. Hier galt es den Neopren (Kälteschutzanzug) sowie Schwimmbrille als auch Badekappe loszuwerden und die Radschuhe für die zweite Disziplin anzulegen.

Die Radstrecke führte mit geringfügigen Anpassungen die Athleten über einen Rundkurs, welcher zweimal zu absolvieren war. Mit der Erfahrung der ersten Langdistanz aus dem Jahr 2019 war dem Holzinger klar, dass nun die Grundlage für einen erfolgreichen Marathon gelegt wird. Grundsätzlich wurden innerhalb der 4:36 Stunden am Rad circa 4400 Kcal verbraucht. Diese müssen mittels spezieller Sportnahrung oder -gels zugeführt werden, sodass der Körper nicht bereits vor der dritten Disziplin auf „Notbetrieb“ umstellen muss.

"Wie auf rohen Eiern"

Tim Freitag berichtet weiter: „Das Radfahren verlief ideal und nach den eigenen Vorstellungen. Trotz der Pandemie waren viele Zuschauer an die Strecke gekommen, um mit genügend Abstand und weiteren Sicherheitsvorkehrungen die Sportler anzufeuern – erneut ein absolutes Glücksgefühl.

Abgekämpft aber total glücklich im Ziel: Tim Freitag aus Holzingen.

Abgekämpft aber total glücklich im Ziel: Tim Freitag aus Holzingen. © Privat, NN

Am Ende der Radstrecke wird es dann nochmals spannend, die ersten Schritte nach dem Abstieg vom Zeitfahrrad fühlten sich an wie Gehen auf rohen Eiern. Dieses Gefühl war glücklicherweise nur von kurzer Dauer, bevor es in das Wechselzelt ging. Hier lautete die Devise: Radschuhe aus, Laufschuhe an und mit Sonnenbrille sowie Cap schnell in Richtung Marathonstrecke!

Die Beine fühlten sich besser als gedacht an, die Stimmung war auch hier entlang der Strecke erstaunlich gut. Aus persönlichem Befinden schätze ich die ersten 25 Kilometer der Laufstrecke sehr, diese führt zu Beginn raus an den Main-Donau-Kanal. Als erstes biegen die Athleten auf Höhe der Lände Roth in Richtung der Schleuse Eckersmühlen ab, um dort den ersten Wendepunkt zu erreichen. Danach wird in entgegengesetzter Richtung zur Schleuse in Leerstetten und erneut zum Industriepark Lände gelaufen. Bis hier verlief für mich alles nach Plan.

Starke Schmerzen als Begleiter

Die anvisierte Zeit pro Kilometer stimmte, und die regelmäßige Verpflegung an den Stationen alle 2,5 Kilometer funktionierte auch hervorragend. Wer bereits einen Marathon absolviert hat, weiß, dass das Rennen ab Kilometer 25 bis 30 erst wirklich beginnt. Dies äußerte sich mit starken Schmerzen in den beiden Oberschenkeln, was aber bei einer Langdistanz aufgrund der muskulären Belastung nicht untypisch ist.

Auch die Laufstrecke hat es an diesem Punkt nochmals an sich, es geht nach Büchenbach. Um dort hinzugelangen, muss ein Anstieg überwunden werden, welcher nach dieser Rennzeit mehr als anspruchsvoll ist. Einmal um den Weiher herum und das Ziel wird endlich greifbar. Obwohl hier noch vier bis fünf Kilometer zu absolvieren sind, wird deutlich, dass sich das Rennen dem Ende entgegen neigt.“

Trophäensammler: Tim Freitag mit Pokal und Medaillen, unter anderem als Deutscher Vizemeister und als Vize-Europameister seiner Altersklasse 820 bis 24 Jahre).

Trophäensammler: Tim Freitag mit Pokal und Medaillen, unter anderem als Deutscher Vizemeister und als Vize-Europameister seiner Altersklasse 820 bis 24 Jahre). © Privat, NN

Mit einer Marathonzeit von 3:33:23 Stunden erreichte Tim Freitag das Ziel am Festplatz in Roth. Die Uhr blieb somit für ihn nach starken 9:14:52 Stunden stehen. Ein Blick auf die Ergebnislisten verrät: Es reichte für Platz zwei in seiner Altersklasse (20 bis 24 Jahre) sowie Rang zwei bei der Deutschen Meisterschaft und zudem für den Titel des Vize-Europameisters über die Langdistanz. In der Gesamtwertung belegte er den 113. Platz.

Tim Freitags Fazit: „Nach diesem gelungenen Tag verbleibt neben den müden Beinen nur ein grenzenloses Lächeln über beide Ohren und vollste Zufriedenheit.“

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