Sanierung in der Judengasse

Ein neues Schmuckstück für die Weißenburger Altstadt

21.11.2021, 09:06 Uhr
Das markante Anwesen an der Ecke Judengasse/Rosenbühl soll saniert werden. Architekt Hans Heinrich Häffner plant acht Wohnungen und vier Ferienwohnungen in dem Einzeldenkmal, einen Teil davon barrierefrei. Damit wird einer der wenig ansehnlichen Flecken in der Weißenburger Altstadt aufgewertet und ein seit Jahren leer stehendes Gebäude neu mit Leben gefüllt.

Das markante Anwesen an der Ecke Judengasse/Rosenbühl soll saniert werden. Architekt Hans Heinrich Häffner plant acht Wohnungen und vier Ferienwohnungen in dem Einzeldenkmal, einen Teil davon barrierefrei. Damit wird einer der wenig ansehnlichen Flecken in der Weißenburger Altstadt aufgewertet und ein seit Jahren leer stehendes Gebäude neu mit Leben gefüllt. © Adam Renner, NN

Strittig war bei der Vorstellung im Bauausschuss des Stadtrates lediglich die Parkplatzfrage für die künftigen Bewohner. Letztlich wollte aber dann doch niemand das Vorhaben daran scheitern lassen, und so erklärte der Bauausschuss einstimmig sein Einverständnis. Lediglich offene Detailfragen müssen von der Stadtverwaltung vor dem Erteilen der Baugenehmigung noch mit der Bauherrin geklärt werden.

In der Denkmaltopografie der Stadt Weißenburg ist das Gebäude als Bürgerhaus mit stattlichem zweigeschossigem Giebelbau beschrieben. Im Kern stammt es aus dem 17. Jahrhundert, die Fassade aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das Wohnhaus wurde möglicherweise schon vor dem Dreißigjährigen Krieg gebaut und im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert verändert.

Es hat ein zweigeschossiges Hinterbau in zwei Flügeln aus dem 18, Jahrhundert. In der Denkmaltopographie heißt es: „Die Abfolge von straßenzugewandtem Wohnhaus, rückwärtig angeschlossenem Nebengebäude und quer den Hofbereich abschließender Scheune ist bei diesem Beispiel noch besonders anschaulich erhalten. Die Ecklage an der Abzweigung zum Rosenbühl ermöglicht darüber hinaus die Ausbildung einer stattlichen Hofanlage, die durch die Ummauerung und die Hofpflasterung noch hervorgehoben wird.“

Die Sanierung plant der Weißenburger Architekt Hans Heinrich Häffner. Er stellte im Bauausschuss das Sanierungsprojekt vor und rief in Erinnerung, dass das Anwesen ab 1947 „dicht bewohnt“ war. Es diente als Flüchtlingsunterkunft. 30 bis 40 Menschen hätten seinerzeit dort gewohnt.

„PIlotprojekt“

Die Instandsetzung bezeichnet er als „Pilotprojekt“, denn in dem stattlichen Anwesen sollen acht Wohnungen und vier Ferienwohnungen Platz finden. Wichtig dabei: ein großer Bereich wird barrierefrei, denn in die Scheune und den Mittelteil des Anwesens werden Aufzüge eingebaut.

Dies sei vor dem Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung und dem Wohnungsbedarf für Senioren in der Innenstadt wichtig, unterstrich der Architekt. Ebenso wichtig sei es, im Innenhof Freibereiche zu schaffen, daher wird es im Einfahrtsbereich nur zwei Autostellplätze geben. Ohne Freibereiche seien Wohnungen heute kaum mehr vermietbar, sagte Häffner.

Mit der geplanten Sanierung wird einer der wenig ansehnlichen Flecken in der Weißenburger Altstadt aufgewertet und ein seit Jahren leer stehendes Gebäude neu mit Leben gefüllt.

Mit der geplanten Sanierung wird einer der wenig ansehnlichen Flecken in der Weißenburger Altstadt aufgewertet und ein seit Jahren leer stehendes Gebäude neu mit Leben gefüllt. © Robert Renner, NN

Auf der Westseite des Anwesens zum Rosenbühl hin befindet sich ein sogenanntes Trockengestell. Es hat Häffner zufolge einmal zu einer Gerberei gehört. Der Architekt bezeichnete es als „ganz wichtigen Bestandteil“ des Denkmals, dessen Restaurierung viel Geld kosten werde. Als Nutzungsmöglichkeit für diesen Bereich wird über ein kleines saisonales Hof-Café nachgedacht, berichtete Häffner, das aber nur im Sommer genutzt werden könne.

Der Gebäudebestand, der den Sitzungsunterlagen zufolge „komplett unter Einzeldenkmalschutz steht, wird hinsichtlich der Kubatur nur unwesentlich verändert“. Beispielsweise werden Dachgauben eingebaut, das Mittelhaus wird teilweise erhöht.

Der Giebel zur Judengasse hin soll – wie ursprünglich einmal vorhanden – wieder als Fachwerkgiebel ausgebildet werden. „Für den Fall, dass dies aus Kostengründen nicht realisiert werden kann, wird der vorhandene gemauerte Giebel instandgesetzt und neu verputzt“, erläutern die Bauausschusspapiere.

Der Stadtverwaltung zufolge hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege seine Einverständnis mit den Bauplänen erklärt. Die Eigentümer der benachbarten Grundstücke hätten dem Vorhaben allesamt zugestimmt.

Auch aus Sicht der Verwaltung ist das Bauvorhaben „sehr zu begrüßen“, Neben der denkmalgerechten Instandsetzung der Gebäude würden schließlich „zusätzliche Wohnungen geschaffen“.