Erfahrungen von Corona-Patienten aus Weißenburg

1.4.2020, 14:05 Uhr
Können aus eigener Erfahrung berichten: Oberbürgermeister Jürgern Schröppel, Pfarrer Hans Rohmer und Landrat Gerhard Wägemann sind bereits an Covid-19 erkrankt und befinden sich auf dem Wege der Besserung.

© WT-Archiv Können aus eigener Erfahrung berichten: Oberbürgermeister Jürgern Schröppel, Pfarrer Hans Rohmer und Landrat Gerhard Wägemann sind bereits an Covid-19 erkrankt und befinden sich auf dem Wege der Besserung.

Landrat Gerhard Wägemann: „Es ging mir nach den ersten zwei Tagen, die noch erträglich waren, richtig beschissen. Mich hat es richtig erwischt und ich habe immer über 39 Grad Fieber gehabt, vor allem am Abend. Inzwischen geht es wieder besser. Bei mir wurde inzwischen ja die ganze Familie positiv auf Corona getestet, auch meine Frau Cristine, meine Tochter Nicole und ihr Mann. Bei mir war es am schlimmsten, vor allem auch dieser elende Husten (hustet mehrmals heftig ins Telefon). Jetzt muss es aber wieder besser werden.

Meine Frau hatte keinen Geschmackssinn mehr und Hitzewallungen, bei meiner Tochter und ihrem Mann war der Verlauf am mildesten. Ich habe aber trotz Quarantäne jeden Morgen an der Telefonkonferenz mit meinen Mitarbeitern im Landratsamt teilgenommen und auch an den Videokonferenzen der mittelfränkischen Landräte. Ich kann verstehen, dass viele Bürger derzeit Angst haben und verunsichert sind, kann ihnen aber versprechen, dass wir alles für ihre Sicherheit tun. Was man selbst dafür tun kann: Gründlichst Hände waschen, Sozialkontakte außerhalb der eigenen Familie meiden und die Ausgangsbeschränkungen ernst nehmen. Seit gestern haben wir die Teststrecke in Gunzenhausen eingerichtet, sodass wir jetzt auch viel mehr und schneller auf Corona testen können.

Ich danke in diesem Zusammenhang auch allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Landratsamt, die derzeit beweisen, wie wichtig es ist, eine gute Verwaltung zu haben. Wir müssen es gemeinsam schaffen, den Anstieg der Krankheit zu verlangsamen. Deshalb zum Schluss noch meine eindringliche Bitte an alle Bürgerinnen und Bürger im Landkreis: Seien Sie nicht panisch, aber üben Sie bitte auch eine gesunde Zurückhaltung aus!“

Pfarrer Hans Rohmer: „Es geht mir wieder besser und ich habe kein Fieber mehr, nachdem ich eine ganze Woche lang Fieber hatte, so zwischen 38,2 und 38,3 Grad Celsius. Aber ich huste mir noch immer die Seele aus dem Leib. Man kann offenbar nicht genau vorhersagen, wie die Krankheit verläuft, weil das so unterschiedlich ist. Kurios ist auch, dass ich der einzige in meiner Familie bin, der an Covid-19 erkrankt ist. Meine Frau und mein Sohn sind beide negativ getestet worden.

Bei mir ist es in der Nacht mit einem Fieberschub los gegangen und ich bin schweißgebadet aufgewacht und dann habe ich mich mehrere Tage richtig rumgeschleppt und war schon nach einer Stunde im Büro fix und fertig gewesen. Als Tipp rate ich allen, dass man sich, sobald man Symptome hat, in strenge Quarantäne begibt. Jetzt geht es mir wieder gut, bis auf den ständigen Husten. Ich muss noch das Wochenende in Quarantäne bleiben, merke aber, dass es jetzt täglich aufwärts geht.“

Oberbürgermeister Jürgen Schröppel: Bei mir ging es plötzlich beim Abendessen mit der Familie los. Meine Tochter, die ja gelernte Krankenschwester und Medizinstudentin ist, merkte sofort, dass ich Fieber habe und hat dann gemessen: 38 Grad. Am nächsten Tag bin ich dann zum Gesundheitsamt gefahren und habe einen Abstrich machen lassen. Als Symptome sind bei mir der Verlust des Geschmackssinns, Kurzatmigkeit und eine belegte Stimme dazu gekommen und ebenfalls ein trockener Husten.

Am nächsten Tag bin ich beim Abendessen bewusstlos im Esszimmer vom Stuhl gefallen und meine Familie hat den Notarzt gerufen, der mir ein Blutdruckmittel gespritzt hat und damit meinen Kreislauf wieder stabilisieren konnte. So etwas habe ich jedenfalls noch nie vorher erlebt. Gott sei Dank ist mir bei dem Sturz nichts passiert, ich hatte Glück im Unglück. Seit den letzten Tagen geht es beständig aufwärts und ich fühle mich wieder gut, auch wenn langsam der Lagerkoller bei mir einsetzt. Aber ich halte mich streng an die Quarantäne, weil ich für andere ein Vorbild sein möchte. Ich rate jedem dringend, die sozialen Kontakte auf das Mindestmaß zu reduzieren.

Am kommenden Montag will ich wieder ins Büro gehen. Jetzt ist es ja für mich ein Vorteil, dass ich die Krankheit schon durchgemacht habe und zumindest eine Zeit immun sein werde. Wenn man eine halbwegs robuste Gesundheit hat, kann man das gut überstehen. Wenn man mit dem Virus infiziert ist, weiß ich jetzt, ist man noch lange nicht dem Tode geweiht. Alle meine Familienmitglieder sind glücklicherweise gesund geblieben und bereits negativ getestet.