Eröffnung im Herbst? Stadtladen in Treuchtlingen geplant

22.4.2021, 06:01 Uhr
In der Hauptstraße soll es bald einen Stadtladen geben, in dem wohnortnah und regional eingekauft werden kann. Dorothee Bucka, Willi Halbritter und Gabriele Auernhammer (v. li. n. re) wollen dafür die Werbetrommel rühren.

In der Hauptstraße soll es bald einen Stadtladen geben, in dem wohnortnah und regional eingekauft werden kann. Dorothee Bucka, Willi Halbritter und Gabriele Auernhammer (v. li. n. re) wollen dafür die Werbetrommel rühren. © Foto: Lidia Piechulek

Dreieinhalb Jahre ist es her, dass der Edeka in der Oettinger Straße schließen musste. Seitdem herrscht ein Mangel an wohnortnahen Einkaufmöglichkeiten für die Einwohner aus der Kernstadt, und zwei Frauen aus Treuchtlingen ist das schmerzlich bewusst. So schmerzlich, dass sie daran nun etwas ändern wollen: Wenn es nach ihnen geht, soll schon im Herbst dieses Jahres ein Stadtladen in unmittelbarer Nähe zum Wallmüllerplatz eröffnen. Im Gespräch sind derzeit die Räume des ehemaligen Modekarussells in der Hauptstraße 10.

Eröffnung im Herbst?

Dorothee Bucka hatte die Idee für den Stadtladen zunächst gefasst, um ein zugezogenes sibirisches Ehepaar in Lohn und Brot zu bringen. "Ich organisiere ihnen ein Geschäft, so wie sie es in ihrem Heimatland einmal geführt hatten", dachte sie einst. Doch mittlerweile ist das Projekt viel größer geworden als das: Nach den Schätzungen der beiden Treuchtlingerinnen könnte der Stadtladen schon zum 1. Oktober eröffnen, wenn alles glatt geht. Damit würden dann "mehrere Fliegen mit einer Klappe" geschlagen.


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"Es gibt für die älteren und in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen keine Einkaufsmöglichkeit, die fußläufig gut erreichbar ist", skizziert Bucka ihre Überlegungen. Die umtriebige Treuchtlingerin und ehemalige Leiterin des Freiwilligenagentur Altmühlfranken hat in Gabriele Auernhammer eine Partnerin gefunden, die mit genauso viel Herzblut an die Idee des Stadtladens glaubt. "Wir wollen den Einheimischen helfen, regionale Anbieter unterstützen und die multikulturelle Seite von Treuchtlingen noch sichtbarer machen", erklärt Auernhammer.

Kulturelle Vielfalt zeigen

Das Ziel ist ein Stadtladen, in dem regional erzeugte Produkte, vor allem Grundnahrungsmittel, angeboten werden sollen. Außerdem soll es internationale Produkte geben, um die verschiedenen Kulturen und Nationalitäten der Treuchtlinger Bevölkerung sichtbarer zu machen. Ein Wunsch ist es außerdem, Produkte aus Bonyhád und Ponsacco zu verkaufen, um so die Städtepartnerschaft greifbarer und präsenter werden zu lassen.

Da der Lockdown die Chancen auf Öffentlichkeit für das Projekt derzeit verringert, haben die beiden Frauen Flyer drucken lassen. Willi Halbritter aus Ellingen hat diese entworfen und kostenlos gedruckt. Damit wollen die Verantwortlichen nun auf das Projekt aufmerksam machen.

Das Projekt sucht Gesellschafter

"Wir werden aber auch auf den Straßen auf die Menschen zu gehen", erklärt Dorothee Bucka. Das Ziel ist es dabei nicht nur, zu informieren. Die beiden Frauen wollen auch abklären, welche Produkte sich die Treuchtlinger noch in einem Stadtladen wünschen würden. Außerdem – und in dieser ersten Phase besonders wichtig – suchen sie nach Menschen, die einen Geschäftsanteil zeichnen wollen. Beteiligen können sich die Treuchtlinger als stille Gesellschafter, was bedeutet, dass sie nur für ihre Einlage haften müssen. Die Anteile beginnen mit einer Mindesteinlage von 100 Euro. In einem ersten Schritt werden in den nächsten Wochen Interessenbekundungen gesammelt, die den Flyern beiliegen.

Diese können an einem Briefkasten an der Außenwand des Kutlurladens in der Hauptstraße 23/25 abgegeben werden. Dort gibt es auch unbeschriebene Flyer zum Mitnehmen.

Wenn die darin zugesicherten Beteiligungen an dem Projekt eine Summe von 50 000 Euro erreichen, werden Bucka und Auernhammer eine Bürgergemeinschaft nach dem genossenschaftlichen Prinzip einer "UG und Still" begründen. Die Einlagen der Bürger fließen dann direkt in den Betrieb des Stadtladens, also in die Ladeneinrichtung, den Wareneinkauf sowie die Anlaufkosten ein.

Ein Angebot für die Gemeinschaft

Dabei soll der Stadtladen nicht gewinnorientiert, sondern vielmehr gemeinwohlorientiert funktionieren. Das bedeutet auch, dass alle Gesellschafter an künftigen Überschüssen in Form von Warengutscheinen für den Stadtladen beteiligt werden. "Wir wollen uns nicht bereichern, sondern helfen", fasst Bucka zusammen.

Bucka und Auernhammer haben bereits Kontakt zu Produzenten aus dem Ries aufgenommen, die Nudeln und Mehl, Getreide und Linsen herstellen. Auch ein Apfelbauer aus Holzingen ist bereit, regionale Äpfel, saisonales Gemüse und Säfte zu liefern. Zusätzlich könnte der Stadtladen einmal ein zusätzlicher Verkaufsort für die Produkte der Händler vom Wochenmarkt sein.

Wenn das Projekt Erfolg hat und sich finanziell trägt, wollen die Begründerinnen außerdem den Service für die Kunden ausweiten. "Dann soll es einen Bestell- und Lieferservice geben, etwa für regionales Fleisch", erklärt Bucka. Man könne sich auch vorstellen, einen Fahrradkurier einzustellen, der die Treuchtlinger, die nicht mehr fit genug sind, um selbst zu kommen, beliefert.

Fragen können an gabrieleauernhammer@freenet.de und dbucka@gmx.de gestellt werden. Es ist auch möglich, per Mail für das Projekt zu zeichnen, genannt werden müssen der Geldwert (ab 100 Euro, in 50er-Schritten) der Name, und die Kontaktdaten.

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