Erst Kritik, dann Trennung

1.9.2011, 08:10 Uhr
Auftritt mit Folgen: Im Kreistag zog Irene Oppel, die Leiterin der Freiwilligenagentur, vor wenigen Wochen Bilanz und kritisierte dabei die Kreisverwaltung deutlich. Im Nachgang beschlossen beide Seiten eine Vertragsauflösung.

Auftritt mit Folgen: Im Kreistag zog Irene Oppel, die Leiterin der Freiwilligenagentur, vor wenigen Wochen Bilanz und kritisierte dabei die Kreisverwaltung deutlich. Im Nachgang beschlossen beide Seiten eine Vertragsauflösung. © Maurer

Denn die Freiwilligenagentur, die im Pleinfelder Mehrgenerationenhaus untergebracht ist, ist eine Ein-Mann- bzw. eine Ein-Frau-Angelegenheit. Auf Anfrage des Weißenburger Tagblatts erklärte Landratstellvertreter Robert Westphal, der Landkreis werde „schnellstmöglich Ersatz suchen“. Doch einen Zeitpunkt für eine Wiederbesetzung konnte er nicht nennen. Möglicherweise bleibt diese Personalfrage nun auch ungelöst, bis ein neuer Landrat gewählt ist. „Wir wollen auf dem geschaffenen Fundament weitermachen“, versicherte Westphal. Immerhin bekommt der Landkreis für drei Jahre eine Förderung des Projektes Freiwilligenagentur.

Kreisverwaltung kritisiert

In der Kreistagssitzung im Juli legte Oppel eine erste Bilanz ihrer neunmonatigen Arbeit vor. Und die war alles andere als positiv. Die Freiwilligeninitiative ist strukturell beim Landratsamt der Abteilung Regionalmanagement zugeordnet. Die hat die Aufgabe, ehrenamtliche Angebote im Landkreis mit aufzubauen, zu vernetzen und als vermittelnde Stelle aufzutreten. Vorbild ist dabei die Freiwilligeninitiative der Gemeinde Pleinfeld, die seit geraumer Zeit höchst erfolgreich läuft. Auf diese Erfahrungen wollte der Kreis bauen und hat seine Einrichtung auch gleich mit ins Pleinfelder Mehrgenerationenhaus gesetzt.

Gerade einmal für sechs ehrenamtliche Helfer habe sie in den neun Monaten eine geeignete Stelle aufgetan, berichtete Oppel im Kreistag. Insgesamt habe sie nur 17 Beratungsgespräche geführt. Sie benannte in der öffentlichen Sitzung auch die Ursache für diesen dürftigen Erfolg: Verwaltungsinterne Hürden hätten ihre Arbeit unnötig erschwert. So hatte sie über Monate hinweg nur einen quälend langsamen Internetzugang und ihr fehlte notwendige Software. Sie durfte keine Flyer in Auftrag geben, weil die Vorgaben für die einheitliche Präsentation des Landkreises noch nicht fertig waren. Und sie musste sich auf der Altmühlfrankenschau in Gunzenhausen präsentieren – was aus ihrer Sicht vertane Zeit war. Diese offene Kritik am Landkreis löste schon während der Sitzung den Unmut einiger Kreisräte aus.

Die Präsentation im Kreistag habe gezeigt, dass die Vorstellungen der Agenturleiterin und der Kreisräte nicht im Einklang seien, sagte Westphal auf Anfrage des Weißenburger Tagblatts. Daraufhin habe Irene Oppel von sich aus eine Auflösung des Vertrags angeboten. Diese erfolgt zum Jahresende. Allerdings ist die Rednitzhembacherin schon jetzt von ihren Aufgaben entbunden.

Es kursiert aber auch die Version der Geschichte, dass die Verwaltung Irene Oppel das Rückzugsangebot quasi aufgedrängt hat. Die Noch-Agenturleiterin äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zu der Trennung. Sie bestätigte nur die Auflösung des Vertrags. Allerdings räumte sie ein, dass sie im vergangenen Jahr des Öfteren den Eindruck hatte, dass die Kreisverwaltung und der Kreistag ihre Aktivitäten eher mit Bedenken als mit Unterstützung begleitet haben. Das bezog sich auch auf die Struktur der Einrichtung. Denn Oppel hätte einen Verein als Träger bevorzugt. Die Einbindung ins Landratsamt gebe dem Projekt einen offiziellen Charakter, der manchen Ehrenamtlichen abschreckt, glaubt sie.

Oppel bestätigte Informationen unserer Zeitung, dass sie angeboten habe, ihren Nachfolger einzuarbeiten und die Freiwilligenagentur zunächst ehrenamtlich weiterzuführen. „Ich wollte, dass keine Lücke entsteht.“ Doch nach dem Auftritt im Kreistag wollte man im Landratsamt offenbar lieber die Reißleine ziehen und lehnte das Angebot ab. „Das war nicht gewünscht“, stellte Irene Oppel fest.

Stillschweigen

Einen nahtlosen Übergang wird es somit nicht geben. Die Freiwilligenagentur im Pleinfelder Mehrgenerationenhaus ist seit Wochen unbesetzt. Das Landratsamt hat bislang noch nichts unternommen, um öffentlich bekannt zu machen, dass das Angebot auf Eis gelegt wurde. Seit dieser Woche ist zumindest das Schild entfernt.

Das Kalenderprojekt wird unter diesen Voraussetzungen wohl auf absehbare Zeit die letzte Initiative der Agentur sein. Der Kalender zeigt Menschen aus Altmühlfranken, die ehrenamtlich aktiv sind bei ihrer Tätigkeit, und soll Mut machen, sich selbst zu engagieren. Zusammen mit der Ellinger Fotokünstlerin Sandra Weckmar und der Gunzenhausener Grafikerin Sandra Blasl hat Irene Oppel das Projekt ehrenamtlich betrieben.

Nachdem es schon weit fortgeschritten war und im Zuge der Trennung zerrieben zu werden drohte, nahm es Irene Oppel nun komplett allein in die Hände. „Ich kann ja nicht erst im Januar mit einem Kalender rauskommen, den ich verkaufen will.“ Die Druckkosten hat sie aus eigener Tasche bezahlt.

„Ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich den gesamten Verkaufserlös abzüglich der Druckkosten wie geplant ehrenamtlichen Projekten im Landkreis zur Verfügung stellen werde und auch meine Unkosten, die mit dem Verkauf nun anfallen werden, selbst trage“, hatte sie in einem Rundschreiben gegenüber den Beteiligten geworben. Alle unterstützten sie und traten die Bildrechte an die Agenturleiterin persönlich ab. Inzwischen ist der Kalender gedruckt und soll in zwei Wochen offiziell vorgestellt werden. Der Erlös soll der Bürgerstiftung des Landkreises zugute kommen, kündigte Oppel gegenüber dem Weißenburger Tagblatt an.

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