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Es bleibt bei der Aluminiumfassade an der Vierfachturnhalle in Weißenburg

Der Stadtrat entschied nach langer Diskussion, die Kostensteigerung zu akzeptieren - 04.06.2020 05:55 Uhr

Der Stadtrat hat nach ausführlicher Diskussion entschieden, an der Aluminium-Lochblechfassade für die neue Vierfachsporthalle im Weißenburger Schulzentrum festzuhalten, auch wenn die Materialkosten dafür förmlich explodiert sind. © Foto: Robert Renner


Mit großer Mehrheit wurde der Beschluss im Kulturzentrum Karmeliterkirche gefasst. Einzig Heinz Gruber von den Freien Wählern votierte dagegen.

Wie berichtet, wird die Aluminiumfassade deutlich teurer als vom Büro Diezinger Architekten aus Eichstätt ursprünglich veranschlagt. Knapp 888 000 Euro muss die Stadt dafür berappen und damit gut 350 000 Euro mehr als angesetzt. Begründet ist dies vor allem in den Preisen für das Aluminiumblech und dessen Montage, machte Armand Kühne vom Büro Diezinger in der Stadtratssitzung deutlich.

Seinen Worten war aber auch zu entnehmen, dass die Coronakrise wohl schon erste Spuren hinterlassen hat, die zu Verteuerungen führen. Er vermutet, dass die Anbieter einen gewissen "Risikoaufschlag" eingerechnet haben, denn zum einen seien die Lieferketten "nicht mehr so stabil". Zum anderen habe eine solche Fassade einen relativ hohen Montageaufwand. Für diese Arbeiten hätten sich die Firmen gerne bei Subunternehmern mit osteuropäischem Personal bedient. Ob dies in Coronazeiten noch problemlos machbar ist, sei dahingestellt. Aber die Firmen rechnen natürlich damit, dass sie möglicherweise diese Variante nicht nutzen können und teureres Personal einsetzen müssen.

Kühne hatte zuvor ausführlich die Kostensituation erklärt – mitunter für Laien nicht immer ganz verständlich – und Alternativen zur Metallfassade samt deren Vor- und Nachteilen vorgestellt. Dabei wies er auch auf die Preisunterschiede zu der Aluminiumvariante hin.

Es zeigte sich letztlich, dass Naturstein- oder Eternitfassaden teurer, weil aufwendiger zu bauen und schwerer, begrünte oder Holzfassaden nicht machbar, weil brandschutztechnisch nicht geeignet und andere Metallfassaden nur unwesentlich günstiger oder gar teurer sind. Bliebe noch eine Putzfassade mit Wärmedämmung, die zwar einen Kostenvorteil von rund 117 000 Euro gegenüber der Aluminiumversion hätte. Allerdings wäre sie pflegeintensiver und müsste circa alle zehn Jahre gestrichen werden, was spätestens nach zwei Anstrichen den Kostenvorteil wieder auffresse.

Allen Änderungsvarianten sind nach der Darstellung Kühnes weitere Nachteile gemein: die Unterkonstruktion und damit die Planungen
müssten geändert werden. Alleine dadurch ergäben sich zeitliche Verzögerungen. Die Fassadenarbeiten müssten dann aber auch neu europaweit ausgeschrieben werden, was nochmals dauere. Ferner kämen Mehrausgaben für die längere Miete des Gerüstes oder dessen Demontage und Neuaufbau hinzu. Und schließlich zöge die zeitliche Verschiebung weitere Probleme nach sich.

Verzögerung mit Folgen

Auf den Zeitfaktor machte auch Hermann Auernhammer, Architekt am Stadtbaumt, aufmerksam. Die Ausschreibung für die Aluminiumfassade habe Anfang März begonnen. Frühestmöglicher Vergabetermin sei der 9. Juni.

Selbst wenn die Planungsänderungen binnen eines Monats geschaffen würden, könnte beim Wechsel zu einer anderen Fassade frühestens Anfang Oktober die Auftragsvergabe erfolgen. Erst dann könnten mit der Firma, die den Zuschlag erhält, Details abgesprochen und Material bestellt werden. "Das würde heißen: wir kommen mit dem Fassadenbau auf jeden Fall in den Winter rein."

Dass wiederum könnte dazu führen, dass wegen der fehlenden Wärmedämmung Arbeiten im Inneren nicht erledigt werden könnten und betroffene Firmen Regressforderungen stellten, machte Kühne deutlich. Er wies ferner darauf hin, dass sein Büro den Fassadenbau in die Gewerke Pfosten-Riegel-Fassade/Fenster- und Außentürenbau sowie Metallfassade unterteilt hatte.

Für den ersten Posten ergab sich das günstigste Angebot mit gut 208 000 Euro, für den zweiten eben jene strittigen knapp 888 000 Euro, macht zusammen knapp 1,1 Millionen Euro. Der gesamte Fassadenbau sei von seinem Büro Ende 2018 mit rund 820 000 Euro kalkuliert worden, es ergebe sich also eine Differenz bei der gesamten Fassade von etwa 277 000 Euro, mithin also eine Verteuerung um 33 Prozent. Setze man diese ins Verhältnis zum 2018 genehmigten Kostenrahmen von 11,23 Millionen Euro, errechneten sich Mehrkosten von 2,4 Prozent.

Die Botschaft der Fachleute war also eindeutig: es ist fachlich, zeitlich und finanziell besser, an der geplanten Aluminium-Lochblechfassade festzuhalten. Seitens der Stadträte gab es intensive Nachfragen und es entspann sich eine lange Diskussion.

Karl Roth von der CSU beispielsweise hakte bei der Preissteigerung ein. Der Grundsatzbeschluss für die Halle sei mit einem Kostendeckel von 9,81 Millionen Euro gefasst worden. Da es zwischenzeitlich ja auch andere Verteuerungen und Zusatzausgaben gegeben habe, sei man mittlerweile bei Gesamtkosten von 12,5 Millionen Euro, was also einer Kostenüberschreitung von rund 25 Prozent entspreche.

Hartnäckig brachte Wolfgang Hauber (Freie Wähler) eine Grünfassade ins Spiel. Und CSU-Fraktionsvorsitzender Klaus Drotziger hakte mehrfach nach, was zu der Preissteigerung beim Aluminiumblech geführt habe und ob nicht andere Materialien wie Cortenstahl, Naturstein oder auch ein Wärmedämm-Verputzsystem günstiger und besser geeignet seien.

Maximilian Hetzner hingegen wollte über Vor- und Nachteile von Fassadenvarianten nicht mehr diskutieren, das sei bereits vor der Entscheidung für das Aluminiumblech geschehen. Es gelte die Frage zu diskutieren, ob "die Preissteigerung wegzubringen ist". Der Grüne: "Wenn das nicht wirklich geht, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen."

Ähnlich sieht dies Inge Pfitzinger-Miedel (SPD). Sie empfahl, die "Mehrkosten als langfristige Anlage" in ein hochwertiges Gebäude zu sehen, das endlich fertiggestellt werden sollte. Man habe sich durch das Spardiktat schon anderer Möglichkeiten beraubt, beispielsweise einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Ihr Fraktionskollege Gerhard Naß fragte sich angesichts der "gerade einmal 2,4 Prozent" Kostenüberschreitung, "warum wir stundenlang diskutieren". Er forderte daher, den "Bau wie geplant fortzusetzen".

Dies wollte allerdings Heinz Gruber nicht. Der Freie Wähler glaubt, dass viele Aufträge für Großbauten durch die Coronakrise wegbrechen, weil die öffentliche Hand kein Geld mehr dafür habe. Dadurch würden sich niedrigere Preise ergeben. Er riet daher, abzuwarten und den Bau, der eigentlich im Mai 2021 fertig sein soll, lieber etwas später zu eröffnen.

Uwe Döbler (SPD) widersprach dem. Durch Corona gebe es sogar Preissteigerungen, denn die Globalisierung werde "etwas zurückgeführt", weil Waren wieder mehr in Europa produziert würden, wo Arbeit nun mal teurer sei als in Asien.

Sitzung unterbrochen

Oberbürgermeister Jürgen Schröppel (SPD) unterbrach, auch auf Bitte von Drotziger, die Marathondiskussion für zehn Minuten für Beratungen der Fraktionen. Er mahnte zuvor noch, kompromissbereit zu sein. "Das schlimmste was uns passieren könnte, wäre, dass wir für keine Lösung eine Mehrheit finden."

Zudem erinnerte er daran, "dass es auch um Gestaltung und ein gewisses architektonisches Niveau geht" angesichts der benachbarten und vielfach gelobten neuen Mittelschule. Ob dies Wirkung zeigte, sei dahingestellt, letztlich votierte der Stadtrat aber fast komplett dafür, die Verteuerung zu akzeptieren und die Aluminiumfassade zu bauen.

CSU-Fraktionschef Drotziger wies vor der Abstimmung noch darauf hin, dass die Stadt die 350 000 Euro beim Aufarbeiten der Coronafolgen sicher an anderer Stelle besser brauchen könne, sich aber keine bessere Alternative biete. Und SPD-Fraktionsvorsitzender Andre Bengel machte deutlich: "Diese Halle soll endlich fertig werden."

ROBERT RENNER

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