Donnerstag, 06.05.2021

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Essbare Landschaft für Weißenburg?

Der Weißenburger Gerd Meyer hat die Idee für ein Vorzeige-Projekt, nur die Fläche fehlt ihm - 03.01.2020 05:55 Uhr

Der Alchemistenpark in Wagram in Österreich soll das Vorbild für ein vergleichbares Projekt in Weißenburg sein. Zumindest wenn es nach dem Willen von Gerd Meyer geht, dem aber noch eine Fläche fehlt.

02.01.2020 © Foto: Alchemistenpark


Der bekannte Obstexperte und Buchautor Siggi Tatschel zeichnet in Kirchberg am Wagram für den sogenannten " Alchemistenpark" verantwortlich. Und ebenjener Park-Pionier arbeitet mit Gerd Meyer und dessen Weißenburger Baumschule Botanik in Weißenburg zusammen. So kam es dazu, dass die beiden Obstfreunde Pläne für Weißenburg sponnen. "Der Siggi würde uns da für umsonst einen Plan machen, ich würde die Pflanzen für umsonst zur Verfügung stellen und mich um die Pflege kümmern, wir bräuchten nur eine geeignete Fläche", erzählt Gerd Meyer.

Gerd Meyer hat die Idee, das Wissen und Unterstützung für ein spannendes Konzept. Was ihm noch fehlt, ist allerdings die passende Fläche.

02.01.2020 © Jan Stephan


Im Blick hatte er Flächen entlang der Schwäbischen Rezat im Weißenburger Stadtgebiet. Erste Gespräche mit der Stadt Weißenburg gerieten allerdings ins Stocken. Derweil haben sich bei Meyer, der viele Vorträge über Stadtgrün, Baumpflege und Neupflanzungen hält, andere Kommunen gemeldet und ihr Interesse bekundet.

Ein ganzes essbares Dorf

"Das Problem ist, dass ich da die Pflege nicht so leicht machen kann, weil das nicht bei mir ums Eck liegt", erzählt Meyer. Außerdem fände er es schade, wenn er so eine Idee, die er für seine Heimatstadt hatte, am Ende in einer anderen Gemeinde umsetzen müsste. "Das ist, wie wenn man ein Heimspiel hat und da kommen weniger Zuschauer als wenn man auswärts spielt." Seine Hoffnung sind jetzt Privatleute. "Vielleicht hat ja einer ein Grundstück, das passen würde. Um einen Anfang zu machen bräuchte es keine riesigen Flächen."

"Das Ziel der Permakulturanlage Alchemistenpark ist es, alle in diesem Klimabereich wachsenden Obst- und Nussarten sowie Gewürze, die auf Sträuchern oder Bäumen wachsen, zu präsentieren", hat Tatschl seinen Ansatz in Kirchberg am Wagram erklärt. "Begonnen haben wir vor 15 Jahren im Garten des Kindergartens der Gemeinde." Erst Stück für Stück wuchs die essbare Landschaft, wird bis heute kontinuierlich erweitert und ist inzwischen ein Besuchermagnet und regelmäßiger Gegenstand von Beiträgen in Fernsehen, Radio und Zeitungen.

Inzwischen hat das Konzept essbare Landschaft den ganzen Ort erobert, und Kirchberg bezeichnet sich als "die erste essbare Gemeinde Österreichs", weil auf öffentlichen Flächen nur noch essbare Pflanzen angebaut werden, die für die Allgemeinheit zur Ernte bestimmt sind. Dort wachsen Minikiwis, Maulbeeren, Äpfel, Nüsse, Indianerbananen, Felsenbirnen oder Kakis.

Alles, was an essbaren Gehölzen in einer Region heimisch ist, und auch neue Sorten, die mit den klimatischen Herausforderungen gut zurecht kommen. Am Ende soll eine botanische Lebensgemeinschaft entstehen, die dauerhaft ohne große Pflege überlebensfähig ist und ganz nebenbei noch gesunde Lebensmittel produziert.

Gerd Meyer hat sich das Konzept vor Ort in Österreich angesehen und war begeistert. "Das ist nicht nur biologisch großartig, sondern auch ein soziales Projekt." Die öffentlichen Gärten würden über die Ernte zu einem Begegnungspunkt, wo Menschen unterschiedlichster Herkunft miteinander ins Gespräch kommen. "Da gibt es auch Feuerstellen, wo sich abends Jugendliche treffen", erklärt Meyer. "Aber da liegen keine Bierflaschen rum, weil die auf ihren Ort aufpassen."

Eigentlich schade, wenn die Idee verpuffen würde, weil es an einer Fläche fehlt. Immerhin hat Gerd Meyer die Idee, die Mittel, die Mitstreiter und das Wissen, um sie in die Tat umzusetzen. Aber damit wären wir wieder am Anfang der Geschichte.

JAN STEPHAN

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