Feuchttücher: Der Schrecken jedes Klärwärters

15.3.2021, 12:00 Uhr
Feuchttücher, die sich nicht zersetzen und extrem reißfest sind, verursachen dauernd Probleme in den Kläranlagen. Oftmals legen die die Pumpen lahm.

Feuchttücher, die sich nicht zersetzen und extrem reißfest sind, verursachen dauernd Probleme in den Kläranlagen. Oftmals legen die die Pumpen lahm. © Foto: Stadtwerke Pappenheim

"Diese Tücher gehören aber nicht in die Toilette, sondern in den Hausmüll", ärgert sich Jürgen Buckl jedes Mal, wenn er in der großen Abwasser-Pumpstation neben der Pappenheimer Altstadt mit seinen Kollegen wieder eine Pumpe öffnen muss.

Denn irgendwann haben sich die Feuchttücher und andere unbedacht in den Abfluss geworfene Dinge so verknotet und verdichtet, dass die Pumpen streiken. "Die schaffen das irgendwann nicht mehr", blickt Buckl auf die teils riesigen Knäuel. Ein Problem, das flächendeckend alle Kläranlagen-Betreiber kennen – landkreisweit wie auch von Berchtesgaden bis Flensburg.

Die Tuch-Zöpfe legen Pumpen lahm

Steht die Pumpe, dann müssen die Mitarbeiter ran – mitunter mit roher Gewalt, berichtet Buckl. Und das manchmal jede Woche. Vor allem nach längeren regenlosen Zeiten kommen die Reste moderner Hygieneartikel dann geballt in den Rechen der kleineren Teichkläranlagen oder in den Pumpstationen an.


Abwasserzweckverband warnt: Keine Feuchttücher in Kanalisation werfen


Vor allem die aus Kunstfasern bestehenden und extrem reißfesten Feuchttücher gehören dort nicht hin. Sie lösen sich nicht wie normales Toilettenpapier auf, sondern ballen sich zu Zöpfen zusammen und wirken dann wie ein Netz für andere Abfälle vom Ohrenstäbchen bis zur löchrigen Socke. Das Knäuel wird größer und bleibt letztlich in den Pumpen hängen, deren vorgeschaltete Zerkleinerer sich festlaufen.

Geruchsintensives Problem

Den Klärwärtern stinkt es dann gewaltig angesichts der übelriechenden Zöpfe. Die festgelaufene Pumpe muss schon mal mit dem Hammer geöffnet und per Hand von jenen Abfällen befreit werden, die eigentlich im Abwasser nichts verloren haben. Manchmal sind auch die Leitungen komplett dicht, der anrüchige Rückstau kann dann bis in die Häuser reichen. In Kempten verstopfte ein zehn Meter langer und etwa 60 Zentimeter dicker Strang die Kanalisation – und musste aufwendig entfernt werden.

Das kostet Zeit und Geld

Die Pumpen wieder zum Laufen zu bringen und die Abwasserleitungen zu reinigen, kostet nicht nur viel Zeit, sondern verursacht auch Kosten, die sich letztlich in den Abwassergebühren niederschlagen. Und da "zahlen dann alle mit", so Buckl.

Abhilfe schaffen wollte die Stadt Pappenheim durch Information der Bevölkerung – mit Hinweisen im Mitteilungsblatt und über mehrsprachigen Flyer, die verteilt wurden. Gebracht hat es wenig. "Völlig unverständlich" ist das für Buckl, aber auch seine Kollegen hadern mit der allzu bequemen Verwendung und Entsorgung der Feuchttücher und anderer Hygieneartikel.

Diese Art von "unsachgemäßer Müllentsorgung" schlägt auch im Weißenburger Abwassernetz immer wieder auf, berichtet Kläranlagen-Leiter Markus Eisenmann. In seiner Zeit als Vorarbeiter waren es vor allem die großen Siedlungsbereiche, in denen das Problem auftrat. Ein Zeichen, dass die Feuchttücher aus dem privaten Bereich stammen. Beliebt sind die Tücher nicht erst seit Corona. Sie sind billig und bequem, binnen weniger Jahre stieg die Produktion der dafür nötigen Vliesstoffe in Europa um über 200 Prozent.

Einfach spülen: "Weg ist weg"

Die vermeintlich praktischen Feuchttücher gehören eigentlich in den Hausmüll, doch vor allem bei der Verwendung im Baby- und Kinderbereich können dann Gerüche entstehen. Weswegen die Tücher dann in die Toilette gelangen. "Weg ist weg", beschreibt es Buckl. Besser wäre es, wenn Tücher aus natürlichen Zellstoffen verwendet würden, die sich auf dem Weg durch die Kanalisation schon weitgehend auflösen. Ökologisch sinnvoller wäre das allemal – ebenso wie die Verwendung von Stofflappen und -tüchern, die wieder gewaschen werden können.

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