Sonntag, 15.12.2019

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Fiegenstaller Umgehung rückt in weite Ferne

Gemeinde Höttingen verfolgt das Vorhaben nicht weiter - 18.02.2017 07:00 Uhr

Es bleibt beim Durchgangsverkehr: Fiegenstall bekommt in absehbarer Zeit keine Umgehung. Im vergangenen Jahr machten Kritiker gegen das Projekt mobil. Weil auch die Eigentümer die Flächen nicht verkaufen wollen, sieht Bürgermeister Seibold aktuell keine Chance auf eine Realisierung und hat das Vorhaben zu den Akten gelegt. © Maurer


Im Ausbauplan für Staatsstraßen steht die Fiegenstaller Umgehung nur in der Dringlichkeitsstufe 2, deshalb habe das Amt keine Möglichkeit, die Planung oder die Realisierung voranzutreiben, sagte Bauamtsleiter Heinrich Schmidt auf Anfrage des Weißenburger Tagblatts. Solange sich an der Priorität nichts ändert, bleibt das so. Der aktuelle Ausbauplan gilt bis 2020 und wird dann fortgeschrieben.

Doch selbst dann ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass sich an der Einstufung etwas ändert. „Momentan gibt das der Verkehr einfach nicht her“, stellte Schmidt fest. Aber das Bauamt werde die Straße sicher wieder für den Ausbauplan anmelden. Denn nicht zuletzt für die Erschließung des Fränkischen Seenlandes für die Touristen aus dem Süden Bayerns wäre die Umgehung ein großer Vorteil, ist der Bauamtschef überzeugt.

Zu Fall gebracht hat die Umgehungsstraße die Unterschriftensammlung im Sommer vergangenen Jahres. Bis dahin hatte es keinen öffentlichen Protest gegeben. Bei Bürgerversammlungen gab es keine Widerrede. Allenfalls die direkt betroffenen Landwirte murrten, weil sie ihre Äcker hergeben sollten. Doch die Zustimmung bei der Unterschriftensammlung zeigte, dass es offenbar weit mehr Kritiker gab, als sich bis dahin öffentlich gezeigt hatte. Zwar gab es formale Fehler, weshalb es trotz der fast 300 Unterschriften nicht zum Bürgerentscheid kam. Dennoch sieht Höttingens Bürgermeister Hans Seibold diese Willenserklärung der Bürger als klares Signal.

Geplant war, dass Höttingen die Straße in gemeindlicher Sonderbaulast erstellen lässt und dafür eine satte Förderung bekommt. 80 Prozent wa­ren vonseiten des Freistaats zugesichert. Auch der Landkreis hatte schon angekündigt, sich zu beteiligen. Am Ende, so rechnete Seibold nun bei der Bürgerversammlung in Fiegenstall vor, hätte die Gemeinde etwa fünf Prozent der geschätzten Kosten von 4,7 Mil­lionen Euro aus eigener Tasche be­zahlen müssen. Das sind weniger als 250 000 Euro.

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Sorge um finanzielle Lage

Dennoch hatten offenbar viele Bürger auf den Listen unterschrieben, weil sie fürchteten, die Gemeinde übernehme sich finanziell mit dem Vorhaben. Außerdem stellen sich die meisten der betroffenen Grundstückseigentümer quer und wollen die Flächen für die Trasse, die zwischen Fiegenstall und Göppersdorf entlangführen sollte, nicht zur Verfügung stellen, berichtete Seibold. Auf eine schriftliche Anfrage der Gemeinde hätten nur zwei Grundstückseigentümer Bereitschaft zum Verkauf signalisiert, so der Bürgermeister. Einer habe gar nicht reagiert und alle anderen hätten kommentarlos abgewunken.

Das Höttinger Gemeindeoberhaupt ist ebenso wie das Bauamt immer noch von den Vorteilen der Umgehung überzeugt. Aus seiner Sicht ist nun „eine historische Chance“ für die „wirtschaftliche Entwicklung unserer Region vertan“. Seibold: „Die negativen Seiten von solchen Entscheidungen zeigen sich nicht sofort. Es kann Jahre dauern, und die Abwärtsbewegung verläuft schleichend.“

Trotz dieses Bekenntnisses will der Bürgermeister das Vorhaben nicht mehr weiter verfolgen. „Mir ist der Dorffrieden wichtiger“, stellte er im Gasthof „Zur Sonne“ in Fiegenstall fest. „Es geht jetzt schon ein Riss durch das Dorf.“ Eine Realisierung der Umgehung mit aller Härte und gegebenenfalls mit Zwangsenteignungen hätte „die Sache nur noch schlimmer gemacht“.

Zwar liegt die Sache nun wohl für lange Zeit auf Eis, gestorben ist das Projekt für Bürgermeister Seibold aber noch nicht. „Irgendwann wird eine Umgehung kommen“, ist er überzeugt. „Ob sie dann von Ellingen he­raufkommt oder wie bisher geplant von Pleinfeld – das kann heute noch keiner sagen.“ Das gilt auch für die Frage, wann das der Fall sein wird.

Robert Maurer

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