Freiwilligenagentur im Landkreis

9.11.2010, 07:00 Uhr
Die Leiterin der Freiwilligenagentur, Irene Oppel, zusammen mit Regionalmanager Dieter Popp.

Die Leiterin der Freiwilligenagentur, Irene Oppel, zusammen mit Regionalmanager Dieter Popp. © ste

Der geistige Vater der Einrichtung ist einmal mehr Dieter Popp, machte Westphal deutlich. Denn der Regionalmanager ergriff die Initiative und konnte auch den Kreistag überzeugen, dass er die Stelle einrichtet, die den Landkreis in den kommenden drei Jahren immerhin 120.000 Euro kosten wird. 36.000 Euro schießt der Freistaat Bayern dazu. Geld, das nach Ansicht von Irene Oppel aber gut investiert sei. Schließlich betrage die Wertschöpfung, die durch das Ehrenamt allein in Deutschland geschaffen werde, rund 35 Millionen Euro.

„Was soll mit dem Projekt erreicht werden?“, stellte Westphal die rhetorische Frage, die er sogleich selbst beantwortete: „Wir wollen das Ehrenamt im Landkreis weiter fördern und noch mehr Freiwillige akquirieren.“ Dafür sei die neue Agentur in erster Linie da; vor allem, weil es häufig an der Koordination scheitere. Das heißt ­konkret an einem Beispiel: Vielleicht gibt es im Landkreis mehrere Omas oder Opas, die Kindern gerne vorlesen oder bei den Hausaufgaben helfen würden, sie wissen allerdings nicht, wer derartige Angebote dankbar annehmen würde. Genau hier soll Irene Oppels Tätigkeit ansetzen: „Meine Aufgabe ist es, herauszufinden, was
es im Landkreis schon alles gibt und wo es noch Defizite gibt.“ Letztlich soll die Leiterin der Freiwilligenagentur Angebot und Nachfrage in Einklang bringen. Denn auch das ist Fakt: Nach einer Studie liegt das bürgerschaftliche Engagement im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen im bun­desweiten Vergleich unter dem Durchschnitt. Eine Hauptaufgabe der Agentur ist es deshalb, Anlaufstelle zu sein für Menschen aus dem Landkreis, die sich gerne ehrenamtlich engagieren möchten.
Dass die Nachfrage in Zukunft immer größer wird, davon ist Westphal überzeugt.

Und wieder einmal ist auch hierfür der viel zitierte demografische Wandel schuld, der den hiesigen Landkreis besonders hart treffen wird: Zum einen wird die Bevölkerung stetig abnehmen, zum anderen immer älter. Angesichts solcher Aussichten werde das ehrenamtliche Engagement „immer wichtiger“, ist der Landratstellvertreter überzeugt.

Irene Oppel betonte dagegen, dass die Freiwilligenagentur – auch wenn es so klinge – „keine Arbeitsagentur für Ehrenamtliche“ sein wolle, sondern vor allem selbst organisiertes, bürgerschaftliches Engagement fördern wolle. Deshalb klärt Oppel erst einmal ab, ob der Bürger, der sich ehrenamtlich engagiert, auch versichert ist bei seiner Tätigkeit. Zudem übernimmt die Freiwilligenagentur künftig die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising von derartigen Projekten.

Im Unterschied zur ehrenamtlichen Arbeit in Vereinen will die Freiwilligen-Agentur vor allem projektbezogene und damit zeitlich begrenzte Tätigkeiten unterstützen. Denn auch das weiß die Koordinatorin aus dem Studium der aktuellen Statistiken: „Auffallend ist die zurückgehende Bereitschaft, sich langfristig an Vereine oder Verbände zu binden, während viele Befragten sich aber ein thematisch begrenztes Engagement durchaus vorstellen können.“ Deshalb will die Freiwilligen-Agentur genau hier Hilfestellung bieten, wie kommunale Projekte entwickelt und umgesetzt werden können.

Bereits Erfahrung mit Seniorenarbiet

Erfahrung gesammelt hat Oppel in ihrer früheren Tätigkeit in der kirchlichen Seniorenarbeit und als Gedächtnistrainerin sowie als Erwachsenenbildnerin im Nachbarlandkreis Roth, bei dem sie zuletzt beschäftigt war. Auf ihre neue Aufgabe freut sie sich und auf möglichst viele neue Angebote, die den Landkreis weiter nach vorne bringen und die Kommunen un­tereinander mehr vernetzen sollen. Al­len, die sich engagieren wollen, stellt die Leiterin der Freiwilligen-Agentur einen Lohn in Aussicht: „Die meisten machen mit aus Spaß. Weil man Gleichgesinnte sucht und findet und weil man etwas bewegen will.“

Wer sich in der Freiwilligen-Agentur engagieren will, kann direkt Kontakt mit Irene Oppel unter der Telefonnummer 0 91 44 / 9 27 06 54 aufnehmen. Ihr Dienstsitz ist im Mehrgene­rationenhaus in Pleinfeld, Kirchenplatz 1. Weil sie anfangs viel unterwegs sein wird, empfiehlt sich eine vorherige Terminabsprache.