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Gespräch zum Thema Trauer: „Der Verlust verändert einen“

18.11.2017 07:00 Uhr

Im November ballen sich eine Reihe von Gedenktagen und stillen Feiertagen, die mit dem Thema Trauer und Verlust zu tun haben. Wir sprachen mit einer jungen Frau, die selbst einen schweren Verlust erlitten hat, wie man mit einem solchen Schick­salsschlag zurechtkommt. © Robert Renner (Archiv)


Frau Dietze, Sie sind eine junge Frau. In Ihrem Alter sind für die meis­ten Themen wie Tod und Trauer noch  weit weg. Warum wollen Sie einen offenen Trauertreff als Selbsthilfegruppe gründen?

Elisa Dietze: Will mit Menschen ins Gespräch kommen, die ebenfalls Angehörige verloren haben. © Markus Steiner


Elisa Dietze: Ich habe erst im Frühjahr meinen Bruder durch einen tragischen Unfall verloren und weiß deshalb, wie schwer es ist, plötzlich und völlig unerwartet ein geliebtes Familienmitglied zu verlieren. In meiner Trauer habe ich erfahren, wie hilfreich es ist, wenn man sich mit anderen Trauernden austauschen kann.

An wen richtet sich denn der offene Traueraustausch ganz konkret? Wer sollte sich angesprochen fühlen?

Dietze: Er steht allen offen, die Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder verloren haben. Wir sind für alle offen und wollen Trauernden die Möglichkeit bieten, sich untereinander auszutauschen, aber auch ihre Freizeit gemeinsam zu gestalten. Ich bin der Meinung, dass man beim Austausch seine Geschehnisse noch einmal gut verarbeiten kann und damit besser umgehen kann. Es ist meiner Erfahrung nach auch hilfreicher, wenn man nicht nur mit einer Person über sein Schicksal redet, sondern mit mehreren, weil jeder andere Aspekte beitragen kann.

Aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus: Was hat Ihnen denn am besten bei der eigenen Trauerbewältigung geholfen?

Dietze: Mir hat nicht die psychologische Unterstützung geholfen, sondern mir hat es immer geholfen, wenn ich mich mit anderen austauschen konnte, mit Freunden oder Bekannten, aber auch der Familie. Man braucht meiner Ansicht vor allem jemanden, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat und einem vielleicht auch Tipps geben kann.

Es klingt jetzt vielleicht etwas platt, wird aber gerne auch auf Trauerkarten verwendet: der Spruch „Was bleibt, ist die Erinnerung . . .“. Sind die guten und schönen Erinnerungen an einen verstorbenen Menschen letztlich dann doch das, was die Trauer lindern kann?

Dietze: Es ist schon so, dass die schönen Erinnerungen einem dabei helfen, die Trauer aufzuarbeiten und darüber nachzudenken. Aber man muss das, was war, nicht vergessen. Man muss versuchen, mit dem Geschehenen zu leben, und dabei ist der Austausch mit anderen hilfreich, weil man auch dabei auf andere Gedanken kommt.

Die Psychologie beschreibt verschiedene Phasen der Trauer: zuerst das Gefühl der Hilflosigkeit, dann die aufbrechenden Emotionen, Einsamkeit, und am Ende neue Hoffnung, dass es weitergeht. Jetzt ist es ja so, dass das Leben auf Trauernde keine Rücksicht nimmt und einfach weitergeht. Wie haben Sie das selbst erlebt?

Dietze: Manche meiner Freunde haben gesagt, warum kommst Du nicht mehr da- oder dorthin oder machst dies oder das nicht mehr? Manche haben nicht verstanden, warum ich getrauert habe. Jeder muss aber für sich entscheiden, was er für richtig hält. Man sollte meiner Meinung nach immer das machen, was man selbst für richtig findet. Der Verlust verändert einen: Und da ist dem einen vielleicht nach Gesellschaft und dem anderen eben überhaupt nicht nach Gesellschaft zumute. Da ist es gut, wenn das von der Gegenseite auch akzeptiert wird.

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Kontakt zur Trauergruppe über https://offener-traueraustausch-wuggun.jimdosite.com. 

Markus Steiner

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