Grüne lehnen Bebauungsplan für neues Baugebiet in Weißenburg ab

8.4.2021, 06:06 Uhr
In der Nordhälfte des geplanten Baugebietes Wohnen zur Rezat finden sich Nasswiesen und eine fast 4700 Quadratmeter große arten- und strukturreiche Feuchtwiese. Für diese Biotope werden zumindest erhebliche Beeinträchtigungen durch die geplante Bebauung und Nutzung erwartet. Die Feuchtwiese geht gar größtenteils verloren.

In der Nordhälfte des geplanten Baugebietes Wohnen zur Rezat finden sich Nasswiesen und eine fast 4700 Quadratmeter große arten- und strukturreiche Feuchtwiese. Für diese Biotope werden zumindest erhebliche Beeinträchtigungen durch die geplante Bebauung und Nutzung erwartet. Die Feuchtwiese geht gar größtenteils verloren. © Foto: Adam Renner

Die Diskussion um das Projekt läuft seit fast anderthalb Jahren und das Abstimmungsverhalten der Grünen hat durchaus den einen oder anderen überrascht, denn in der Vergangenheit, beispielsweise bei der ersten Auslegung der Planentwürfe, hatten sie zugestimmt. Allerdings unter Vorbehalt und stets mit Bauchgrimmen.

Denn bereits im Dezember 2019 hatte sich die Fraktion gegen einen Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Emetzheimer und Gunzenhausener Straße ausgesprochen. "Grund dafür war, dass sich das Gebiet zur Rezataue hin ausrichtet, vermutlich schützenswerte Bereiche enthält und nach §13 Baugesetzbuch keine Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen", schreibt Fraktionssprecher Maximilian Hetzner jetzt in einer Begründung.

Grundsätzlich sähen die Grünen zwar ein neues Baugebiet als notwendig an, sie hätten dies aber lieber an anderer Stelle realisiert, beispielsweise am Krummen Sandfeld, also dem Bereich zwischen den Sperrwiesen am Krankenhaus im Osten, der Berliner Straße im Süden, der Jahnstraße im Westen und der Umgehungsstraße im Norden.

Neues Baugebiet am Rezathang in Weißenburg

Damals seien die Grünen überstimmt worden, hätten in der Folge "den Prozess im Hinblick auf Bebauungsdichte, Grünplanung, Schallschutz, Dachbegrünungen etc. aber konstruktiv begleitet, allerdings immer unter Vorbehalt, was das Ergebnis der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP)" ergebe, schreibt Hetzner.

Die saP wurde in der jüngsten Bauausschusssitzung vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass in dem geplanten Baugebiet zwei 530 und 875 Quadratmeter große Nasswiesen, die unter anderem mit Großseggen bewachsen sind, ein Schilfröhrichtstreifen nahe der Rezat und eine artenreiche 4700 Quadratmeter Feuchtwiese vorhanden sind, geschützte Biotope also. "Ferner wurden schützenswerte Vogelarten gefunden, darunter ein Rebhuhnpaar", informiert Hetzer.

Er bedauert zugleich, dass sowohl das Bayerische als auch das Bundes-Naturschutzgesetz zwar die Schutzwürdigkeit von Biotopen feststellen, trotzdem aber erhebliche Eingriffe bis zur Überbauung zulassen, wenn entsprechende Ausgleichsflächen geschaffen werden. Der Fraktionssprecher: "Das ist absurd, da es die Zerstörung von Biotopen damit ermöglicht und zulässt."

"Nicht einfach integrierbar"

Er und seine Fraktionskollegen sind überzeugt, dass die Biotope im geplanten Baugebiet "sich nicht einfach integrieren, verlegen oder neu anpflanzen lassen". Die Nasswiesen in der Ausgleichsfläche zur Rezat hin würden durch die Baumaßnahmen oberhalb vermutlich austrocknen. "Und ob die gefährdeten Vogel-, Insekten- und Pflanzenarten der artenreichen Feuchtwiese sich auf der neuen Ausgleichsfläche bei Kattenhochstatt ansiedeln werden, bleibt nur zu hoffen", schreibt Hetzner.

Die Ablehnung der Grünen will er nicht als Vorwurf an das Stadtbauamt oder an Landschaftsplanerin Tanja Strauch verstanden wissen, die auf viele Anregungen eingegangen seien. "Das Ganze hätte sich vermeiden lassen, wenn das Baugebiet von vornherein auf deutlich weniger problematische Standorte geplant worden wäre, die durchaus vorhanden sind, wie das Krumme Sandfeld oder der Bereich zwischen Römerbrunnen und Volkammersbach", ist der Fraktionssprecher überzeugt.

Konzept für neues Baugebiet in Weißenburg akzeptiert

Sinnvoller wäre es nach Auffassung der Grünen auch, die saP "abzuwarten, bevor man vertieft in die Planung eines Baugebietes einsteigt, um entsprechend reagieren zu können, statt sie parallel laufen zu lassen". Hetzner: "In Zeiten von Klimawandel und Artensterben könnten wir als Stadtrat durchaus eigene, strengere Maßstäbe anlegen und so ein Zeichen setzen. Wir Grünen haben das getan."

Trotz allem hat Landschaftsplanerin Strauch umfangreiche ökologische Maßnahmen für das neue Wohngebiet erarbeitet – aber eben im Rahmen der Möglichkeiten dieses Projektes. "Aus ökologischer Sicht sind in besonderem Maße Aspekte der Frischluftzufuhr, der Wasserrückhaltung und der Klimaanpassung in die Planungen eingeflossen", schreibt sie in einer Kurzerläuterung zu ihren Planungen.

Frischluftschneise

Eine gute Durch- und Eingrünung werde beispielsweise durch die Frischluftschneise von der Rezat hinauf in Richtung bestehender Bebauung, einem Spielplatz einer Parkanlage, Stadtrandgrün und Abschirmungsgrün (sprich: Hecken) zur Emetzheimer Straße erreicht. Im Baugebiet würden Straßenbäume gepflanzt. Dabei werde auf heimische, möglichst klimaresistente Arten gesetzt.

Ab einer Grundstücksgröße von 250 Quadratmetern müssten zudem die Eigentümer Bäume pflanzen. Und bei größeren Garagen seien Dachbegrünungen verpflichtend.

Auch werde versucht, die beiden Nasswiesenbereiche zu erhalten. Bei der größeren, geht Strauch aber durch die benachbarte Wohnbaunutzung davon aus, dass das Biotop "nicht mehr in der bestehenden Qualität vorhanden sein" wird. Und die fast 4700 Quadratmeter große Feuchtwiese gehe sogar größtenteils verloren.

Ausgleichsflächen bei Kattenhochstatt

Da es sich um Biotope handle, müssten aber generell Ausgleichsflächen geschaffen werden, was unter anderem durch eine Maßnahme bei Kattenhochstatt erfolge – und zwar auf einer 0,8 Hektar großen Fläche, die jetzt schon extensiv bewirtschaftet werde und auch für Rebhühner geeignet sei.

Nach einer kurzen Diskussion, in der Strauch für ihre Arbeit von verschiedenen Seiten, auch von den Grünen, ausdrücklich gelobt wurde, gab die Landschaftsplanerin zu bedenken: "Als Mensch greift man bei solch einem Vorhaben immer in die Natur ein. Manchmal muss man eben mit Kompromissen leben."

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