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Donnerstag, 19.09.2019

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Hinter Denkmalfassaden in Altmühlfranken geguckt

In Weißenburg und Wettelsheim konnte man Einblick in laufende Renovierungsprojekte gewinnen - 09.09.2019 05:25 Uhr

Plausch mit der Bauherrin: Beim Tag des offenen Denkmals gab es ausreichend Gelegenheit für Fachgespräche. In Weißenburg stand das Haus in der Bräugasse 3 zur Besichtigung offen. Das Dach ist derzeit mit grüner Folie abgedeckt, was die Szenerie in ungewohntes Licht setzte. © Foto: Markus Steiner


Weißenburg, Bräugasse 3, Bürgerhaus: Viele Besucher kennen dieses Haus bislang vermutlich nur vom Vorbeigehen. Derzeit ist es Außen eingerüstet und macht noch keinen besonders stattlichen Eindruck. Eines ist aber sicher: Das alte Haus, das seit 2011 Inge und Roland Knöll gehört, hat eine bewegte Geschichte. Bevor das Ellinger Pfarrersehepaar das Haus kaufte und mit der Sanierung begann, stand es drei Jahre lang leer. Durch dendrochronologische Untersuchungen der Dachstuhlbalken weiß man heute, dass das Gebäude um das Jahr 1440 gebaut und als Scheune genutzt wurde, die zwischen den städtischen Ansiedlungen von St. Andreas und St. Martin stand. Das Holz, das für den Dachstuhl verwendet wurde, wurde im Sommer 1438 und im Winter 1439 gefällt.

Weil im imposanten Dachstuhl von Anfang an ein Hängewerk eingebaut war, kann man davon ausgehen, dass das Dachgeschoss als Lagerhaus genutzt wurde und man viel Platz
hatte, weil im Innenraum im ersten Stock keine Stützen verwendet werden mussten. Erst knapp 100 Jahre nach der Erbauung wurde das Gebäude dann auch als Wohn- und Handwerkerhaus genutzt, das im langen Laufe seines Lebens eine Bäckerei (1536 bis 1548 Bäcker Veit Lirhamer), eine Siebmacherei (1549 bis 1571 Ulrich Demer) und ab 1571 für genau 100 Jahre und drei Generationen eine Büttnerei beherbergte. 1671, haben die Quellenforschungen ergeben, übernimmt dann der Nagelschmied Georg Friedrich Simmerdinger das Haus, der 1685 verstirbt. Knapp 100 Jahre lang leben verschiedene Nagelschmiede in dem Haus, ehe 1769 der Metzger Georg Michael Kirchmeyer das Anwesen übernimmt. Sein Sohn Georg Samuel Kirchmeyer übt das Handwerk, als sein Vater stirbt, bis zu seinem Tod im Jahr 1830 aus. Bis 1919 bleibt die Bräugasse 3 in Metzgershand und im Besitz der Familie Kirchmeier, die die Schreibeweise ihres Namens ändert. 1919 kauft es Schuhmacher Friedrich Würth, der das Haus nach seinen Bedürfnissen umgestaltet. 1959 gehen Haus und Schuhmacherbetrieb auf Sohn Friedrich Würth über, der 1996 verstirbt.

Etliche Weißenburger erinnern sich noch an die Schusterwerkstatt und das Wohnhaus, in dem bis 2008 Friedrich Würths Schwester Anni Roth lebte. Drei Jahre lang stand das Haus dann leer, bis es 2011 Inge und Roland Knöll kauften, die mit Hilfe des Architekturbüros Feulner und Häffner aus Elingen, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Unteren Denkmaschutzbehörde der Stadt Weißenburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz das ehemalige Handwerkerhaus liebevoll umgestalten. Der Dachstuhl ist inzwischen fachgerecht saniert. Jetzt kommt als nächster Schritt der Dachaufbau. Wann die Bräugasse 3 bezugsfertig ist? Roland Knöll lächelt milde: "An Weihnachten. Wir wissen bloß noch nicht in welchem Jahr . . ."

Das ehemalige Amtsknechtshaus in der Pfarrgasse 9 in Wettelsheim: Das kleine Häuschen wird derzeit liebevoll saniert und soll seinem Eigentümer in ein paar Jahren als Altersruhesitz dienen. © Foto: Markus Steiner


Was das anbelangt, ist Dr. Michael Appel mit seinem Amtsknechtshaus, das in Wettelsheim in der Pfarrgasse 9 steht, schon weiter. Die Wände sind teilweise schon komplett verputzt, die Bruchsteinmauern freigelegt und der Dachstuhl ist ebenfalls fertig saniert.

Wie bei so vielen Denkmalen liegt auch die Baugeschichte dieses Hauses weitgehend im Dunkeln. Der Keller ist vermutlich sogar mittelalterlich. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war man bemüht, das Gebäude Schritt für Schritt zu erweitern. Die letzte Baumaßnahme (nach 1915) erbrachte dann einen Gewinn an Wohnraum in der Größenordnung von etwa sechs Quadratmetern.

Die Umbauten sind an vielen Stellen sichtbar, Außenbalken liegen heute innen und sind in ihrer alten Funktion noch erkennbar. Das Gebäude erzählt seine eigene Geschichte. Während der Besichtigungszeit konnte man auch die im benachbarten Gebäude untergebrachte Ortssammlung von Wettelsheim besuchen und hautnah erleben, dass die alten Gebäude und Denkmäler ganz viele Geschichten erzählen können.

Michael Appel, der Redakteur beim Bayerischen Rundfunks ist, ist bei seinen vielen beruflichen Fahrten durch den Freistaat auf das kleine Amtsknechtshaus gestoßen und hat sich regelrecht in das Häuschen verliebt. Auch ihm und seiner Lebensgefährtin soll es in ein paar Jahren als Altersruhesitz dienen: "An einem der schönsten Fleckchen in Bayern."

  

MARKUS STEINER

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