Holzpreise im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen: Das sagen Vertreter

28.5.2021, 05:36 Uhr
Die Holzpreise sind explodiert, allerdings nur auf dem Schnittholzmarkt, auf dem die aus Rundhölzern geschnittenen Bretter und Balken gehandelt werden. Auf dem Rundholzmarkt – Sägewerke oder Papierhersteller kaufen hier die gefällten Bäume – sieht es anders aus. Unser Bild entstand am Holzlagerplatz des Weißenburger Forstamtes bei Dettenheim.

Die Holzpreise sind explodiert, allerdings nur auf dem Schnittholzmarkt, auf dem die aus Rundhölzern geschnittenen Bretter und Balken gehandelt werden. Auf dem Rundholzmarkt – Sägewerke oder Papierhersteller kaufen hier die gefällten Bäume – sieht es anders aus. Unser Bild entstand am Holzlagerplatz des Weißenburger Forstamtes bei Dettenheim.

Der Holzpreis ist explodiert, heißt es landauf, landab. Bei den regionalen Waldbesitzern kommt diese Entwicklung nur zögerlich an. Von einer Explosion kann nicht die Rede sein. "Der Preis ist vor drei Jahren eingebrochen. Wegen dem Käferholz", erklärt Gernot Handke, der zweite Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Franken Süd. "Jetzt ist der Preis wieder gut, aber das fängt erst langsam an durchzuschlagen."

Will man die Entwicklung verstehen, muss man wissen, dass der Holzmarkt zwei Bereiche hat, die viel miteinander zu tun haben, aber unterschiedlich funktionieren. Das eine ist der Rundholzmarkt – die gefällten Bäume aus dem Wald, die von Sägewerken oder Papierindustrie gekauft werden. Das andere ist der Schnittholzmarkt – die aus den Rundhölzern gefertigten Produkte wie Bretter und Balken. Explodiert ist bislang nur der Schnittholzmarkt.

In der Region sind Lieferketten stabil

In dem ist man im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen allerdings dünn aufgestellt. Man hat über die Fläche verteilt vielleicht zwei Handvoll, meist familiär geprägte Klein-Sägewerke. Nur ein Bruchteil der Bauholzernte Altmühlfrankens wird vor Ort verarbeitet. Der Rest der geschlagenen Fichten und Kiefern wandert in die hungrigen Sägen von Großunternehmen, wie Rettenmeier in Willburgstetten im Landkreis Ansbach oder den österreichischen Binderholz-Konzern.

Und von dort landen altmühlfränkische Bäume dann durchaus auch in den USA und China, die mit ihrem Bauboom den deutschen Markt leer fegen. Ein Problem ist das vor Ort vor allem für Betriebe, die mit Konstruktionshölzern und Holzprodukten im Bau arbeiten. Und zwar dann, wenn sie auf Lieferungen überregionaler Unternehmen angewiesen sind.

Denn in der Region sind die Lieferketten stabil. "Die kleinen Sägen kriegen von uns ihr Holz. Die werden auch weiter bedient", erklärt Gernot Handke. "Holz der kurzen Wege" habe man seitens der FBG immer propagiert, daran halte man sich auch jetzt.


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Und tatsächlich sieht man die steigenden Holzpreise bei den lokalen Sägewerken gelassen. "Bei uns ist ein ziemlich normaler Rhythmus", stellt Tobias Kolb fest, der im Theilenhofener Ortsteil Dornhausen ein Sägewerk betreibt. Das Holzlager sei gut gefüllt, weil man fast nur wintergeschlagenes Holz verarbeite und sich daher schon vor dem Preisanstieg versorgt habe.

Mehr Holz würde Kolb gar nichts helfen. "Wir sind schon an der Kapazitätsgrenze." Maschinell gäbe es noch Potenzial, aber man könne nicht auf die Schnelle neues Personal einstellen, das man dann in ein paar Monaten nicht mehr brauche.

Dass es viel mehr Anfragen gebe als in normalen Zeiten, das erlebt auch der Säger aus Dornhausen so. Aber das nimmt er mit einem Achselzucken zur Kenntnis. "Wir tun, was wir können, aber wir bedienen zuallererst mal unsere Stammkunden." Dass manche Handwerker jetzt Probleme bekämen, sei ein Stück weit selbst verschuldet, findet Kolb.

Stabiler Regionalmarkt

Weil die Industrie in den vergangenen Jahren Schnittholz teilweise verschleudert habe, sei manch einer zu den Großunternehmen als Lieferant gewechselt. "Wir konnten da manchmal nicht mehr mithalten", erklärt Kolb. Jetzt in der Krise würden die treuen Kunden aber belohnt. Weil sie weiter stabil versorgt werden und man die Preise zwar angepasst, aber insgesamt doch halbwegs gehalten habe. Der regionale Kreislauf zeigt sich in der aktuellen Preiskrise von seiner besten Seite. Vielleicht nicht immer die allergünstigste Option, aber stabiler und verlässlicher als der Weltmarkt mit seinen Schwankungen.

Das kann Klaus Stöhr von der Alesheimer Zimmerei Ortner & Stöhr bestätigen. "Bei mir nimmt das schon die Schärfe raus, weil ich mein Holz regional habe und daher keine großen Preissteigerungen." Da gehe es manchem Kollegen schlechter, der sein Material überregional bezieht. Das Problem: Zimmerer oder Holzausbauer sind Verträge mit festen Preisvereinbarungen eingegangen. Allerdings kalkulierte keiner mit einem nun so rasant ansteigenden Schnittholzpreis. Überregional warnt man in der Branche schon vor Pleitewellen und einem Baustopp im Lauf des Sommers.

Ganz so pessimistisch will Stöhr das aber nicht sehen. "Wir haben schon auch Probleme, gerade was Fertigprodukte betrifft, die es aus dem Landkreis nicht gibt. Aufdachdämmungen, Leimholzträger oder auch Dachlatten . . ." Aber Stöhr glaubt, dass sich die Lage im Lauf des Jahres stabilisieren werde. "Wir haben einen Hamstereffekt wie bei der ersten Corona-Welle mit dem Klopapier." Das heißt, auch wenn die Lager der Lieferanten leer sind, sei das Holz mitunter in die Lager mancher Handwerksunternehmen gewandert. Und die würden dann bei der nächsten Bestellung entsprechend weniger ordern, was den Markt entspannt.

Neue Verordnung begrenzt Einschlagmengen

Aus Sicht der regionalen Waldbauern könnten die nächsten Monate jedenfalls gut werden. Denn langsam schlägt die Schnittholzknappheit auch auf das Rundholz durch. Eine gute Zeit, um demnächst mal wieder seinen Wald durchforsten zu lassen.


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Allerdings gibt es ein Problem. Eine neue Verordnung auf Bundesebene begrenzt die Einschlagmengen. "Das ist grundsätzlich vernünftig", stellt Gernot Handke fest. "Nur kommt die Verordnung zur Unzeit." Sie sollte durch eine Begrenzung des Angebots verhindern, dass der Holzpreis dauerhaft im Keller bleibt. Allerdings hatte man da den Holzhunger der USA und China nicht auf dem Zettel.

Politik und die Verbände arbeiten aber bereits an einer Lösung für Kleinwaldbesitzer. Denn es wäre mehr als wünschenswert, wenn nach dürren Jahren im Wald der Rubel nun auch mal für die kleinen Forstbesitzer rollen würde. Denn im Moment leiden zwar viele unter extrem hohen Schnittholzpreisen, aber: "Davon profitiert im Moment nur ein kleiner Bruchteil der Wertschöpfungskette", erklärt Klaus Stöhr. Und das sind nicht die kleinen Strukturen in der Fläche.


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