Mittwoch, 20.11.2019

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Im Alesheimer Kindergarten soll es am Dienstag weitergehen

Mehrere Bewerbungen sind inzwischen eingegangen - 05.01.2019 11:31 Uhr

Zuversicht: Pfarrerin Julia Kleemann geht davon aus, dass der Kindergarten in Alesheim am Dienstag wie geplant wieder öffnen kann. Nach dem großen Medieninteresse gab es einige Bewerbungen für die Erzieherinnenstelle. © Robert Maurer


Ein langer Krankheitsfall hat dafür gesorgt, dass die Kolleginnen ordentlich Überstunden angesammelt haben. Seit Ende August fehlte eine Kraft. Inzwischen ist klar, dass sich die Erkrankung noch länger hinziehen wird, deshalb suchte das evangelische Pfarramt in Alesheim händeringend nach Ersatz. Ohne Ergebnis. Es ging nicht eine Bewerbung ein.

Vor wenigen Tagen schickte Pfar­rerin Julia Kleemann einen Hilferuf über die Medien heraus. Das Echo war enorm. Etliche interessante Bewerbungen trudelten ein. Am Donnerstag- und Freitagabend gab es mehrere Gespräche mit infrage kommenden Personen. Aber es gab auch viele, die Hilfe angeboten haben. Kinderpflegerinnen, die bereit waren, für einige Zeit einzuspringen. Andere vermittelten Kontakte. "Das war wirklich ganz toll. Da muss man ein ganz großes Dankeschön aussprechen", freute sich Julia Kleemann gestern im Gespräch mit dem Weißenburger Tagblatt über die große Hilfsbereitschaft.

"Hoffnung ist mein Job"

Übers Wochenende soll nun die Entscheidung fallen, wer die Stelle bekommt und wann derjenige anfangen kann. Denn möglicherweise gilt es ja auch noch Kündigungsfristen zu beachten. Die Kurzfristigkeit ist natürlich ein Hemmnis. Das weiß auch die Pfarrerin. Sie ist dennoch zuversichtlich, dass es klappen wird, am Diens­tag (Montag ist ohnehin noch geplant geschlossen) wieder aufzusperren. "Hoffnung ist mein Job", sagte die Kleemann lachend.

Die neue Kraft bekommt zunächst einen Einjahresvertrag – mit der Aussicht auf Verlängerung. Die Stelle ist somit nicht nur eine Krankheitsvertretung, sondern bedeutet ein Aufstocken des Mitarbeiterstamms. Möglich macht das eine zum April anstehende Gesetzesänderung, die es Kitas ermöglicht, mehr Personal zu beschäftigen.

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Notdienst in Trommetsheim

"Falls es ganz eng wird, organisieren wir einen Notdienst in Trommetsheim." Dann würden die Eltern gebeten, wenn möglich die Kinder für ein paar Tage noch zu Hause zu betreuen. So wäre Platz für jene, die ansonsten allein zu Hause wären. Bereits in den vergangenen Monaten hat es tageweise solche Zusammenlegungen gegeben. Spätestens am Montag, 14. Januar, soll der Betrieb in Alesheim sicher wieder laufen, kündigte Kleemann an.

Die Eltern seien über das grundsätzliche Vorgehen unterrichtet worden und seien ohnehin sehr kooperativ. "Die wollen ebenso wie wir den Kindergarten in Alesheim erhalten. Da ziehen wir an einem Strang." Sollte sich die Wiedereröffnung um ein paar Tage verschieben, würde sie kurzerhand am Montag die Eltern der betroffenen 15 Kinder abtelefonieren. Kleemann: "Das ist der große Vorteil von dörflichen Strukturen."

Struktureller Personalmangel

Bürgermeister Manfred Schuster hofft ebenso wie die Pfarrerin, dass es mit dem Alesheimer Kindergarten weitergehen kann. "Das ist natürlich im Sinne der Gemeinde." Auch er bedauert das "Zusammentreffen höchst unglücklicher Umstände", die zur jetzigen Situation geführt haben.

Alesheim ist übrigens nicht allein mit seinen Personalproblemen im Kita-Bereich. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft spricht von einem strukturellen Personalmangel und klagt darüber, dass die Personaldecke in deutschen Kitas zu dünn sei, um Ausfälle aufzufangen. Krankheitsbedingt müssten besonders im Winter immer wieder Kitas vorübergehend schließen. Insgesamt würden 100.000 zusätzliche Stellen benötigt, glaubt GEW.

Auch bei neuen Kindertageseinrichtungen gebe es bundesweit immer wieder Probleme, weil das Personal fehlt, um überhaupt starten zu können. Dabei fehlen speziell in den Ballungsräumen jede Menge Kita-Plätze. Auch Weißenburg hat Nachholbedarf. Der Stadtrat hat im vergangenen Jahr verschiedene Beschlüsse gefasst, um neue Kapazitäten zu schaffen.

Robert Maurer

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