Innovation in der Treuchtlinger Stadtbücherei

14.8.2015, 06:10 Uhr
Die „Schaltzentrale“ in der Stadtbücherei, hier „gesteuert“ von Bücherei-Leiterin Ruth Seelig, wird bald auf dem Betriebssystem Linux basieren. Das neue Anwendungsprogramm „Koha“ geht mit vielen nützlichen Erweiterungen einher.

© Hedwig Die „Schaltzentrale“ in der Stadtbücherei, hier „gesteuert“ von Bücherei-Leiterin Ruth Seelig, wird bald auf dem Betriebssystem Linux basieren. Das neue Anwendungsprogramm „Koha“ geht mit vielen nützlichen Erweiterungen einher.

Das Rathaus selbst arbeitet schon seit vielen Jahren auf Basis des Betriebssystems Linux (Debian). Im Gegensatz zu Windows ist Linux vom Grundsatz her zunächst einmal kostenlos. Daher soll nun auch die städtische Bibliothek auf Linux umgerüstet werden. „Die Stadt erhofft sich dadurch mittel- und langfristig eine spürbare Kostenersparnis“, so die Bücherei-Leiterin Ruth Seelig. Auch wenn im Augenblick noch alles auf Windows läuft, sind nach ihren Worten die grundlegenden Linux-Fundamente in der Bücherei bereits gesetzt. Bewerkstelligt wurde das von Rathaus-Bediensteten.


„Ganz ohne“ ist freilich eine derartige Umstellung nicht. „Für uns war und ist es wichtig, eine geeignete Software speziell für Bibliotheken zu finden, die auf Linux läuft sowie gleichzeitig für kleinere und mittlere Häuser geeignet ist. Zudem sollen am Ende auch angelernte Kräfte und Nicht-Bibliothekare damit umgehen können“, erläutert Seelig, der im Haus noch zwei weitere Kolleginnen – allesamt in Teilzeit oder auf 400-Euro-Basis – sowie ein ehrenamtlich Tätiger zur Seite stehen.


Schließlich fiel die Wahl auf das Programm „Koha“, das sich international bereits einer weiten Verbreitung erfreut, in Deutschland jedoch noch relativ unbekannt ist. Nach längerer Recherche machten die EDV-Spezialisten im Rathaus mit Michael Kuhn außerdem einen kompetenten Mann aus der Schweiz ausfindig, der zum einen versierter Systemadministrator ist, zum anderen ein kundiger Bibliothekar.


Ihm fällt die Aufgabe zu, die zahlreichen Datensätze der Stadtbücherei auf die neue Linux-Plattform und das Programm „Koha“ zu hieven. Dabei geht es nicht allein um den in Treuchtlingen immerhin rund 13.400 Bücher umfassenden Medienkatalog, der in die neue Software eingepflegt werden muss, sondern auch um die vielen Kundendaten, die über die Jahre aufgelaufen sind und nach der Umstellung wieder komplett verfügbar sein müssen.


„Da kommt auf den Spezialisten und auch auf uns eine Menge Arbeit zu“, meint die Bücherei-Leiterin. Diese Arbeit soll jedoch auch Früchte tragen. So dürfte nach der Umstellung für das Bücherei-Personal einiges leichter werden, umso mehr aber noch für die Lesefreunde.


Diese können sich dann ein durch ein Passwort geschütztes Kundenkonto einrichten, auf das sie per Internet von überall her zugreifen können. Hier können die Leser genau nachvollziehen, wann sie zum Beispiel in der Vergangenheit welche Bücher für wie lange ausgeliehen haben. „Nicht selten möchten manche ein bereits gelesenes Buch später noch einmal in die Hand nehmen“, sagt Seelig. Zudem können Büchereinnutzer über das Internetportal genau einsehen, welche Bücher gerade verfügbar sind. Bislang waren diese Zugriffsmöglichkeiten von außen nicht möglich.


Wenn auch Linux selbst kostenlos ist, das Einrichten der Datensätze ist es nicht. „Allerdings steht hier ein Projektzuschuss seitens der Bayerischen Staatsbibliothek zu erwarten“, räumt Seelig ein.


Das neue Portal bietet der Stadtbücherei außerdem die Möglichkeit, auf eigene Aktionen hinzuweisen, wie zum Beispiel auf die Veranstaltungen im Rahmen der Reihe „Bilderbuch-Kino“ oder auf Lese-Wettbewerbe. Kurzum: Das Kundenkonto ist somit auch gleichzeitig ein ausgewachsener Veranstaltungskalender. Wer über keinen Internet-Anschluss verfügt, wird natürlich nach wie vor bedient.


Um all die anstehenden Arbeiten zu bewerkstelligen, muss die Stadtbücherei für ein paar Tage geschlossen bleiben, und zwar vom 14. bis zum 25. September dieses Jahres. Ist dann einmal alles eingerichtet, kann es in der Anfangsphase freilich noch zu kleineren Problemchen kommen, bis alles rund läuft. Für die Zukunft versprechen sich die Verantwortlichen jedenfalls von der Umstellung ein zeitgemäßes Miteinander zwischen Leser und Bücherei mit weit mehr Möglichkeiten der Information und Interaktion.

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