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Kommunalwahl in Raitenbuch

Joachim Wegerer ist der einzige Kandidat für die Nachfolge von Josef Dengler. - 13.02.2020 05:55 Uhr

Bürgermeister Josef Dengler hinterlässt die Gemeinde Raitenbuch, die in seiner Amtszeit um 20 Hektar gewachsen ist, in einem guten Zustand. Der 1200-Einwohner-Ort auf dem Jura hat derzeit rund zwei Millionen Euro auf dem Festgeldkonto liegen. Gute Voraussetzungen für seinen Nachfolger. © Foto: limes-luftbild.de


Nachdem sich aus dem zwölfköpfigen Gremium keiner der altgedienten Gemeinderäte für eine Kandidatur als Bürgermeister bereit erklärt hatte, schlug Josef Dengler Wegerer vor, der bislang noch nicht einmal Mitglied im Gemeinderat war. Aus erklärlichen Gründen, wie er selbst sagt: Der 48-Jährige ist hauptberuflicher Soldat und arbeitet als Flugberater am Heeresflugplatz in Niederstetten in Baden-Württemberg. Das liegt rund 120 Kilometer und damit gut eineinhalb Autostunden von seinem Heimatort Raitenbuch entfernt, wo er auch aufgewachsen ist.

Nach der Schulzeit in Eichstätt und der Fachoberschule in Weißenburg lernte er Bankkaufmann bei der Raiffeisenbank, absolvierte seine Wehrpflicht und ging danach wieder zur Raiffeisenbank. Nach einigen Jahren zog es ihn aber zurück zur Bundeswehr, wo er bis dato als Stabsfeldwebel die Flugplanung für die Piloten übernimmt und sich um Landegenehmigungen und diplomatische Freigaben kümmert.

Der Bürgermeisterkandidat der gemeinsamen Liste für Raitenbuch: Joachim Wegerer. © Foto: Markus Steiner


"Niederstetten ist nie meine echte Heimat geworden, das ist immer noch Raitenbuch", sagt Wegerer mit eine wenig Wehmut in der Stimme. Schließlich wohnen hier noch seine Eltern, die vor Kurzem ihre goldene Hochzeit gefeiert haben. Und hier ist auch sein CSU-Ortsverein, in dem Wegerer Schriftführer ist und in dem er regelmäßig an allen Versammlungen teilnimmt.

Als ihn der CSU-Ortsvorsitzende Josef Dengler fragte, ob er es sich vorstellen könne, seine Nachfolge als Bürgermeister anzutreten, ließ ihn der Gedanke keine Ruhe mehr: "Ich habe es mir dann ernsthaft überlegt." Das Ergebnis: Der zweifache Familienvater, der die volle Rückendeckung des amtierenden Bürgermeisters hat, der ihn am Anfang tatkräftig unterstützen will, will das Amt mit Respekt, aber ohne Angst angehen und eng mit Gemeinderäten und der Verwaltungsgemeinschaft Nennslingen zusammenarbeiten.

Wegerer weiß, dass er erst in das Amt hineinwachsen muss und auch auf die Hilfe der altgedienten Gemeinderäte angewiesen sein wird. Der Soldat sieht seine Rolle als Gemeindeoberhaupt vor allem als Teamleiter: "Ich will als Bürgermeister nicht der alleinige Bestimmer sein, sondern ein Ideengeber, der seine Lebenserfahrung einbringt und gemeinsam in der Diskussion zu einem guten Ergebnis kommt."

Als Bürgermeister hat er an sich selbst den Anspruch, "möglichst authentisch zu bleiben". Durch seine Ausbildung als Bankkaufmann und seine langjährige Berufserfahrung als Soldat sieht er sich gut gerüstet für das Amt, das er ehrenamtlich und neben seinem Beruf ausüben will. Sein Versetzungsantrag an die Kaserne in Neuburg an der Donau ist bereits gestellt. Die Frage ist nur, wann ihm auch stattgegeben wird. Wenn es so weit ist, will Wegerer mit seiner Familie ganz nach Raitenbuch umziehen.

Für den Bürgermeisterkandidaten ist seine eindrucksvolle Nominierung Auftrag und Verpflichtung zugleich. Dass er bislang noch nicht einmal dem Gemeinderat angehörte, ist für ihn kein Ausschlusskriterium: "Auch Bürgermeister Josef Dengler war ja vorher nicht im Gemeinderat."

Wegerer will, wenn er am 15. März mit ziemlicher Sicherheit zum Bürgermeister der Juragemeinde gewählt wird, sein Amt mit Demut, aber auch mit Selbstvertrauen angehen und seine Heimatgemeinde, in der er immer noch viele Freunde und Bekannte hat, so weiterentwickeln, dass sie auch eine Zukunft hat.

Als "große Brocken", die es in Raitenbuchs naher Zukunft zu bewegen gilt, sieht der Bürgermeisterbewerber vor allem die gemeinsame Großkläranlage und den Abschluss der Ortsdurchfahrt Bechthal an. Auch der Friedhofsumbau, für den bereits die Pläne vorliegen, wird zu einer seiner ersten Aufgaben als Bürgermeister zählen.

Auch seine eigene Mutter hat ihm einen Wunsch und Auftrag mitgegeben, um den er sich als Gemeindeoberhaupt gerne kümmern will: "Die Senioren kommen bei uns zu kurz." Auch Joachim Wegerer glaubt, dass man angesichts der Alterspyramide auch in Raitenbuch dringend etwas für die älteren Bürger tun und unter anderem einen barrierefreien Treffpunkt für die Senioren einrichten muss.

Gute Kandidaten-Liste

Gemeinsam mit dem neuen Gemeinderat, für den insgesamt 23 Kandidaten antreten, darunter fünf amtierende und sechs Bewerber, die jünger als 28 Jahre alt sind, glaubt Wegerer, dass er seine Visionen auch umsetzen kann: "Da sind richtig gute Leute dabei, ich bin von den Kandidaten beeindruckt und freue mich auf die Zusammenarbeit." Er freue sich jetzt schon darauf, dass er wieder in seine alte Heimat und zu seinen Wurzeln zurückkehren kann.

Ein Lebensmotto, einen Wahlkampfslogan oder ein Lieblingszitat hat der groß gewachsene Bürgermeisterkandidat, der trotz Kälte mit kurzärmeligem Hemd zum Zeitungsinterview kommt, übrigens nicht. Auch das ist irgendwie authentisch. Da, wo andere ein möglichst philosophisch klingendes Zitat hervorkramen, sagt Wegerer ohne Zögern: "Für mich ist es einfach schön zu erleben, wenn sich am Ende die Mühe gelohnt hat."

MARKUS STEINER

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