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Kontinuität mit eigenen Akzenten

CSU-Bewerber Manuel Westphal möchte als Landrat die Arbeit von Gerhard Wägemann fortsetzen - 01.02.2020 07:06 Uhr

Vom Abgeordneten zum Landrat: Manuel Westphal gilt als Favorit für die Nachfolge von Gerhard Wägemann. Bei der Nominierung hatten ihn seine Parteifreunde schon mit einem Wahlwerbe-T-Shirt ausgerüstet. © Foto: Wolfgang Dressler


Manuel Westphal ist aktuell voll im Wahlkampfmodus. Mindestens ein Termin in Sachen Landratskandidatur pro Tag ist Pflicht. "Mir geht es darum, vor Ort ansprechbar zu sein." Wobei die Grenze fließend ist. Viele Termine sind Veranstaltungen, die er als Landtagsabgeordneter ohnehin besucht hätte. Das ist Segen und Fluch zugleich. Denn einerseits wäre der CSU-Kreisvorsitzende ohnehin bei der Betriebsbesichtigung, oder müsste beim Infostand eines Ortsverbandes vorbeischauen. Gleichzeitig fehlt ihm für klassischen Haustürwahlkampf, wie er angesichts allgemeiner Politikverdrossenheit seit Jahren an Bedeutung gewinnt, die Zeit.

Der Bekanntheitsgrad des Namen Westphal hilft dem CSU-Landratskandidaten das wettzumachen. Man kennt sowohl den CSU-Landtagsabgeordneten Manuel Westphal als auch den seit Jahrzehnten in der CSU im Landkreis aktiven Vater Robert Westphal, der als Landratstellvertreter unermüdlich unterwegs ist. Auf die Bekanntheit und auf den Bonus als Favorit baut auch die Wahlkampagne auf. Neben Namen und Partei steht als Slogan lediglich kompakt "Unser Landrat" auf den Wahlplakaten. Westphal verlässt sich darauf, dass die Menschen wissen, wofür er steht.

Das ist in der großen Breite vor allen Dingen ein überzeugtes "Weiter so". CSU-Landrat Gerhard Wägemann hat in achteinhalb Jahren ordentlich vorgelegt und "ein gutes Fundament" gebaut, sagt Westphal und nippt am immer noch heißen Tee. "Ich werde sicher nicht alles anders machen." Weißenburg-Gunzenhausen habe sich positiv entwickelt, was außerhalb noch mehr wahrgenommen werde als hier vor Ort, sagt Westphal.

Beispielhaft nennt er das viele Geld, das der Landkreis in die Schulen gepumpt hat. "Das wird auch weiter so bleiben", kündigt Westphal mit Blick auf die begonnene Digitalisierung an. Gleiches gilt für den Gesundheitssektor, wo nach der Modernisierung des Krankenhauses in Gunzenhausen nun Weißenburg mit millionenschweren Ausgaben ansteht. Das Festhalten an der Klinikstruktur ist Westphal dabei ebenso wichtig, wie es Wägemann war.

Wichtig ist Westphal, dass die getätigten Investitionen nachhaltig sind und dazu dienen, dass der Landkreis sich selbst helfen kann. So wünscht sich das auch die Staatsregierung bei Förderprogrammen wie der Bildungs- oder der Gesundheitsregion.

Bei den politischen Schwerpunkten, die Westphal im Falle seiner Wahl setzen will, ist die Nähe zu Amtsinhaber Wägemann allgegenwärtig. Eigene Akzente will der 45-Jährige aber doch setzen. Beispiel: Tourismus. Beim Fränkischen Seenland sei es an der Zeit das Leitbild fortzuschreiben und anzupassen, beim Marketing müsse noch Kirchturmdenken abgebaut werden, und eine Dienstleistungsgesellschaft könnte privaten Zimmervermietern die Arbeit – von der Werbung bis zur Endreinigung – erleichtern.

Politisch erstmals in Erscheinung getreten ist Westphal, als er 2003 und 2008 als Zweitstimmenkandidat für die Bezirkstagswahl antrat. Ohne echte Chance, aber mit viel Engagement. Das hat ihm Spaß gemacht. "Du kriegst unheimlich viel mit und lernst sehr viele Leute kennen." Und so engagierte er sich weiterhin politisch, während er sich beruflich als Rechtsanwalt in der Kanzlei des Vaters in Weißenburg etablierte. 2013 zog er in den Bayerischen Landtag ein. Ein Jahr später wurde er zum Kreisrat bestimmt und wieder ein Jahr später wurde er Kreisvorsitzender der CSU.

Gewisse Parallelen zu Gerhard Wägemann sind bei dieser Entwicklung nicht von der Hand zu weisen. Kandidatur für den Bezirkstag, der Kreisvorsitz der CSU, Sitz im Landtag, das Streben nach dem Landratsposten. Als simple Kopie des Weißenburgers mag sich der Meinheimer aber nicht verstehen. "Das war nicht von langer Hand geplant", versichert Westphal. "Das kann man in der Politik auch gar nicht." Andernfalls hätte er sich vermutlich in den vergangenen sechs Jahren auch mehr und lauter in die Kreispolitik eingemischt. Das laute Poltern liegt ihm ohnehin nicht so, wie er auch als Kreisvorsitzender der CSU beweist.

Auch in München hat Manuel Westphal sehr unaufgeregt gearbeitet. Und trotzdem nicht wenig bewegt. Dass es ihm gelungen ist, Weißenburg-Gunzenhausen zu einem der Gewinner bei der Behördenverlagerung zu machen, erfüllt ihn mit Stolz. Ebenso zufrieden ist er, dass das Klosterprojekt Heidenheim verwirklicht werden konnte. Doch so greifbar ist es selten. Viel häufiger geht es darum, Privatpersonen bei einem Anliegen an die richtigen Ansprechpartner zu verweisen oder einer Kommune aufzuzeigen, welche Förderung sie für ein Projekt bekommen kann.

Warum will er dennoch lieber Chef des Landratsamtes in Weißenburg sein, als Abgeordneter im Maximilianeum? Die Auswirkungen der Arbeit als Landrat seien direkt spürbar. Das ist es in erster Linie. Aber auch die Vorstellung, Chef einer gut aufgestellten Verwaltung mit weit über 400 Mitarbeitern zu sein ist für ihn mehr Anreiz als Abschreckung.

"Als Abgeordneter bist du ein Einzelkämpfer." Im riesigen Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen mit 50 Gemeinden bedeutet das eine unglaubliche Termindichte. Als Landrat wäre er zum einen "nur noch" für 27 Städte und Gemeinden zuständig, zum anderen hätte er auch Vertreter, die er zu Veranstaltungen schicken könnte.

Die Wahl könnte somit auch ein bisschen dafür sorgen, dass etwas mehr Zeit für die Familie bleibt. Westphal ist verheiratet und hat zwei Söhne mit elf und fast vier Jahren. Gut, dass die beiden seine Leidenschaft für die Landwirtschaft teilen. So ist das Aushelfen auf dem Hof des Bruders auch irgendwie Familienzeit. Und gelegentlich blockiert der Abgeordnete auch mal halbe oder ganze Tage im Kalender. "Sonst funktioniert das nicht." Das Büro im Wohnhaus hat zwar viele Vorteile, heißt aber eben auch: immer erreichbar.

In diesem Fall ist es ein klarer Vorteil. Nach dem Interviewtermin kann sich Manuel Westphal im Wohnhaus wieder heißen Tee holen. Denn der in seiner Tasse ist inzwischen ausgekühlt.

ROBERT MAURER

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