Strittige Sicherheitsvorschriften

Mehr Aufenthaltsqualität für die Pappenheimer Stadtwerkeinsel

28.7.2021, 06:01 Uhr
An den gelb markierten Stellen sollen nun Bänke installiert werden. Eigentlich  waren die Vorrichtungen an der Kaimauer der Altmühlinsel zur Befestigung eines  Geländers gedacht.

An den gelb markierten Stellen sollen nun Bänke installiert werden. Eigentlich waren die Vorrichtungen an der Kaimauer der Altmühlinsel zur Befestigung eines Geländers gedacht. © wug-stadtwerke-insel-20210718-154301_app11_01.jpg, NN

Im Bauausschuss war angeregt worden, entlang der Kaimauer fünf Sitzbänke zu befestigen. Die in die Mauer eingelassenen Hülsen waren ursprünglich für die Montage eines Geländers gedacht.

Eine Idee, die der Stadtrat aber wieder verworfen hat, nachdem seitens der Kommunalen Unfallversicherung Bayern (KUVB) die Anbringung eines solchen Schutzes nicht für zwingend erforderlich erachtet worden war. Eine Einschätzung, die nun im Stadtrat auf Unverständnis stieß.

Walter Otters (FW) sah die Absturzgefahr durch die Anbringung von Bänken gar als erhöht an: „Die verlocken doch geradezu, sich drauf zu stellen“, meinte er. Sein Parteifreund Friedrich Hönig sah dies genauso: Solche Sitzgelegenheiten „verleiten zum Übermut, durch sie wird die Situation dort nur völlig unnötig problematisiert.“

Ein Rettungsring reicht nicht

Weitere Ratsmitglieder äußerten gleichfalls Bedenken und zeigten ihr Unverständnis für die zugleich von der KUVB angeregten Sicherheitsmaßnahmen. Eine Ausstiegshilfe und ein Rettungsring mit Leine am Ufer seien völlig unzureichend.

Die Geländerform am Schusskanal sorgt für Erlebnischarakter, allerdings wäre  auch beinahe mal ein Kleinkind durch die Weitung am unteren Ende ins Wasser  gefallen.

Die Geländerform am Schusskanal sorgt für Erlebnischarakter, allerdings wäre auch beinahe mal ein Kleinkind durch die Weitung am unteren Ende ins Wasser gefallen. © wug-stadtwerke-insel-20210718-154301_app11_00.jpg, NN

Bürgermeister Florian Gallus ließ sich hiervon nicht aus der Ruhe bringen und verwies auf den bereits mehrheitlich gefassten Beschluss zugunsten der Bänkeinstallation: „Die Leute setzen sich in dem Bereich sowieso hin.“

Das bereits vorhandene Geländer über den Schusskanal war indes seitens der Bevölkerung in die Kritik geraten. Einige Bürger hatten sich über einen Mangel an Sicherheit beschwert, die laut der KUVB aber auch hier angeblich gewährleistet ist.

Das Problem bilde die Form, die sich nach unten hin weite, sodass im unteren Bereich eine gefährliche Lücke zur Brücke entstehe – so die Kritiker. „Ein Kleinkind ist deswegen schon beinahe mal in den Schusskanal gefallen“, monierte Michele Eckerlein (SPD). So hätten es ihm die Eltern des Kindes berichtet.

Architekt Clemens Frosch, der die einzelnen Maßnahmen dem Gremium vorstellte, hielt dagegen: Es gelte von dem Gedanken Abstand zu nehmen, „alles so ausführen zu wollen, dass es die Aufsichtspflicht der Eltern aushebelt“.

Beispiel Holland

Mit der Geländerform wolle man den Erlebnischarakter steigern. In Holland etwa „ist ein solches Vorgehen absolut üblich“. Es sei allerdings sehr wohl denkbar, entlang des unteren Geländerbereichs noch Stäbe einzuziehen, um Gefahren aus dem Weg zu räumen.

Dringenden Handlungsbedarf in puncto Sicherheit bringt die Entfernung eines „wenig ansehnlichen Holzpodestes“ mit sich, heißt es in der Beschlussvorlage. Dort ist weiter vermerkt: „Hier wird es erforderlich sein, ein Netz zur Personenrettung zu installieren, da eine Person, die zwischen Brücke und Gebäude ins Wasser fallen würde, direkt von der Turbine eingezogen werden könnte.“

Beides – die Anschaffung der Bänke (2500 Euro) sowie die Errichtung eines Sicherheitsnetzes für doppelt so viel Geld – wurde vom Gremium schließlich beschlossen. Das Netz einstimmig, bezüglich der Bänkeinstallation regten sich drei Gegenstimmen. Eine war es beim Beschluss zur Anbringung einer weiteren, zentralen Sitzbank mit Lehne sowie eines Mülleimers, was beides für insgesamt 1500 Euro erledigt werden soll. Kein Widerstand regte sich hinsichtlich der Anschaffung einer Stele, die nun für 2000 Euro angebracht wird.

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