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Muna-Gelände: Die Center-Parcs-Kritiker formieren sich

Neben den Protesten am Straßenrand hat sich auch eine Bürgerinitiative gegründet. - 21.08.2020 14:09 Uhr

Der Protest gegen den geplanten Center Parc bei Langlau auf dem ehemaligen Muna-Gelände wird sichtbar: Entlang der B 2 und der Staatsstraße 2222 haben Kritiker des Freizeitparks Plakate und Transparente aufgestellt.

19.08.2020 © Foto: Markus Steiner


Anstelle des Verkaufs an den niederländischen Konzern Center Parcs würde sich das Bürgerbündnis eine Sanierung des ehemaligen Munitionslagers wünschen, das danach der Allgemeinheit zur Verfügung stehen sollte.

Die nachhaltige Flächenentwicklung, heißt es auf der Unterschriftenliste, solle im Einklang mit dem Ursprungsgedanken des Fränkischen Seenlands stehen, so wie in dem Beschluss des Bayerischen Landtags an die Bayerische Staatsregierung formuliert, der am 16. Juli 1970 vom damaligen Landtagspräsidenten Hanauer unterzeichnet wurde.

In dem Beschluss heißt es wörtlich: "Der Landtag ersucht die Staatsregierung, dafür Sorge zu tragen, daß die Gewässer im Überleitungssystem für die Erholung der Bevölkerung erschlossen und die Ufergrundstücke, insbesondere an den Stauseen, in das Eigentum der öffentlichen Hand überführt werden, um den freien Zugang und den Gemeingebrauch sicherzustellen."


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Genau auf diese Passage und die Einhaltung derselbigen beruft sich das Bürgerbündnis, das nach eigenen Angaben vor allem den "Charme unseres Seenlandes" erhalten wolle und in der Region rund um die Seen bereits eifrig Unterschriften gesammelt hat. Die Unterschriften-Sammler, wünscht sich die Bürgerinitiative (BI), sollten nicht nur darüber reden, gegen was sie sind, sondern vor allem darüber, "FÜR was ihr steht!"

Kritiker: Straßen sind jetzt schon überlastet

Zum Beispiel für einen sanften und naturverträglichen Tourismus, der sich nach Ansicht der BI nur schwer mit den bislang durchgesickerten Plänen von Center Parcs in Einklang bringen lasse. "Es reicht", ist die BI angesichts der schon jetzt überlasteten Straßen in der Tourismushauptsaison überzeugt.

Nach Meinung der Bürgerinitiative wäre der Bund – unabhängig von einem etwaigen Verkauf der Muna – ohnehin in der Pflicht, die ehemalige Munitionsanstalt von Altlasten zu befreien. Für die BI ist die oberste Maxime einer neuen Nutzung auf jeden Fall die öffentliche Zugänglichkeit, so wie in dem Landtagsbeschluss aus dem Jahr 1970 festge-
legt.

Die Weißenburger Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) sieht das ähnlich und hat die Center-Parcs-Pläne auch mit den Mitgliedern der Kreisgruppe bereits intensiv diskutiert. Was die Naturschützer bislang am meisten wurmte: "Wir haben davon erst durch einen Whistleblower erfahren", sagt Günther Leikamm, der Vorsitzende des BN in Weißenburg.

Gibt es positive Effekte?

Er könne aufgrund der wenig bekannten Fakten jedenfalls noch nicht nachvollziehen, warum sich der Landrat oder bestimmte Bürgermeister positive Effekte für die Region erhoffen. Vielmehr glaubt er und sein Stellvertreter Gernot Römhild, dass der Center Parc die vorhandene Infrastruktur überlasten wird, die Bevölkerung vor Ort aber keinen Benefit haben werde.

So zahle die Kette Center Parcs seines Wissens auch keine Steuern in Deutschland, die Mitarbeiter in den bisherigen Parks kämen aus aller Herren Länder und seien überwiegend im Niedriglohnsektor angesiedelt. Unter dem Strich sei für den BN vor allem eine Frage und die Antwort darauf wichtig: "Wie viel Tourismus verträgt unser Seenland noch?

Eine Frage, auf die etliche Seeanwohner Antworten haben, die sie auf Plakaten und Transparenten rund um den Brombachsee öffentlich gemacht haben. "Keinen Center Parc am See", "Wir wollen keinen Center Parc" oder "Geldgier frißt Hirn", heißt es zum Beispiel.auf den Schildern, die entlang der Staatsstraße 2222 oder auch an der Bundesstraße 2 stehen.

Landratsamt bestätigt Kaufinteresse

Inzwischen hat Landrat Manuel Westphal (CSU) das Kaufinteresse der Firma Center Parcs am Muna-Gelände bestätigt. Die Kaufverhandlungen des Höchstbietenden mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben könnten sich indes noch längere Zeit hinziehen, glaubt Westphal. Der Landkreis sei ihm zufolge bislang überhaupt nicht an den Verhandlungen beteiligt.

Die Vereinbarkeit des Ferienparks mit den regionalen touristischen Entwicklungszielen könnte erst nach der verbindlichen Kaufentscheidung sowie nach Vorlage eines möglicherweise touristischen Nutzungskonzepts konkreter beurteilt werden, ließ die Pressestelle des Landratsamtes vor wenigen Wochen verlauten, nachdem unsere Zeitung das Amt angefragt hatte, ob an den Gerüchten rund um die Ansiedlung des Center Parcs womöglich etwas dran sei.

Öffentlichkeit frühzeitig mit einbeziehen

Generell, hieß es, stehe der Landkreis "weiteren touristischen Ansiedlungsvorhaben im Fränkischen Seenland grundsätzlich positiv gegenüber, soweit diese nicht im Widerspruch mit den Zielen des bereits vorliegenden touristischen Leitbilds sowie mit den Kernwerten des durchgeführten Markenbildungsprozesses des Tourismusverbands Fränkisches Seenland stehen und zudem einen positiven Impuls für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der touristischen Betriebe und Leistungserbringer in der Region darstellen."

Landrat Manuel Westphal kündigte unterdessen auch an, dass die Öffentlichkeit frühzeitig miteinbezogen werden soll, die Termine für eine Infoveranstaltung mit Vertretern von Center Parcs allerdings noch nicht feststünden.

MARKUS STEINER

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