17°

Samstag, 11.07.2020

|

Museum Solnhofen hat sich neu aufgestellt

Corona sorgt für ein massives Besucher-Minus und ein Finanzierungsproblem - 29.06.2020 12:23 Uhr

Dr. Martin Röper leitet seit 2002 das Bürgermeister–Müller-Museum mit vielen Fossilienfunden, welches heuer sein 50-jähriges Bestehen begeht. © Foto: Rainer Heubeck


Die Pandemie und deren Einschränkungen waren bis Pfingsten deutlich: Das Museum durfte nicht öffnen, die Monate April und Mai waren quasi verloren, eine Jubiläumsfeier mit Würdigung für den Museumsgründer und Namensgeber Friedrich Müller ist bis auf Weiteres nicht möglich. "Das trifft uns alles sehr", blickt Röper vor allem auf die Eintrittsgelder, die fest in der Museumsfinanzierung eingeplant sind.

Seit Pfingsten darf die Fossilien- und Lithografieausstellung besucht werden – "wir durften aber nur maximal 20 Personen gleichzeitig reinlassen", so Röper. Seit diesen Montag sind es nun 40 Menschen, die gleichzeitig das Museum besuchen dürfen. Etwas mehr zumindest, auch wenn es für die Gemeinde als Museumsträger nicht wirklich befriedigend ist. Bislang kamen rund 1400 Menschen, angesichts der Beschränkungen nennt Röper das einen "guten Zuspruch". Er schränkt aber gleich ein: "Was uns wirklich wehtut, ist, dass wir keine Führungen machen dürfen."

Die Gruppentouren durchs Museum sind überaus beliebt, doch hier ist aktuell keinerlei Lockerung in Sicht. "Das verschärft die Situation", so der Museumsleiter mit Blick auf das finanzielle Loch. Die angepeilten 25 000 Besucher dürften heuer reine Utopie sein – "das ist heuer nicht zu machen". Den Ausfall an Eintrittsgeldern und damit den höheren Zuschussbedarf muss die Gemeinde Solnhofen tragen. Doch auch der brechen aktuell wie überall Corona-bedingt die Steuereinnahmen weg. "Wir werden 2020 einfach nicht zählen", sagt Röper ein wenig trotzig in Richtung Krise.

Diese und das Plus an Zeit hat der Museumsleiter mit seinen Mitarbeitern genutzt, um eine Generalinventur zu machen, die Ausstellung zu überprüfen und an Details zu feilen. Zudem wurde der Museumsetat auf den Prüfstand gestellt. Erstes und größtes Opfer: die Fossilientage in München. Die für das Museum sehr teure Paläontologie-Messe in der Landeshauptstadt lockte zwar immer viele Sammler, Wissenschaftler und Interessierte an, doch Röper will das Geld für Stand und Spesen lieber in die Entwicklung eines "Geo-Zentrums Solnhofen" (wir berichteten) und die Werbung stecken. Bei Letzterer hat der Museumsleiter zusammen mit Tourismus-Mitarbeiterin Ute Grimm vor allem die Naherholer aus der Metropolregion Nürnberg sowie aus den Bereichen Ingolstadt, Augsburg und auch Stuttgart im Visier. "Das, was man zuerst nicht unbedingt haben wollte, ist jetzt unsere Zielgruppe", beschreibt Röper. "Wir verschieben unsere Schwerpunkte."

Wenig Gastronomie

Denn hinzu kommt ein weiteres touristisches Problem: Weder in Gastronomie noch bei den Übernachtungsmöglichkeiten ist Solnhofen wirklich gut aufgestellt – eine große Busgesellschaft ist mangels Hotel nicht unter einem Dach unterzubringen. Dafür bieten sich Museum, Hobby-Steinbruch, die beiden Geotope in Solnhofen und Langenaltheim sowie die Sola-Basilika geradezu an für eine Tagestour ins südlichste Mittelfranken. Deswegen hat Dr. Martin Röper mit Unterstützung des Rotary-Clubs Weißenburg und George Arauner das "Geo-Zentrum Solnhofen" ausgerufen und für rund 30 000 Euro mit neuem Logo, Büchlein, Homepage, Flyern und Infomaterial ausgestattet. "Wir haben die Krise nicht abgesessen, sondern sie genutzt, um uns neu aufzustellen", blickt der Museumsleiter auf die zwei Monate des Lockdowns.

Mit den Fossilien "sind wir gut aufgestellt", hier habe sich der Museumsumbau mit besonders gesicherten Vitrinen und direkter Leitung zur Polizei bemerkbar gemacht. Ohne diese Vorkehrungen seien manche fossile Leihgaben schlichtweg nicht zu versichern und nicht zu bekommen.

Im kommenden Jahr hofft Röper, dass die Krise abgeklungen ist und das Museum neu durchstarten kann. "Wir wollen die Lithografie wieder stärker zeigen." Geplant sei etwa eine Ausstellung mit Steindrucken des Gernsheimer Künstlers Mario Derra, der 2002 im Steinbruch die weltgrößte Lithografie geschaffen hatte. Auch den Ammoniten als Erkennungszeichen des Naturparks Altmühltal will er künftig Raum geben. "Wir haben da eine tolle Sammlung dieser Kopffüßler erhalten." Und letztendlich will Röper das Solnhofener Museum besser mit dem Jura-Museum auf der Willibaldsburg in Eichstätt vernetzen, das unter neuer Leitung wieder eröffnet hat.

RAINER HEUBECK

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Solnhofen