Nahwärme: Wettelsheim und Bubenheim gründen Genossenschaft

6.3.2021, 06:01 Uhr
Schon die Informationsveranstaltung im vergangenen Oktober zeugte vom Interesse der Anwohner: Damals nahmen etwa 220 Menschen aus Wettelsheim und Umgebung teil. Mittlerweile ist die Zahl der Interessenten auf 280 Haushalte angewachsen.

Schon die Informationsveranstaltung im vergangenen Oktober zeugte vom Interesse der Anwohner: Damals nahmen etwa 220 Menschen aus Wettelsheim und Umgebung teil. Mittlerweile ist die Zahl der Interessenten auf 280 Haushalte angewachsen. © Foto: Huber, Hüttinger

Wenn auch erschwert durch den Winter im Lockdown, so laufen die Planungen rund um das Nahwärmenetz in Wettelsheim doch kontinuierlich weiter. Denn die Verantwortlichen im Ort, die das Projekt seit einigen Monaten federführend betreuen, haben vor kurzem einen wichtigen Schritt getan – und offiziell eine Genossenschaft gegründet.

Auch tauschte man sich über die jüngsten Entwicklungen rund um das Herzblutprojekt aus. Demnach sind Hackschnitzelkessel für die Wettelsheimer tatsächlich nicht die einzig denkbare Variante. Parallel werden auch andere regenerative Wärmequellen betrachtet, um das beste Konzept für das Projekt zu finden.

Nahwärme ist aktuell in vielen Gemeinden im Landkreis ein großes Thema. In der unmittelbaren Umgebung steckt derzeit auch Osterdorf mitten in den Planungen für ein Hackschnitzel-Heizwerk. Wie ein solches funktioniert, zeigt vereinfacht obige Grafik.

Nahwärme ist aktuell in vielen Gemeinden im Landkreis ein großes Thema. In der unmittelbaren Umgebung steckt derzeit auch Osterdorf mitten in den Planungen für ein Hackschnitzel-Heizwerk. Wie ein solches funktioniert, zeigt vereinfacht obige Grafik. © NN-Infografik: Miriam Hoffmann

In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich die Initiatoren auch mit den Wärmenetzen anderer Gemeinden befasst und daraus Schlüsse für das eigene Projekt gezogen. Außerdem wurde das Interesse an einem Nahwärme-Anschluss im benachbarten Bubenheim abgefragt. Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden der neuen Genossenschaft, Rainer Lechner, haben sich darauf so viele Bubenheimer gemeldet, dass das geplante Netz ohne eine Kostenerhöhung für die einzelnen Abnehmer erweitert werden könnte.

Bubenheim ist auch dabei

Derzeit zählt das Projekt rund 280 potenzielle Anschlussnehmer, während man eingangs mit rund 250 gerechnet hatte. Die Kosten könnten demnach so bleiben, wie sie im Herbst kalkuliert wurden – oder sogar geringer werden.

Für jeden Anschlussnehmer würde ein Antrittsgeld in Höhe von rund 6000 Euro fällig, zudem würde über die Genossenschaft ein Kredit aufgenommen, der über 20 Jahre von den Mitgliedern gemeinsam abbezahlt wird. Laut Kalkulationen der Firma Enerpipe beliefe sich der Wärmepreis auf schätzungsweise 6,7 Cent pro Kilowattstunde bei einer Grundgebühr von 25 Euro pro Monat. Die Rückzahlung des Kredits ist darin bereits enthalten.

Durch die vollzogene Gründung der Genossenschaft gibt es nun die rechtliche Basis, um weitere Planungsschritte einzuleiten. Zuerst prüft der Genossenschaftsverband die Satzung und das Wirtschaftskonzept und gibt sie nach positiver Begutachtung frei. Anschließend wird die Genossenschaft "Nahwärme Wettelsheim-Bubenheim" in das Genossenschaftsregister eingetragen.

Die künftigen Abnehmer der Nahwärme bekommen danach die Satzung und können dann der Genossenschaft beitreten. Dafür muss allerdings jedes Mitglied unterschreiben – wie genau das unter Corona-Bedingungen geregelt wird, gibt der Vorstand noch bekannt.


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Die Genossenschaft soll anschließend einen Planungsauftrag mit der Firma Enerpipe aus Hilpoltstein unterzeichnen, die bereits während des gesamten vergangenen Jahrs in die Planungen involviert war. Danach werden Angebote für das Bauvorhaben eingeholt, beispielsweise für den Heizkessel, die Übergabetechnik oder die Tiefbauarbeiten.

Anschließend werden Nägel mit Köpfen gemacht: Die detaillierte Trassenplanung nimmt Enerpipe direkt vor Ort vor. Der Vorstand kontaktiert hierfür alle Mitglieder der Genossenschaft und vereinbart individuelle Termine. Bei dieser Gelegenheit wird auch nochmals die benötigte Wärmemenge pro Anschluss überprüft. Anschließend wird ein Wärmeliefervertrag für jeden einzelnen Abnehmer der Nahwärme ausgearbeitet und unterzeichnet.

Späterer Anschluss wird teurer

Nach Angaben der Genossenschaft ist das dann wohl auch der letztmögliche Zeitpunkt, um unkompliziert in das Nahwärmeprojekt einsteigen zu können. Sobald die Trassen feststehen oder gar der Bau begonnen hat, werde es bedeutend komplizierter, wenn nicht gar unmöglich, noch teilzunehmen. In jedem Fall könne es für Interessenten teuer werden, noch einen Anschluss zu bekommen. Kosten, die durch erneute Arbeiten an den Trassen anfallen würden, müssten die Nachzügler dann beispielsweise selbst tragen.


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Die Genossenschaft ruft daher dazu auf, sich nun so bald wie möglich beim Vorstand oder Aufsichtsrat zu melden, wenn es weitere Fragen gibt oder das Interesse an einem Anschluss noch nicht mitgeteilt wurde. Wann genau die Verlegung der Trassen beginnen wird, ist aktuell noch nicht absehbar – ein Umstand, der der Pandemie geschuldet ist.

Im Vorstand der Genossenschaft sitzen seit Mitte Februar Stefan Heuberger, Hannes Köhnlein und Martin Huber. Rainer Lechner ist der Aufsichtsratsvorsitzende; ebenfalls im Aufsichtsrat sind Rene Hohmut als Schriftführer, Matthias Hüttinger als stellvertretender Vorsitzender sowie Sebastian Hartl, Andreas Görg, Jürgen Kraft, Jochen Engelhardt, Uwe Herzog und Wolfgang Auer.

Die Genossenschaft prüft derzeit, ob im Zuge des Nahwärmeausbaus auch gleich Glasfaserleitungen mit verlegt werden können. Die Anschlussnehmer könnten dann zusätzlich von schnelleren Internetzugängen profitieren. Wie in einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Herbst deutlich wurde, ist sehr vielen Interessenten der Nahwärme auch an diesem Aspekt gelegen.

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