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Nennslinger Heimatgeschichte in neuer Form

Oskar Grimm hat ein besonderes Schilder-Projekt zu Hausnamen angestoßen. - 14.01.2020 06:11 Uhr

Oskar Grimm hat in Nennslingen die Hausnamen von 120 Anwesen zusammengetragen. Nun sollen sie als Schilder an den jeweiligen Anwesen angebracht werden.

13.01.2020 © Foto: Rainer Heubeck


Dabei bieten sie Hinweise auf frühere Besitzer oder die Lage des jeweiligen Anwesens. In Nennslingen hat Oskar Grimm in den vergangenen Jahren 120 verschiedene Hausnamen zusammengetragen und sie den Anwesen zugeordnet – deren Besitzer heute oft ganz andere sind und manchmal den "alten" Namen gar nicht mehr kennen. Doch gerade bei den älteren Nennslingern ist der "Boder", der "Färber", der "Wechmacher", der "Gloser" oder der "Wonger" noch ein Begriff, auch wenn die jeweiligen Berufe heute nicht mehr ausgeübt werden beziehungsweise gar nicht mehr existieren. Grimm hat viele Stunden investiert, das Häuserbuch von Dr. Deutscher ausgewertet, ältere Hausbesitzer befragt und Akten gesichtet, um herauszufinden, welche Hausnamen existierten, verschwunden sind oder heute noch gebraucht werden – wenn über den "Steckla-Schousda" gesprochen wird. Der hatte weniger mit Schuhen zu tun als mit deren Absätzen, die von ihm oder dessen Vorfahren gefertigt wurden.

Unterschieden wird zwischen den natürlichen und künstlichen Hausnamen. Erstere bezeichnen meist die Lage das Anwesens – wie etwa der "Lohbauer" oder der "Utzenweber". Der eine hatte den Hof auf der "Loh", der andere webte in der Utzengasse. Derartige Kombinationen sind in Nennslingen weit verbreitet. Die eigentlichen Familiennamen "waren da oft zweitrangig", so Oskar Grimm.

Dagegen finden sich künstliche Hausnamen eher weniger – sie bezogen sich oft auf Aussehen, körperliche Gebrechen, Vorlieben oder von der Bevölkerung benutzte Spitznamen. "Früher hat man die Dinge noch beim Namen nennen können", schmunzelt Grimm. Heute wären manche Namen nicht mehr politisch korrekt oder gar eine Beleidigung.

Erst Aufzeichnungen über die Hausnamen in Nennslingen stammen aus dem späten 13. Jahrhundert, als die Schenken von Geyern die Grundherren über einen großen Teil Nennslingens wurden. Vor allem das im Staatsarchiv in Nürnberg verwahrte "Zink‘sche Salbuch" bietet viele Hinweise, ist aber für Grimm nicht ohne Weiteres zu erschließen – "wegen der alten Schrift". Auch Urkunden in altdeutscher Schrift kann er nur mit Mühe entziffern, die ersten Hausnummern wurden in der preußischen Zeit um 1796 in Nennslingen eingeführt. 1883 wurden neue Nummern vergeben, zumal die Zahl der Anwesen von 104 auf 121 gestiegen war. Die heutigen Straßennamen und Hausnummern sind dagegen vergleichsweise jung: Sie gelten erst seit dem 1. August 1970.

Mittlerweile hat Oskar Grimm für fast alle alten Nennslinger Anwesen die Hausnamen zusammengetragen – auch wenn dort die Besitzer in den vergangenen Jahrhunderten mehrmals wechselten. Seine Forschungen will er künftig auch noch auf die Ortsteile Biburg, Gersdorf und Wengen ausweiten.

"Vielleicht meldet sich ja noch der eine oder andere, der noch etwas dazu weiß, bei mir", hofft er. Angedacht war, dass die Hausnamen-Sammlung in ein Buch einfließen – ähnlich dem existierenden Häuserbuch. Grimm zufolge war eine Veröffentlichung der Hausnamen schon mal im Zuge der Dorfsanierung vor drei Jahrzehnten angedacht, doch mangels des nötigen Geldes wieder verworfen worden.

Nach Gesprächen mit der Marktgemeinde und Bürgermeister Günter Obermeyer entstand dann im vergangenen Jahr die Idee, statt eines Buches an den Anwesen Schilder anzubringen – einheitlich gestaltet mit dem jeweiligen "Hausnamen" und einer kurzen Erläuterung dazu. Das wurde schon in Orten wie etwa Bernried umgesetzt. Damit hätten auch die Nennslinger Bevölkerung wie Urlaubsgäste dauerhaft etwas von den Nachforschungen Grimms. Weiterer Vorteil: Die Hausnamen verstauben nicht in den Bücherregalen. Aktuell holt Grimm Angebote für die Schilder ein, um letztlich auch die Finanzierung des Vorhabens abklären zu können, das dann von der Marktgemeinde umgesetzt werden könnte. Wer letztlich die Kosten trägt – ob Gemeinde oder Hausbesitzer oder zusammen –, ist ihm relativ egal. Nur in der Vergessenheit verschwinden lassen will er die Begriffe wie den "Rossersattler" oder "Veitenschmied" nicht. "Hausnamen sind schließlich auch ein Stück Heimat."

RAINER HEUBECK

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