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Neubau der Montessori-Schule liegt vorerst auf Eis

Trägerverein muss Rücklagen für das Projekt schaffen - 14.09.2018 09:25 Uhr

Weiter zur Untermiete: Die Sekundarstufe der Montessori-Schule ist in der Brombachsee-Schule in Pleinfeld mit untergebracht. Aus dem Neubau in direkter Nachbarschaft wird aus Gründen der Wirtschaftlichkeit erst mal nichts. Deshalb bleibt die Situation die nächsten Jahre erst einmal so, wie sie ist. © Robert Maurer


Es klang alles wie eine unaufhaltbare Erfolgsgeschichte. Die Montessori-Schule startete 2009 im Schulhaus in Weiboldshausen als private Schule, hinter der ein Trägerverein steht. Viele lobten die Bereicherung der Schullandschaft in Weißenburg-Gunzenhausen durch den anderen pädagogischen Ansatz. Da störte auch das Schulgeld (fürs erste Kind in der Regel knapp 200 Euro) oder der erwartete Einsatz der Eltern für Schulveranstaltungen nicht. Jedes Jahr kam ein weiterer Jahrgang dazu. Irgendwann war Weiboldshausen zu klein, die Sekundarstufe ab der fünften Klasse zog 2013 nach Pleinfeld ins dortige Mittelschulgebäude mit ein.

Karin Heller vom Vorstand des Montessori-Vereins (es gibt fünf gleichberechtigte Vorstände) ist sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit mit den Gemeinden Höttingen und Pleinfeld. Doch es war schon länger klar, dass die Montessori-Schule gerne all ihre Angebote unter einem Dach vereinen würde und deshalb einen Neubau plante. Heller: „Zwei Standorte sind einfach ein Nachteil.“

Anfang 2016 hat der Verein die Neubaupläne öffentlich gemacht, ein Jahr später gab es ein erstes grobes Raumprogramm für 150 bis 200 Schüler mit 1600 Quadratmetern Nutzfläche. Die Kostenschätzungen gingen von etwa fünf Millionen Euro aus. Schulamt und Regierung hielten die Schülerzahlen für realistisch und erklärten somit prinzipiell, dass ein entsprechendes Vorhaben Fördermittel bekommen würde.

Das stillgelegte Hallenbad in Pleinfeld brachte die besten Voraussetzungen mit: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, Fachräume und Sportanlagen der Brombachsee-Mittelschule könnten wie jetzt auch mitgenutzt werden.

Nun galt es die groben Eckdaten ganz genau zu berechnen. „Wir waren sehr fleißig in den vergangenen eineinhalb Jahren“, sagt Karin Heller. Doch das Ergebnis war ernüchternd. Die Regierung hat ihre Fördersätze für private Schulen reduziert. Die Bau-kosten sind hingegen regelrecht explodiert. Am Ende der Berechnungen war klar: „Wir bräuchten 190 Schüler, da­mit es funktioniert.“

Aktuell sind es 55 Grundschüler in Weiboldshausen und 71 in der Sekundarstufe in Pleinfeld. Das ist seit Jahren recht stabil, sollte aber nach den Prognosen eher bei 150 liegen. Die Erfahrung anderer Montessori-Schulen zeigt, dass ein Neubau noch einmal ei­nen Schub von etwa 30 Schülern bringen würde, schildert Karin Heller. „Aber dann haben wir eben immer noch keine 190.“

Das Problem ist: Unter den jetzigen Voraussetzungen kann die Montessori-Schule Weißenburg-Gunzenhausen kaum wachsen, gibt Geschäftsführerin Tanja von Roden-Röll zu bedenken. In Weiboldshausen, wo auch die Verwaltung untergebracht ist, ist noch etwas Platz, aber in Pleinfeld gibt es bereits eine Warteliste. Den Wunsch nach einer zusätzlichen Lerngruppe gibt es, aber es fehlt der Platz dafür. „Wir haben dort fast schon zwei komplette Stockwerke angemietet“, gibt Heller zu bedenken. Den Rest braucht die Brombachsee-Mittelschule selbst.

Genau gerechnet: Montessori-Geschäftsführerin Tanja von Roden-Röll und Vorstand Karin Heller wollen nichts übers Knie brechen und erst Rücklagen bilden. © Robert Maurer


Rücklagen bilden

Nun will der Trägerverein erst einmal durchschnaufen, sich weiter konsolidieren und Rücklagen bilden, um einen Neubau in Zukunft leichter schultern zu können. Denn es ging in den vergangenen Jahren schon recht turbulent zu. Es gab einen ausgeprägten Wechsel im Vorstand des Trägervereins, einen Wechsel in der Geschäftsführung, und auch im jungen Lehrerteam gab es eine gewisse Fluktuation (Stichwort: Schwangerschaften).

Inzwischen hat sich alles gut eingespielt und in vielfacher Weise stabilisiert, versichern Tanja von Roden-Röll und Karin Heller und verweisen da­rauf, dass im Sommer die ersten Schüler ihren Abschluss gemacht haben (wir berichteten). Die Jugendlichen hätten sich erstmals in ihrer Schullaufbahn in einer solchen Prüfungssituation befunden, dennoch seien die Ergebnisse überdurchschnittlich gut ausgefallen. Die Schüler können an der Montessori-Schule den mittleren Bildungsabschluss (mittlere Reife) erwerben. Erstmals gibt es in diesem Schuljahr eine zehnte Jahrgangsstufe.

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Das Thema Neubau und die Konzentration auf einen Standort ist für den Montessori-Vorstand keinesfalls vom Tisch, betont Heller. Nur eine Prognose, wann der Verein das Projekt angehen will, wollen die Verantwortlichen nicht abgeben. „Wir wissen es schlicht selbst nicht.“ Zeitdruck hat der Verein nicht. In Pleinfeld und in Weiboldshausen ist man froh über die Nutzung der freien Räume in den Schulhäusern. Die Mietverträge verlängern sich automatisch von Jahr zu Jahr. „Und wir fühlen uns an beiden Standorten ausgesprochen wohl“, betont Karin Heller ausdrücklich. 

ROBERT MAURER

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