Neuer Chef und 1015 Jahre gelebte Solidarität

Benjamin Huck

Treuchtlinger Kurier

8.11.2016, 06:04 Uhr
Geschäftsstellenleiter Peter Weinzierl und der Ortsverbandsvorsitzende Ulrich Stange (von rechts) ehrten insgesamt 22 Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (nicht alle im Bild) für ihre langjährige Treue.

© Benjamin Huck Geschäftsstellenleiter Peter Weinzierl und der Ortsverbandsvorsitzende Ulrich Stange (von rechts) ehrten insgesamt 22 Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (nicht alle im Bild) für ihre langjährige Treue.

Wenn Ulrich Stange sein Arbeitsleben Revue passieren lässt, merken viele, dass sich die Zeiten geändert haben. 1976 übernahm er am Bahnhof Otting-Weilheim zum ersten Mal das Amt als Personalrat. Damals war die Station noch besetzt und die Bahn eine Bundesbehörde. Heute sind viele Bahnhöfe geschlossen und die DB eine Aktiengesellschaft. Doch für den Ortsvorsitzenden der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft in Donauwörth gab es noch immer viel zu tun.

Am 1. Juni 2004 fusionierte der Treuchtlinger Ortsverband freiwillig mit den Donauwörthern. Auch die Nördlinger schlossen sich dem neuen Verein an. Insgesamt zählt er heute 713 Mitglieder. Die Zahl bleibe seit Jahren gleich, so Stange. Er kündigte bei der Jahresversammlung im evangelischen Gemeindehaus in Treuchtlingen an, spätestens 2018 sein Amt abzugeben.

Mit dem Treuchtlinger Gerhard Neupert steht schon ein Nachfolger bereit. Am 21. November treffen sich die Delegierten der drei Sektionen in Treuchtlingen zur Vorstandsneuwahl.

Bei der Versammlung wurden nicht nur die Delegierten gewählt, Gewerkschafts-Urgestein Peter Weinzierl gab als Gast auch einen Ausblick auf die laufenden Tarifverhandlungen mit der Bahn. Sieben Prozent mehr Lohn, wie der zusammenkommt, kann jeder Beschäftigte individuell entscheiden, so Weinzierl. „Zweieinhalb Prozent davon wollen wir als individuelles Wahlrecht vereinbaren: entweder sechs Tage mehr Urlaub, eine Stunde pro Woche weniger arbeiten oder nochmal zweieinhalb Prozent mehr Geld.“

Was die Eisenbahner zunehmend beunruhigt, sind die gewalttätigen Übergriffe auf ihre Kollegen – seien es die Axtattacke in einem Zug bei Würzburg oder der Raubüberfall auf einen Schaffner in Treuchtlingen in der vergangenen Woche. Wenn ein Kollege den Eindruck habe, dass bei einem Übergriff die Gefahrenlage andauere und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet sei, dann müsse der Zug eben im nächsten Bahnhof stehen bleiben, bis die Polizei da ist, meint Weinzierl. „Dann steht ein reibungsloser Betriebsablauf nicht mehr im Vordergrund, dann geht die Sicherheit vor.“

Gut für die Gewerkschaft, dass ihr trotz der vielen Umwälzungen im Bahnwesen in den vergangenen Jahren wenigstens die Mitglieder die Treue halten. Ulrich Stange und Peter Weinzierl ehrten 22 Männer und Frauen für insgesamt 1015 Jahre Mitgliedschaft. Seit stolzen 70 Jahren sind Karl Magerl und Moritz Mayr dabei. Auf sechs Jahrzehnte bringen es Rudolf Eisenberger, Alois Heigl, Ludwig Hertlein, Ingo Kiefer, Peter Kress, Manfred Schreitmüller und Friedrich Schussmann. Ein halbes Jahrhundert Mitglied sind Karl-Heinz Dischinger, Gert Enzelberger, Walter Uhlig und Robert Wiesbeck. Für 40 Jahre feierte die Versammlung Werner Gruber und Reinhold Mack sowie für 25 Jahre Ernst Avril, Ursula Bürlein, Andreas Halx, Dietmar Heckl, Herbert Pfahler, Klaus Rösch und Hermann Schmidt.

Keine Kommentare