Kreisdeligiertenkonferenz in Solnhofen

Neuwahlen im SPD-Kreisverband Weißenburg-Gunzenhausen

Markus Steiner
Markus Steiner

Weißenburger Tagblatt

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23.5.2022, 16:00 Uhr
Harald Dösel bleibt einer der beiden Kreisvorsitzenden, Anette Pappler hört auf und will nur noch Beisitzerin sein.

© Markus Steiner Harald Dösel bleibt einer der beiden Kreisvorsitzenden, Anette Pappler hört auf und will nur noch Beisitzerin sein.

Die Gemeinde Solnhofen ist weltweit bekannt für seinen Marmor. Im Landkreis weiß man auch, dass der kleine Jura-Ort noch immer eine SPD-Hochburg ist. Von daher war es folgerichtig, dass die Kreisdelegiertenkonferenz heuer wieder einmal in der gut gefüllten Sola-Halle stattfand, bei der auch Neuwahlen auf der Tagesordnungstanden, die einige personelle Veränderungen mit sich brachten.

Neue Doppelspitze

So wird der Kreisverband Weißenburg-Gunzenhausen künftig von der Doppelspitze Bianca Bauer (Gunzenhausen) und Harald Dösel (Weißenburg) angeführt. Anette Pappler verzichtete auf eine erneute Kandidatur als Kreisvorsitzende und will künftig nur noch Beisitzerin sein. Bevor sie nach den Wahlen das Zepter aber an Bianca Bauer abgab, leitete sie gemeinsam mit Dösel die Delegiertenkonferenz, die immer 33 von insgesamt 56 Stimmberechtigten besuchten. Ute Grimm als Solnhofener Ortsvereinsvorsitzende begrüßte die Genossinnen und Genossen, danach wurde die Tagesordnung leicht verändert angenommen und die Wahlkommission bestimmt, der Joachim Federschmidt, Agnes Mendl und Sebastian Hartl angehörten, letzterer übernahm auch die Rolle des Tagungsleiters.

Anette Pappler hatte ihren letzten Bericht als Kreisvorsitzende unter das Motto "ZDF - Zahlen, Daten, Fakten" gestellt und betonte darin, dass es der SPD vor allem wichtig sei für "gutes Leben in der Region" ihren Beitrag zu leisten. Sie gab einen Überblick über einige wenige Veranstaltungen des Kreisverbandes, darunter eine Herbstwanderung um Solnhofen. Pappler stellte als erfolgreiche Aktion die Online-Resolution gegen Querdenker und Coronaleugner heraus, die binnen kurzer Zeit von mehr als 4400 Menschen unterzeichnet worden war.

Auch die Kundgebung in Gunzenhausen verbuchte sie als Erfolg: "Die SPD packt im Kreis die wichtigen Themen an, bezieht Stellung und erreicht eine breite Basis." Durch die Bestellung einer bzw. eines Beauftragten für politische Arbeit wolle man die Weichen für die künftige Arbeit stellen, sagte die scheidende Kreisvorsitzende, die sich für die gute Mitarbeit und Zusammenarbeit in dem Gremium bedankte. Ihr Ziel sei es stets gewesen, "das Leben der Menschen in der Region ein bisschen besser zu machen", sagte Pappler, die künftig aus persönlichen Gründen etwas mehr in den Hintergrund treten und nur noch Beisitzerin sein wolle.

Eine Abfolge von Krisen

Ihr Kreisvorstandskollege Harald Dösel betonte in seiner Rede, dass wir derzeit in einer schwierigen Zeit lebten, die eine "Abfolge von Krisen" sei und in der die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft bestehe. Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg setzten aus Dösels Sicht die Menschen unter Stress, die Politik werde oftmals nur als "Getriebene" wahrgenommen. Die zentrale Frage jeglicher Politik müsse sein: "Wie schaffen wir Frieden in der Welt?" Derzeit werde der Frieden und die Freiheit in ganz Europa "mit den Füßen getreten".

Der Kreisvorsitzende stellte sich dabei hinter den SPD-Kanzler Olaf Scholz, der keine Schnellschüsse wage, sondern sich überlegt und besonnen der Komplexität des Krieges stelle. Im gleichen Zuge warf er CSU-Fraktionschef Friedrich Merz durchschaubaren "Aktionismus" vor. Auch der CSU in Bayern warf Dösel "Wichtigtuerei" im Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket vor: "Der CSU geht es vor allem um sich selbst und nicht um das Leben der Menschen in Bayern." Die Partei sei stattdessen mit Maskendeals, Vetternwirtschaft, ungeeigneten Generalsekretären oder einer lahmende Digitalisierung beschäftigt. Und auch die Energieversorgung durch Erneuerbare Energien sei "verschlafen" worden. Die Wiederbelebung der Atomkraft, wie von der CSU propagiert, sei ein Irrweg, den die Mehrheit der Bevölkerung nicht mitgehen wolle.

Dösel, der erneut für den Landtag kandidieren will (wir berichteten), dankte für das Vertrauen des Kreisverbandes und bat seine Genossen, ihn auch bei der Nominierung zu unterstützen, was mit langanhaltendem Applaus quittiert wurde. Abschließend gab sich der Vorsitzende noch kämpferisch: "Es gibt viel zu tun! Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!"

Bericht aus dem Kreistag

Nach dem Kassenbericht von Kassier Thomas Fay, der die genauen Ausgaben und Einnahmen vorstellte und dem eine einwandfreie Kassenführung von den Revisoren bescheinigt worden war, berichtete Pappler stellvertretend für den Kreistagsfraktionssprecher Mathias Hertlein aus dem Gremium: Keiner der SPD-Anträge zur Müllvermeidung sei angenommen worden, was sie insofern ärgere, weil erst kürzlich festgestellt wurde, dass die Müllmenge im Landkreis um 1200 Tonnen zugenommen habe. Auch das Leitbild "Altmühlfranken 2030" sei aus Papplers Sicht "noch nicht der große Wurf" und müsse deshalb durch ergänzende Anträge erweitert werden. Stolz und froh sei sie dagegen, dass es gemeinsam mit den Freien Wählern der SPD im Kreistag gelungen sei, die Kreisumlage zu senken, dem Landkreis aber weiterhin genügend Mittel zur Verfügung gestellt werden, um seinen Aufgaben gerecht zu werden.

Die neue Doppelspitze der SPD im Kreisverband: Bianca Bauer aus Gunzenhausen  und Harald Dösel aus Weißenburg.

Die neue Doppelspitze der SPD im Kreisverband: Bianca Bauer aus Gunzenhausen und Harald Dösel aus Weißenburg. © Markus Steiner

Nach den Kurzvorstellungen der einzelnen SPD-Arbeitsgemeinschaften und Arbeitskreise wurde der Vorstand einstimmig entlastet und die neuen Kreisvorsitzenden gewählt. Während Dösel mit Verweis auf seine Bekanntheit auf eine Vorstellung verzichtete, stellte sich Bauer kurz vor: Die 43-Jährige stammt ursprünglich aus Dresden, kam aber bereits 1989 nach Schwabach, wo sie das Gymnasium besuchte. Bauer ist veterinärmedizínisch-technische Assistentin und gelernte Hotelkauffrau. Sie lebt seit 1994 in Gunzenhausen und hat dort die kaufmännische Leitung des Hotels "Blauer Wolf" inne. Bauer ist verheiratet, hat zwei Kinder und steht seit 2017 dem SPD-Ortsverband Gunzenhausen vor. Zudem ist sie Stadträtin. Während Dösel mit 33 Ja-Stimmen im Amt bestätigt wurde, erhielt Bauer 30 Ja- und zwei Nein-Stimmen sowie eine Enthaltung.

Als Stellvertreter wählten die Genossen Mathias Hertlein (31 Ja), und Verena Kreidel (30 Ja).

Nach allen erforderlichen Wahlgängen, die bis gegen 21.30 Uhr andauerten, beschloss Vorsitzender Dösel die Kreisdelegiertenkonferenz mit folgenden Worten: "Danke allen für den disziplinierten Parteitag. Wir freuen uns auf das neue, junge Team."

Wer wurde gewählt? 

Die Beisitzer: Manuel Birnmeyer, Tobias Eberle, Mirjam Eischer, Kornelia Goth, Regina Hackenberg, Anette Pappler, Inka Poller, Thomas Rödiger, Tim Schober, Tanja Tütken und Andreas Widmann.

Vertreter der AGs: Paul Pfeifer (Jusos), Monika Wopperer (AsF), Agnes Mendl (AfA).

Vertreter der Ortsvereine: Werner Götz (Ellingen), Binca Bauer (Gunzenhausen), Rita Balzer (Haundorf), Georg Emmerling (Langenaltheim), Mathias Hertlein (Markt Berolzheim), Thorsten Werner (Muhr am See), Pia Brunnenmeier (Pappenheim), Felix Michahelles (Pleinfeld), Ute Grimm (Solnhofen), Sebastian Hartl (Treuchtlingen), Elisabeth Pecoraro (Weißenburg).

Internet/PR: Björn Busse.