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Pappenheim: "Ich will ein Bürgermeister für alle sein"

Florian Gallus (CSU) will den zerstrittenen Stadtrat vergessen machen - 06.08.2020 14:00 Uhr

Ein Posten, der ihm Spaß macht: Nach 100 Tagen im Amt zieht Pappenheims Bürgermeister Floran Gallus (CSU) eine selbstsichere und positive Bilanz.

© Foto: Miriam Zöllich


Florian Gallus ist sich seiner Sache sicher. Seit er am 15. März erfahren hat, dass er als CSU-Kandidat als Sieger aus dem Duell mit Amtsinhaber Uwe Sinn (SPD) hervorgegangen ist, scheint er auf einer Dauerwelle der Motivation zu reiten. Pappenheim brauchte einen Wechsel, davon ist Gallus nach wie vor überzeugt – und ebenso davon, dass er derjenige ist, der das Ruder herumreißen kann.

Ohne jene Überzeugung und Motivation wäre die vorsichtige Veränderung, die man im politischen Diskurs der Stadt zweifelsohne spürt und die von vielen Seiten erleichtert bestätigt wird, auch kaum möglich. Der Bürgermeister nutzte den Schwung des Umschwungs. Noch vor der konstituierenden Stadtratssitzung lud er alle Mitglieder des Gremiums zu einer zwölfstündigen Klausurtagung ein.

Er wollte die Arbeit im neuen Stadtrat auf "ein solides Fundament" setzen, sagt er und die Vorbehalte aus den Vorjahren, die oft auch auf zwischenmenschlicher Ebene lagen, abbauen. "Auch ich habe Fehler gemacht", gibt Florian Gallus heute zu, der in der vergangenen Wahlperiode als CSU-Fraktionsvorsitzender noch für die Opposition stand.

Information vorab

"Aber ich wollte zeigen: Schaut her, ich reiche euch die Hand." Bislang scheint das zu klappen. Viele Anträge werden einstimmig beschlossen, die wenigen Diskussionen werden konstruktiv geführt. Ob das auch bei sensiblen Themen so bleiben wird? "Im nicht öffentlichen Teil gab es auch jetzt schon kontroverse und emotionale Diskussionen", berichtet Gallus. "Ich achte aber darauf, dass alles im Rahmen bleibt und moderiere das Ganze."

Ein schlechtes Wort über seinen Vorgänger verliert er nicht, betont aber dennoch, dass er auch an wichtigen Stellschrauben im Workflow mit Verwaltung und Stadtrat gedreht hat. So informiere er beispielsweise die Fraktionen und Mitglieder des Gremiums zeitnah vorab über die Tagesordnung mitsamt den Beschlussvorlagen, wobei er selbst nicht an den Fraktionssitzungen der CSU teilnehme. "Ich möchte Bürgermeister für alle sein."

Transparenz und Kommunikation hat sich der 38-jährige Bieswanger auf die Fahne geschrieben. Er versteht sich als Dienstleister für die Bürger, möchte etwa Bürgersprechstunden in den Ortsteilen etablieren. Seine vorherige Tätigkeit bei der Polizei spiele ihm dabei natürlich in die Karten, sagt er. Er kenne sich aus mit Psychologie und Führungslehre. "Ich arbeite gerne mit Menschen, scheue aber auch nicht die Konfrontation."

Ob es nun an Gallus‘ Kommunikationsstil liegt oder an der allgemeinen Hoffnung eines Neuanfangs, lässt sich nur vermuten. Fakt ist, dass auch in die verfahrene Situation mit der Grafschaft rund um die berühmten vier Quadratmeter Bewegung gekommen ist. "Beide Seiten sind aufeinander zugegangen", erklärt Gallus und deutet an, dass
sich eine friedliche Lösung anbahnt. Wenn dieser jahrelange (Rechts-)Streit tatsächlich beigelegt werden kann, ist es eine 100-Tage-Bilanz, die sich nicht zu verstecken braucht. Und auch der erfolgreiche Verkauf des leer stehenden Gasthofs "Krone" fällt schon in seine Amtszeit. Ein Zufall? Gallus grinst – er kenne den Investor schon länger, sagt er.

Die Corona-Krise ist für die Bürgermeister sämtlicher Kommunen natürlich eine große Herausforderung, der Lockdown spielte dem Rathaus-Neuling Gallus zu Beginn seiner Amtszeit aber sogar ein wenig in die Karten. Er hatte genug Zeit, um sich ohne Termindruck in aller Ruhe in der Stadtverwaltung einzurichten, in die einzelnen Fachbereiche reinzuschnuppern und sich einen Überblick über die laufenden Projekte zu verschaffen. Diese Projektliste sowie die Haushaltsplanung übersichtlich für die Stadtratsmitglieder darzustellen, war ihm ein großes Anliegen. Denn eines ist ihm im Hinblick auf die kommenden fünfeinhalb Jahre klar: Es wird teuer, und daran führt kein Weg vorbei.

"Allein beim Kläranlagenzusammenschluss und den Kanalbaumaßnahmen vergraben wir jetzt mal eben drei Millionen Euro im Boden", sagt der Bürgermeister und kann sich dann eine Spitze in Richtung Vorgänger doch nicht verkneifen: "Wenn man immer laufend investiert hätte, wäre es nicht so. Jetzt sind eben Genehmigungen ausgelaufen und die Zeit sitzt uns im Nacken."

Diesen Investitionsstau sieht Gallus etwa auch im Bereich der Feuerwehren, bei der (energetischen) Sanierung der städtischen Gebäude oder bei den Straßensanierungen. Der Masterplan für die Digitalisierung müsse nun angepackt werden, außerdem mangle es Pappenheim und seinen Ortsteilen an Bauplätzen und Kinderbetreuungsplätzen.

Florian Gallus möchte einen längerfristigen Finanzplan aufstellen, um dort jene Projekte einzuplanen, die im Haushalt zunächst nicht untergebracht werden konnten. Anderweitige große Zukunftspläne will der 38-Jährige momentan lieber nicht machen: Erst müssen die laufenden und dringenden Projekte angepackt werden. "Ich bin nicht der Typ, der Sachen auf die lange Bank schiebt. Ich möchte sie lieber vom Tisch haben." Und trotz der kostspieligen Investitionen ist Gallus überzeugt, dass er mit Abschluss der Projekte bald wieder auf einen ausgeglichenen Haushalt zurückkommen werde.

Die ersten 100 Tage im Amt seien "wahnsinnig schnell vergangen", findet er. Der Schwung, mit dem der Bieswanger ins Pappenheimer Rathaus gerutscht ist, scheint bis jetzt noch nicht abgenommen zu haben: "Die Herausforderung reizt mich, und es macht mir riesengroßen Spaß."

MIRIAM ZÖLLICH

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