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Pappenheimer Straßenstreit geht weiter

Bürgermeister ist entnervt von Grundstücksstreit - 05.10.2017 09:24 Uhr

Eine Lösung ist weiter nicht in Sicht: Seit Pappenheims Bürgermeister Uwe Sinn (SPD, li.) seinen Parteifreunden aus der Landtagsfraktion die vier Quadratmeter Streitfläche zeigte, hat sich an dem grundlegenden Problem nichts geändert.

© Archivfoto: Stephan


Das Amüsement um den kuriosen Streit ist mittlerweile so groß, dass Medien vom Traunsteiner Tagblatt über die Mittelbayerische bis hin zur renommierten Welt oder dem Internetportal arcor.de binnen Stunden die aktuelle Nachrichtenlage aus Pappenheim melden. Im aktuellen Fall geht es darum, dass inzwischen nicht mehr Gräfin Iniga von und zu Egloffstein Besitzer des umstrittenen Grundstücks ist, sondern ihr Sohn Johannes Graf von und zu Egloffstein.

Die vier Quadratmeter sind Teil der Klosterstraße, wegen eines historischen Widmungsfehlers allerdings nicht als Straße eingetragen. Die Gräfliche Familie hatte zwischenzeitlich damit gedroht, ihr asphaltiertes Mini-Grundstück mit einem Zaun zu umgeben. Das würde die Zufahrt zur Stadtwerkeinsel mit 40 öffentlichen Parkplätzen und dem Pappenheimer Energieversorger unmöglich machen. Der Verdacht liegt nahe, dass die Sperrungs-Androhung etwas mit den zahlreichen Streitigkeiten zu tun hat, die das gräfliche Haus inzwischen mit der Stadt hat.

Nur die nächste Finte?

Der jüngste Eigentümerwechsel der vier Quadratmeter ist deshalb brisant, weil man mit der bisherigen Eigentümerin inzwischen bereits über einen Verkauf einig gewesen sei, sagt zumindest Bürgermeister Uwe Sinn (SPD). „Wir hatten schon einen Notartermin, dann mussten wir feststellen, dass das Grundstück gar nicht mehr ihr gehört“, stellte ein entnervter Bürgermeister fest. „Jetzt geht das alles wieder von vorne los. Wir müssen den neuen Besitzer zweimal anschreiben und wenn er nicht antwortet, dann geht es wieder in den Stadtrat.“ Voraussichtlich im November wäre es wieder soweit, dass sich die Stadträte mit der unangenehmen Frage beschäftigen müssten, ob sie einen Spross des lokalen Adelsgeschlechts gerichtlich enteignen lassen sollten.

„Das ist doch nur die nächste Finte“, ärgert sich Sinn über den Eigen­tümerwechsel. „Mir ist das inzwischen wurscht, ich nehme keine Rücksicht mehr, ich sage einfach, wie es ist“, ereiferte sich das Stadtoberhaupt. Immerhin habe er vier Kästen Bier gewonnen, weil er gewettet habe, dass das Landesamt für Denkmalpflege die Ergebnisse der Prüfung der Sanierung des Neuen Schlosses in Pappenheim durch die gräfliche Familie nicht mehr vor Bundestags- und Landratswahl veröffentlichen werde. „Das Dumme ist nur, dass ich gar kein Bier trinke.“

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Tatsächlich wartet man seit Monaten auf die Prüfergebnisse, ob denn bei der Sanierung alles ordnungsgemäß zugegangen ist. Fakt ist, dass für das Neue Schloss zwar 1,3 Millionen Euro an Fördergelder überwiesen worden sind, die Sanierung aber bei weitem nicht abgeschlossen werden konnte. Mehrere Landtagsabgeordneten der SPD haben zwischenzeitlich den Obersten Bayerischen Rechnungshof eingeschalten, um das Projekt zu überprüfen. Sie wollen wissen, ob das Landesamt für Denkmalpflege das Sanierungsprojekt ordnungsgemäß überwacht hat. Dr. Albrecht Graf von und zu Egloffstein ist in Denkmalschutzkreise hervorragend vernetzt und unter anderem nach wie vor stellvertretender Vorsitzender des bayerischen Landesdenkmalrats.

Zwischenzeitlich hat die Stadt Pappenheim gut 40000 Euro an Fördergeldern von der Gräflichen Familie zurückgefordert, weil die Bedingungen für die Auszahlung nicht erfüllt worden seien. Bezahlt haben die Grafen bislang nicht. „Wir haben eine Mahnung rausgeschickt, ich denke, dass er Widerspruch einlegt, und dann geht das Ganze vor Gericht“, sagte Bürgermeister Sinn.  Trotz zarter Zeichen der Hoffnung sieht es im Moment eher so aus, als gäbe es für dpa und Co. noch mehr erheiternde Geschichten aus Pappenheim.

Jan Stephan

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