Pflanzliche Ernährung im Landkreis 

Pleinfelder Bloggerin gibt Tipps: So gelingt vegane Ernährung überall

MK
Milena Kühnlein

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5.7.2021, 09:08 Uhr

Anne Canepa, 35, ist freiberufliche Übersetzerin und lebt mit ihrem Mann in einem Haus bei Pleinfeld. Ehrenamtlich recherchiert und bloggt sie über vegane Ernährung in der Region.

Frau Canepa, was kochen Sie sich am liebsten nach einem langen, anstrengen Tag?

Anne Canepa: Wenn es wirklich ein anstrengender Tag war, habe ich ein schnelles Fast-Food-Gericht. Einfach Kartoffelscheiben in den Ofen und einen leckeren, veganen Dip dazu. Ansonsten mag ich gerne asiatische Gerichte, für ein Kokos-Curry mit Erdnüssen und viel frischem Gemüse bin ich immer zu haben.

Seit wann leben Sie vegan?

Anne Canepa: Mittlerweile seit vierzehn Jahren, also schon bevor es cool wurde (lacht).

Und seit wann bloggen Sie über diese Ernährungsform?

Anne Canepa: Den Veganguide gibt es seit 2013 als Projekt. Anfangs war das ein Teil der Vebu-Regionalgruppe Nürnberg, heute ProVeg, die ich damals für drei Jahre geleitet habe. Da habe ich gemerkt, dass der Veganguide etwas ist, wo ich langfristig Zeit und Herzblut reinstecken möchte. 2015 haben wir einen eigenen Veganguide-Verein gegründet. Eigentlich gibt es auch eine Printausgabe, im Coronajahr 2020 ging das nun leider nicht.


Vegane und vegetarische Ernährung: Expertinnen beantworten Ihre Fragen


Wie viele Menschen erreichen Sie denn eigentlich mit dem Blog?

Anne Canepa: Über das Jahr sind es mehrere 10.000. Unsere Printausgabe hat eine Auflage von etwa 20.000. Wir haben schon eine große Reichweite, die in Coronazeiten noch gestiegen ist. In der Zeit wurden viele To-Go-Angebote nachgefragt.

Woher ziehen Sie Ihre Inspiration?

Anne Canepa: Ich schreibe schon von Kindesbeinen an Texte und freue mich, dass ich das in mein Engagement einfließen lassen kann. Die Themen erreichen uns per Anfrage oder tauchen in den Medien auf. Wir schauen, was sich die Leute wünschen, was nützlich sein könnte. Wo kann man Hilfe erhalten? Wie fange ich an? Welche "Überlebenstipps" gibt es für verschiedene Restaurants? So kommen die Themen dann nach und nach. Zusätzlich haben wir natürlich unsere Neuentdeckungen aus der Region, die wir dann vorstellen.

Vegane Ernährung auf dem Land

In Nürnberg, Fürth und Erlangen gibt es mittlerweile einige vegane Restaurants. Wie sieht das denn im Vergleich dazu in Weißenburg, Ellingen oder Pleinfeld aus?

Anne Canepa: Da gibt es natürlich zum einen auch die Länderküchen, wo man meistens fündig wird. Die griechische Küche ist zum Beispiel fleischlastig, aber eben auch sehr gemüselastig. Da kann man überall mit den Leuten sprechen und sich was zusammenstellen lassen. Pizzateig ist immer vegan, da kann man einfach den Käse weglassen und sie zum Beispiel mit vielen Pilzen belegen lassen. Über ein freundliches Gespräch kommt viel zu Stande, da hat man Anlaufstellen.

In den gutbürgerlichen Restaurants ist es etwas schwieriger, aber selbst da kann man es sich eigentlich nicht leisten, gar nichts pflanzliches anzubieten. Für manche ist es sogar ein Verkaufsargument: Eine Gruppe geht extra in dieses Restaurant, eben weil es dort vegetarische und vegane Optionen gibt. Auch in Pleinfeld oder am Brombachsee gibt es viele Lokale, die vegane Optionen anbieten. Wir sind gerade dabei, alles zu entdecken und auszuprobieren. Wir überlegen jetzt sogar ein Special zu machen: Vegan im Seenland.

Wie sieht es denn bei Kirchweihen und Stadtfesten aus? Welche pflanzlichen Optionen sind dort zu finden?

Anne Canepa: Das kommt aufs Event auf. In kleineren Städten im Umkreis sind mittlerweile oft moderne Foodtrucks, die zum Beispiel Gemüsenudeln oder vegane Burger anbieten. Der Klassiker, wenn man nichts anderes findet, ist natürlich immer die Portion Pommes mit Ketchup (lacht). Aber auch Maiskolben mit Salz sind eine gute Alternative. Die Schausteller passen sich langsam auch immer mehr an. Wir recherchieren seit Jahren auch über die Weihnachtsmärkte in der Region, da findet man mittlerweile zum Beispiel vegane Crépes oder Kartoffelküchle. Im süßen Bereich gibt es eine Vielzahl von Nüssen, gebrannte Mandeln und so weiter.

Probieren, austesten, experimentieren

Sie kennen es sicher auch: Noch immer gibt es Vorbehalte gegen Veganismus. Wie begegnen sie dem?

Anne Canepa: Einfach trotzdem probieren und dem eigenen Herzen folgen. Im Supermarkt schauen, was es da Neues gibt, viel probieren und austesten. Wenn man Leute im Umfeld hat, die es nicht so akzeptieren, hat das oft psychologische Hintergründe. Als Veganer ist man oft das wandelnde Gewissen in seiner Anwesenheit. Das sollte man nicht persönlich nehmen. Man muss am Tisch ja auch nicht immer übers Essen oder Ethik sprechen. Ansonsten empfehle ich, sich vegane Kontakte bei einem lokalen Treffen oder dem Internet zu suchen und sich auszutauschen.

Wie ist denn ihre vegane Philosophie: Ganz oder gar nicht?

Anne Canepa: Jede vegane Mahlzeit hilft den Tieren. Jeder muss schauen, wie weit er oder sie das will. Das ist eine eigene Entscheidung. Ich persönlich will es zu einhundert Prozent machen. Aber jeder, der mitmacht, hilft, beispielsweise durch die Nachfrage von veganen Produkten im Supermarkt. Die Zahl der Flexitarier hat sich enorm erhöht.

"Die Leute waren begeistert vom Essen"

Sie haben ihre Hochzeit vegan gefeiert. Wie lief das ab?

Anne Canepa: Bei unserer standesamtlichen Hochzeit sind wir mit unseren Gästen in ein kleines Lokal gegangen. Da gab es zum Beispiel veganen, russischen Zupfkuchen, Bowle und Tortilla de patatas. Bei der kirchlichen Trauung haben wir für die Feier ein veganes Catering beauftragt. Das lief ab wie bei anderen Hochzeiten auch. Die vegane Hochzeitstorte kam super an, viele Gäste haben sich Nachschlag geholt. Die Leute waren begeistert von dem Essen. Es gab viel aus der spanischen und südamerikanische Küche. Für uns kam es nicht infrage, denn es war das Fest unserer Liebe und das feiern wir nach unseren Überzeugungen.

Auch ihre Flitterwochen verbrachten sie in Norddeutschland mit rein pflanzlicher Ernährung. Welche Reiseziele eignen sich dafür am besten?

Anne Canepa: Mein Mann ist Halbamerikaner und in den USA funktioniert es mittlerweile super. Außer auf dem Land, da muss man sich eher aus dem Supermarkt bedienen. In Spanien gibt es tolle Menüs, mindestens jedes zweite Restaurant hatte Optionen. In Thüringen und in Sachsen waren wir auch schon viel unterwegs und haben sehr lecker gegessen, England ist auch sehr veganfreundlich.

Fränkische Esskultur der Zukunft

Stellen Sie sich Mittelfranken im Jahr 2050 vor. Wie ernähren sich die Menschen?

Anne Canepa: In 20, 30 Jahren wird es überall pflanzliche Optionen geben. Wahrscheinlich wird es sich umkehren, dass es ein paar Gerichte mit Fleisch auf der Karte geben wird, aber der Großteil wird vegetarisch oder vegan sein. Die meisten Leute werden die geschmacklich identischen Versionen wählen. Fleisch wird deutlich teurer sein. Das Angebot wird sehr breit. Natürlich wird die fränkische Esskultur erhalten bleiben, aber eben auf eine nachhaltige Weise.


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Vermissen Sie gar nichts aus Ihrer früheren Ernährungsform?

Anne Canepa: Eher wenig. Ich bin leidenschaftliche Köchin und baue alles nach, was ich irgendwo sehe. Ich würde mir wünschen, dass es noch mehr veganes Softeis gäbe, aber dafür habe ich eine Eismaschine zuhause. Als ich damals vegan wurde, musste ich alles zusammensuchen. Deshalb machen wir den Veganguide auch: Die Menschen sollen es einfach haben und die leckeren Gerichte genießen.

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